Die DKM 2024 ist Geschichte: 14.127 Finanz- und Versicherungsprofis – 277 mehr als im Vorjahr, aber rund 3.300 weniger als 2019 – haben laut Angaben des Veranstalters BBG die Messe besucht. Die von 285 auf 256 gesunkene Zahl der Aussteller wurde mit Fusionen in der Branche und einer bereinigten Zahlweise begründet: Jedes Unternehmen gehe nunmehr nur einmal in die Statistik ein, Tochterfirmen mit eigenem Stand werden nicht mehr gezählt. Den starken Aussteller-Rückgang im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit (2019: 358) vermag das indes nicht zu erklären.
Bekanntes Konzept mit geringen Änderungen
Das im Vorjahr mit Blick auf volle Terminkalender und gekürzte Reisebudgets bei den Unternehmen eingeführte kompaktere Messekonzept wurde nur geringfügig angepasst. So begann das Messegeschehen am Dienstag eine Stunde früher. Zudem war der Aufbau in den beiden Messehallen mit mehr Sitz- und Freiflächen luftiger und die Speaker’s Corner für Top-Themen wirkte im Vergleich zu früher kleiner. Das Vortragsprogramm fiel gewohnt ambitioniert und zumindest im Versicherungsbereich sehr breit gefächert aus. Für Investmentthemen gab es einen eigenen Kongress mit Themenpark. Sachwertinitiatoren hingegen waren bis auf wenige Immobilienanbieter kaum vertreten.
KI-Themen von Maklern besonders nachgefragt
Insgesamt 221 Vorträge, davon 203 live vor Ort in 16 Kongressen und der Speaker’s Corner standen auf der Agenda der DKM. Die weiteren Vorträge fanden im Vorfeld auf der Plattform „DKM365“ als digitale Workshops statt. Auffällig waren die vielen gut besuchten Vorträge zum Thema Künstliche Intelligenz sowie die engagierten Kongresse „Young DKM“ (für Jungmakler) und „FemSurance“ für den weiblichen Branchennachwuchs. Die im Vergleich zur Gesamtwirtschaft positive Grundstimmung in der Versicherungswirtschaft wurde vielfach betont, unter anderem in der als Elefantenrunde bekannten Diskussionsrunde zu Herausforderungen und Zukunftsperspektiven im Maklermarkt mit den Vorstandsvorsitzenden mehrerer großer Versicherer.
Beste Jungmaklerin und Preise en masse
Ebenfalls auffällig war die Inflation an Preisen. So wurden in den zwei Messetagen vergeben: der Jungmakler-Award (Gewinnerin: Kim Vivian Sombrutzki, die sich mit ihrer Mutter auf die Beratung von Taxiunternehmern spezialisiert hat), der Marketing-Award für die beste Marketingkampagne (Gewinner: Markel), die von Franke & Bornberg in rund einem Dutzend Kategorien vergebenen ESG-Awards für die nachhaltigsten Versicherer, zudem der Award „Unternehmer-Ass 2024“ für den besten Versicherungsmakler 2024 (Gewinner: Tobias Tobisch) und auf der „Young DKM“ ein Jungmakler-Quest für denjenigen aktuellen oder ehemaligen Jungmakler-Award-Teilnehmer, der am besten ein Dutzend Aufgaben in Form einer Schnitzeljagd erfüllte (Gewinner: das Team von Feminin Finance).
Veranstalter BBG mit der Resonanz zufrieden
„Die Rahmenbedingungen haben es uns in der Organisation nicht immer einfach gemacht. Trotz stetig steigender Preise, knapper Budgets und Fachkräftemangel in allen Bereichen ist es uns gelungen, sowohl für Aussteller als auch Besucher den beliebten und bekannten DKM-Spirit erneut in die Dortmunder Messehallen zu bringen“, zeigte sich Messechefin Lisa Knörrer, Tochter von DKM-Gründer Dieter Knörrer, zufrieden. Die Resonanz sei so gut, dass bereits verbindliche Anmeldungen für 2025 vorlägen.
@Oliver Lepold
Prominente Namen aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltung, die in den 2010er-Jahren noch zahlreich auf der DKM zu finden waren, sind mittlerweile rar geworden. Der ehemalige saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) im Polit-Talk „Wie gefährdet ist unsere Demokratie aktuell?“ und Entertainerin Barbara Schöneberger sorgten immerhin für Zugkraft. Insbesondere die halbe Stunde auf der Bühne der Speaker’s Corner mit dem charismatischen TV-Star sorgte für gute Unterhaltung und viele Lacher. So bekannte Schöneberger, Werbebotschafterin der VHV Versicherungen, dass sie googlen musste, wofür das Akronym DKM überhaupt steht und bei „Deckungskonzeptmesse“ zunächst an einen Marktplatz für Pferdesperma dachte.
Das sagen die Aussteller
DAS INVESTMENT befragte am zweiten Messetag Aussteller nach ihren Eindrücken, die von positiv bis gemischt reichten. „Wollen Sie eine ehrliche oder höfliche Antwort?“, sagte etwa Patrick Wagner von den VHV Versicherungen, die mit einem großen Stand in leuchtend gelb das Entrée der Messehalle 3 dominierte. „Man muss hier sein, aber ob das den Geschäftsumsatz nach oben treibt, bezweifle ich. Wenn wir nicht auf der DKM wären, käme die Frage: warum seid ihr nicht hier, geht es euch schlecht oder habt ihr es nicht nötig?“, so Wagner weiter. Im Vordergrund stehe für ihn auf der DKM ohnehin eher der Kontakt zu den bestehenden Vertriebspartnern.
Dass manche Versicherer oder Pools wie Fondsfinanz nicht mehr vertreten waren, fiel natürlich auf. „Es haben sich einige Aussteller zurückgezogen, dafür sind andere – wie wir – größer geworden. Darauf sind wir auch sehr stolz. Die DKM ist sehr ausgewogen, wir hatten sehr viele gute Gespräche. Es lohnt sich hier zu sein“, lautete das Statement von Julian Junghohann von der Hannoverschen.
Auch beim Vermittlerverband AfW zeigte man sich entspannt: „Es ist schön, wieder alle geballt auf einer Veranstaltung zu haben. Insgesamt sehe ich hier nur Optimismus der Branche. Etwas kritisch wird es beim Kfz-Geschäft, aber das ist sicherlich kein Hauptthema. Dem Maklermarkt selbst, für den wir als Verband stehen, geht es gut. Dort gibt es derzeit keine kritischen regulatorischen Themen“, sagte der geschäftsführende Vorstand Norman Wirth.
Barmenia Gothaer zeigt die neue Größe
@Oliver Lepold
„Das Interesse an unserer neuen Marke ist sehr groß, wir hatten 200 bis 300 Leute auf unserer Standparty am Abend des ersten Messetages“, betonte Frank Conrad von der Barmenia Gothaer. „Wir haben hier auch Vertriebspartner getroffen, die erst hier auf der DKM von der im September vollzogenen Fusion der beiden Unternehmen erfahren haben“, so Conrad weiter. Die Barmenia Gothaer präsentierte sich nach dem Zusammenschluss mit neuem Markenauftritt, einem besonders großen Messestand und auffallend viel Personal. Ausgestellt wurden Meisterschale oder DFB-Pokal von Fußballclub Bayer Leverkusen, dessen Trikotsponsor die Barmenia ist.
Besucher mit differenziertem Fazit
Und die Fachbesucher? Manfred Isenberg aus Recklinghausen kommt bereits seit 25 Jahren auf die DKM. „Es gibt kaum noch Prospekte, alles ist nur noch digital, ich hätte gern etwas in der Hand. Das ist für mich nicht so schön“, so der erfahrene Makler. Den Informationsgehalt des Programms und die Qualität der Gespräche beurteilt Isenberg aber als nach wie vor gut. In der Tat, Besucher mit prall gefüllten Taschen und üppigen Giveaways der Aussteller – unvergessen sind die Schneeschaufeln und Kehrbesen, mit denen DKM-Besucher früher die Messegänge verstopften – sind Vergangenheit.
Derartige Messetrophäen sind für Fachbesucherin Tanja Kupfer nicht relevant. „Dennoch fand ich es früher etwas angenehmer auf der DKM. Da hatte man das Gefühl, dass man als Gast mehr abgeholt wurde. Zum Beispiel mit der Abendveranstaltung, die es in der damaligen Form nicht mehr gibt“, gab die Maklerin zu Bedenken. Die Verschlankung der Messe sei aber wohl notwendig gewesen, was die nach wie vor hohe Besucherzahl belege. Die Qualität der Inhalte beurteilt Kupfer als nach wie vor sehr hochwertig, der persönliche Kontakt zu den Gesellschaften auf der DKM sei ihr sehr wichtig.
DKM 2025 am 28. und 29. Oktober 2025
Ein Besucher, der nicht namentlich genannt werden möchte, ist sich hingegen sicher, dass sich das stationäre Messekonzept auch aufgrund der hohen Preise für die Aussteller überlebt hat und nicht mehr in die Zeit passt. Demnach werde es in vier Jahren die DKM nicht mehr in dieser Form geben. Aktuell ist das schwer vorstellbar, zu fest scheint das Flaggschiff der Versicherungswirtschaft verankert. Der Termin für die nächste Ausgabe steht bereits fest: die 28. DKM findet vom 28. bis 29. Oktober 2025 erneut in der Messe Dortmund. Die Online-Anmeldung für Fachbesucher wurde hier bereits gestartet.
