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CarmignacLesedauer: 3 Minuten
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Inflation Drei Dämpfer für den Wirtschaftsaufschwung

Brückenbau in Los Angeles
Brückenbau in Los Angeles: Die Instandsetzung der alternden Infrastruktur ist ein entscheidender Faktor der US-amerikanischen Finanzpolitik. | Foto: Imago Images / ZUMA Wire
Raphaël Gallardo, Carmignac

Trotz des Voranschreitens der Impfkampagnen bestimmt die Pandemie weiterhin den Verlauf des Konjunkturzyklus. Zwar scheint die Delta-Welle in den entwickelten Volkswirtschaften und den Schwellenländern Asiens ihren Höhepunkt erreicht zu haben, das Virus bleibt aber ein Risikofaktor.

In diesem Jahr verlief die konjunkturelle Entwicklung bislang uneinheitlich: Nach einem Boom infolge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen im zweiten Quartal kam es drei Monate später zu einem abrupten Konjunktureinbruch. Für das kommende Jahr gehen wir davon aus, dass sich der weltweite Aufschwung fortsetzen wird – allerdings langsamer als in diesem Jahr, für das wir mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 5 Prozent rechnen.

Drei Dämpfer für den Aufschwung

Prägen wird den Aufschwung eine deutlich höhere Inflation als in früheren Zyklen. Das liegt auch daran, dass das Angebot an Gütern und Dienstleistungen infolge der Pandemie weltweit durch drei Engpässe eingeschränkt wird:

  1. Ein Mangel an Halbleitern
  2. Hohe Kapazitätsauslastung im See- und Straßenverkehr
  3. Arbeitskräftemangel, insbesondere im Baugewerbe und im Bereich der persönlichen Dienstleistungen

Hinzu kommen steigende Lebensmittel- und Energiepreise, die auf geopolitische Faktoren und Wetterereignisse zurückzuführen sind – beispielsweise das Phänomen La Nina, das Dürren in ganz Amerika verursachte, oder den Hurrikan Ida.

Die Engpässe dürften sich langsam auflösen, der Inflationsdruck in den verschiedenen Regionen aber in unterschiedlichem Ausmaß bestehen bleiben – je nach geldpolitischer Reaktion: In vielen Schwellenländern wie Brasilien, der Türkei und Russland erfordern die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise bereits eine deutliche Straffung der Geldpolitik, was wiederum die konjunkturelle Erholung belasten könnte.  

Umgestaltung der chinesischen Wirtschaft

Alles in allem erleben wir derzeit die größte geldpolitische Straffung in den Schwellenländern seit der Inflationsangst Anfang 2008. Der grundlegende Unterschied besteht jedoch darin, dass China nicht der Initiator eines neuen Rohstoff-Superzyklus sein wird. Im Gegenteil: Der Staatspräsident der Volksrepublik, Xi Jinping, setzt auf eine dreigleisige Kampagne zur Umgestaltung der Wirtschaft: Er möchte die Verschuldung der Unternehmen abbauen, die Wirtschaft dekarbonisieren und den digitalen Sektor entflechten. Daher ist zumindest bis 2022 nicht damit zu rechnen, dass das Land die weltweite Inflation treiben wird.

Die USA unter Joe Biden schlagen hingegen den entgegengesetzten Weg ein. Einerseits konzentriert sich die US-amerikanische Geldpolitik auf die Vollbeschäftigung – wobei diese per Definition weit gefasst ist. Anderseits ist die Finanzpolitik auf die Instandsetzung der alternden Infrastruktur und die Verringerung sozialer Ungleichheiten ausgerichtet. Diese äußerst konjunkturfördernde Politik trägt dazu bei, dass die US-Wirtschaft bis 2022 über ihrem Potenzial wachsen dürfte. Damit sind die Voraussetzungen für eine Inflation von mehr als 2 Prozent gegeben.

Der Euroraum hingegen hinkt den USA hinterher. Mit Hilfe des gemeinsamen Wiederaufbaufonds „NextGenerationEU“ dürfte sich die Erholung innerhalb der Staatengemeinschaft künftig jedoch stabilisieren.

Ausblick auf die kommenden Quartale

Auch wenn das Risiko neuer Corona-Ausbrüche oder Virusvarianten bleibt: Insgesamt erwarten wir, dass sich der weltweite Aufschwung in den kommenden Quartalen fortsetzt, allerdings in einem bescheideneren Tempo als in der ersten Hälfte des Jahres 2021. Damit einhergehend sollte auch der Preisdruck anhalten. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Inflation Ende 2021 ihren Höhepunkt erreichen wird.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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