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Lieferengpässe, Löhne, Hauspreise Drei Faktoren für eine anhaltende Inflation

Rares Verkaufsobjekt in San Pedro, Kalifornien
Rares Verkaufsobjekt in San Pedro, Kalifornien: Fidelity erwartet einen weiteren Anstieg der US-Wohnkosten über die nächsten 12 bis 18 Monate, denn sie hängen relativ eng an den Hauspreisen. | Foto: Imago Images / ZUMA Wire
Anna Stupnytska, Fidelity

Ist der derzeitige Inflationsanstieg nur vorübergehend und wird demnächst wieder verschwinden, oder wird eine erhöhte Inflation zur postpandemischen Wirtschaft dazugehören? Diese Frage wird zurzeit heiß diskutiert. Während die Notenbanken bislang eher den temporären Charakter der Inflation betonen, sind sich Marktteilnehmer uneinig. So sehen die Investment-Experten von Fidelity beispielsweise gute Gründe für anhaltend höhere Teuerungsraten. „Die jüngsten Daten stärken unsere Ansicht, die wir schon in der ersten Jahreshälfte vertreten haben, dass die Inflation länger bleibt als anfangs gedacht“, sagt Anna Stupnytska, Global-Macro-Economist bei Fidelity.

Zwei zentrale Treiber für die Inflation in diesem Jahr sind die aufgestaute Nachfrage und die Angebotsengpässe. Während des Lockdowns konnten viele Haushalte in den USA und anderen Ländern, auch dank der fiskalischen Impulse, finanzielle Rücklagen bilden. Und diese werden nun ausgegeben. Die erhöhte Nachfrage trifft auf geringe Lagerbestände und gestörte Lieferketten. „Das Zusammenspiel dieser beiden Faktoren hat den Inflationsanstieg angetrieben, sie sind aber temporärer Natur“, meint Stupnytska, auch wenn einige Lieferengpässe noch ins Jahr 2022 hineinreichen könnten und die Nachfrage in manchen Bereichen, etwa dem Tourismus, erst verspätet in Schwung kommt.

US-Mindestlohn soll deutlich anziehen

Neben diesen pandemiebedingten Einflüssen sehen die Fidelity-Experten drei weitere Aspekte, die die Inflation, insbesondere in den USA, auch in den kommenden Jahren antreiben könnten. Dazu zählt der geplante Anstieg des Mindestlohns in den USA. Er soll auf Bundesebene von derzeit 7,25 US-Dollar schrittweise auf 15 US-Dollar steigen. Die Pandemie könnte diese Entwicklung beschleunigen, zumindest in einigen Bereichen.

Als Beispiel nennt Stupnytska den Gastronomiebereich, in dem in den USA etwa 7 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt seien. Während des Lockdowns verloren dort viele ihren Job, jetzt werden dringend Köche und Service-Personal gesucht und auch mit höheren Gehältern gelockt. „Unser Gastronomie-Analyst berichtet, dass einige Ketten Pläne haben, die Stundenlöhne in den nächsten Jahren auf 15 US-Dollar zu erhöhen. Das würde jährliche prozentuale Lohnzuwächse im hohen einstelligen oder auch zweistelligen Bereich bei einigen der größten Arbeitgeber des Bereichs bedeuten“, erläutert Stupnytska. Sie geht davon aus, dass etwa 50 bis 100 Prozent davon auf die Essenspreise aufgeschlagen werden, was letztlich die Restaurantpreise um zusätzlich 2 bis 3 Prozent zu dem üblichen durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 3 Prozent steigen lassen könnte.

Da Gastronomiepreise etwa 6 Prozent zum Warenkorb der US-Kerninflation beitragen, wäre ein solcher Anstieg nicht unbedeutend. Es bleibe zwar abzuwarten, ob sich in allen Sektoren höhere Löhne in höhere Produktpreise umsetzen lassen. Aber gerade bei Geringverdienern fließe, so Stupnytska, ein zusätzlicher Verdienst tendenziell direkt in den Konsum und erhöhe somit die Nachfrage.

Zu wenig Häuser für Millennials

Als einen weiteren Faktor, der für eine länger anhaltende Inflation spricht, führen die Fidelity-Experten die steigenden Wohnkosten in den USA ins Feld. Mieten und potenzielle Mietwerte von selbstgenutzten Immobilien sind eine entscheidende Komponente der US-Kerninflation. Ihr Anteil am Core CPI (Consumer Price Index), einem häufig verwendeten Maß für die Kerninflationsrate, liegt bei rund 40 Prozent. Fidelity erwartet einen weiteren Anstieg der Wohnkosten über die nächsten 12 bis 18 Monate, denn sie hängen relativ eng an den Hauspreisen. Und diese haben zuletzt durch ein begrenztes Angebot, günstige Hypothekenzinsen, aber auch durch eine durch Covid-19 ausgelöste Wanderungsbewegung aus den Großstädten heraus deutlich angezogen.

Neben dem kurzfristigen Boom spielen auch längerfristige Faktoren eine Rolle: „Immer mehr Millennials kommen in das Alter, in dem typischerweise ein Haushalt gegründet wird, und ihre Nachfrage trifft gerade im Bereich der Einfamilienhäuser auf ein deutlich gesunkenes und zu niedriges Angebot. Dies sollte die Hauspreise über die nächsten Jahre weiter nach oben drücken“, blickt Stupnytska voraus.

CO2-Preis als Inflationstreiber

Ein dritter Faktor, der steigende Verbraucherpreise begünstigt, sind aus Fidelity-Sicht die Nachhaltigkeitsziele und der Übergang in eine Netto-Null-Welt. „Investoren analysieren bereits, welche Sektoren zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern zählen werden. Aber die Auswirkungen der Transformation der Energieversorgung auf die Inflation sind kaum ein Thema“, meint Stupnytska, die hier durchaus einen Einfluss sieht: „Unserer Ansicht nach kann auf den Klimawandel unter anderem nur effektiv mit einer Bepreisung der CO2-Emissionen reagiert werden, und diese wirkt sich auch auf die Inflation aus.“

Das gilt umso mehr, da nach Berechnungen des „Network for Greening the Financial System“ (NGFS) der CO2-Preis deutlich nach oben gehen muss, um das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen. Wann und wie stark der CO2-Preis steigt, ist jedoch eine politische Entscheidung. Wird das Problem weltweit schnell und gut koordiniert angegangen, würde sich das früher und stärker auf die Inflation auswirken. Bei einem verzögerten Vorgehen wären die Effekte erst später zu beobachten und wohl auch etwas geringer, aber immer noch signifikant. Und: Die Kosten eines hinausgezögerten, unkoordinierten Wandels wären deutlich höher.

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