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Björn Drescher: Der Chef von Drescher & Cie. erkennt in der Corona-Krise auch den Anstoß für überfällige Neuerungen. | © Drescher & Cie. Foto: Drescher & Cie.

Dreschers Fondsgedanken

Corona verordnet Zwangsdigitalisierung

Wenn derzeit die Rede davon ist, die Welt werde nach der Corona-Krise eine andere sein als davor, mag einem das oft theatralisch anmuten. Mit Blick auf das Informations- und Kommunikationsverhalten der Menschen darf man es glauben. Was hier zuletzt zu beobachten ist, verdient die Bezeichnung „Zwangsdigitalisierung“.

Denn wer in Zeiten des Social Distancing sein Netzwerk pflegen will und sich oder seine Produkte und Dienstleistungen präsentieren muss, kommt nicht umhin, sich mit der Technik zu arrangieren. Egal wie nahe man ihr bisher stand und wie suspekt sie einem erschien. Möglich wird die Überwindung früherer Barrieren wie Verstand, Geduld und Bequemlichkeit neben einer inzwischen oftmals intuitiven Benutzerführung der Systeme, vor allem durch die aus der Notwendigkeit des Handelns erwachsende Motivation. Und es steht zu erwarten, dass die Menschen auf die erkannten Vorzüge der Technik, völlig unabhängig von der Größe ihrer Sehnsucht nach persönlichen Treffen und Veranstaltungen, auch in ihrer neuen Normalität nicht verzichten wollen. Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Wer in diesem Zusammenhang auf die unter hohem Effizienz- und Kostendruck stehende Finanzbranche schaut, bemerkt, dass ihr diese Bewegungsrichtung der Absatzkanäle und Kunden durchaus gelegen kommt. Zumal sie sich während der Quarantäne unfreiwillig von der Praxistauglichkeit einzelner Systeme und Dienstleister überzeugen konnte. Entwicklungsschritte, wie Home-Office, digitale Konferenzsysteme und soziale Netzwerke, die unter anderen Umständen noch Jahre gedauert hätten, sind so quasi über Nacht erzwungen und realisiert worden. Warum sollte irgendjemand die Uhr nun zurückdrehen wollen? Bei sinkenden Kosten und egalisierten Größenvorteilen können die Anbieter die Reaktionszeiten verkürzen und die Reichweite steigern.

Marketing- und Vertriebsstrategien werden somit „nachhaltig“, im Sinne von dauerhaft, einschneidend und ökologisch sinnvoll angepasst. Und um es klar zu sagen: Das Corona-Virus ist nicht der Auslöser dieses Trends, sondern lediglich sein Katalysator im Sinne der Verstärkung und Beschleunigung. Man könnte auch von einem „viralen Arschtritt in die Moderne“ sprechen.


Über den Autor:
Björn Drescher ist Gründer und Chef der Kölner Beratungsgesellschaft Drescher & Cie.

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