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Draghis Zinsentscheid

Durch EZB-Anleihekäufe drohen Bundesanleihen knapp zu werden

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Banken, Pensionsfonds und andere Investoren konkurrieren bereits um ein schrumpfendes Volumen an Bundesanleihen. Wenn die EZB jetzt als Käufer dazukommt, könnten die Kurse so weit steigen, dass die Renditen der deutschen Anleihen auf breiter Front unter Null fallen.

Das Direktorium der EZB hat laut informierten Kreisen den Kauf von Staatsanleihen im Volumen von 50 Mrd. Euro monatlich ab März vorgeschlagen. Das impliziert, dass die Notenbank in einem Jahr bis zu 90 Milliarden Euro an deutschen Staatspapieren erwerben wird. Gleichzeitig will Deutschland das Volumen seiner umlaufenden Anleihen um rund 8 Milliarden Euro verringern.

„Das wird einen riesigen Schock für das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Markt für europäische Staatsanleihen verursachen“, sagte Anthony Doyle, Investmentdirektor bei M&G Group Plc in London. „Möglicherweise dauert es nicht mehr lang, bis der Markt für Bundesanleihen ebenso aussieht wie der Markt für Schweizer Staatspapiere, mit Negativrenditen für Laufzeiten von bis zu zehn Jahren. Es ist ziemlich verrückt.“

Die EZB gibt ihren Zinsentscheid um 13.45 Uhr bekannt. Notenbankpräsident Mario Draghi tritt um 14.30 Uhr vor die Presse.

Berücksichtigt man den Vorschlag des EZB-Direktoriums zusammen mit dem geringeren Angebot an Bundesanleihen, schrumpft der Markt für handelbare deutsche Staatsanleihen bis Ende 2015 um 98 Milliarden Euro, wie Bloomberg-Berechnungen zeigen. Von den bis zu 500 Milliarden Euro an Anleihekäufen der EZB über zehn Monate müssten 90 Milliarden Euro aus Deutschland kommen, wenn die EZB, wie von Geldpolitikern angedeutet, die Käufe entsprechend der Größe der jeweiligen Volkswirtschaften tätigt. Ende 2014 gab es 1,16 Billionen Euro an handelbaren Bundesanleihen.

Für die EZB dürfte es schwierig werden, Verkäufer von Bundesanleihen zu finden und sie zu überzeugen, andere Wertpapiere zu kaufen. Banken und Versicherer brauchen die mit einen erstklassigen „AAA“-Rating ausgestatteten deutschen Anleihen, um ihre Bilanzen zu stärken, Pensionsfonds nutzen Bundesanleihen, um ihre Zahlungsverpflichtungen abzudecken. In einem Umfeld mit wenig Wachstum und geringer Inflation bleiben die Investoren bei Anleihen, insbesondere da die EZB für bei ihr geparkte Gelder Gebühren verlangt.

„Die Banken in der Eurozone halten ungefähr 30 Prozent der Staatsanleihen ihrer Länder“, sagt Markus Allenspach, Leiter Anleiheanalyse bei Julius Bär Group Ltd. in Zürich. „Die Neuemissionen sind relativ begrenzt, also ist es eine Frage des Preises - auf welchem Niveau entscheiden die Banke, die Papiere zu verkaufen?“

Draghi will das Bilanzvolumen der Notenbank von derzeit 2,16 Billionen Euro in Richtung 3 Billionen Euro ausweiten, um die Inflation im Euroraum wieder anzuschieben. Bevor die EZB im Oktober Details zu ihren Ankaufplänen für gedeckte Anleihen und mit Forderungen besicherte Papiere (ABS) bekanntgab, lag die Bilanzsumme bei 2,05 Billionen Euro.

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