Drohender Jobverlust nach 35 Jahren bei der ZKB Vizedirektor Private Banking stirbt beim Bewerbungsgespräch

Das dürfte eines der ersten Vorstellungsgespräche seit seiner Lehrzeit gewesen sein - und es wurde zu seinem letzten. Rainer A., Vizedirektor im Private Banking der ZKB, starb während eines Bewerbungsgesprächs bei der Sanktgaller Kantonalbank. Er wurde nur 51 Jahre alt.

Insgesamt 35 Jahre war A. der ZKB treu, hatte es zuletzt zum Vizedirektor im Private Banking der Bank geschafft. Doch dann teilte ihm die Bank mit, dass seine Dienste im Private Banking nicht mehr erwünscht seien. Sein Arbeitgeber bot A. an, intern einen anderen Posten für ihn zu suchen. Zeitgleich bewarb sich A. extern - anscheinend ohne Wissen seines Arbeitgebers.

Die ZKB hat den Todesfall bestätigt. A. habe sich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis bei der Zürcher Kantonalbank befunden, betonte die Sprecherin. Weitere Angaben zum Vorfall wollte sie nicht machen, „aus Persönlichkeitsschutzgründen“.  "Wenn man kein Schwein ist, setzt man sich selber unter Druck"

Umso auskunftsfreudiger zeigten sich die Kommentatoren des Schweizer Online-Portals Insideparadeplatz.ch, das den Todesfall als Erstes gemeldet hatte. Zum Einen meldeten sich ehemalige Kunden von A. zu Wort, die ihren Berater als „äußerst kompetenten, lieben und hilfsbereiten Menschen“ beschrieben. Zum Anderen äußerten sich ehemalige ZKB-Mitarbeiter und Führungskräfte. Sie prangerten den mittlerweile „wenig menschenfreundlichen“ Führungsstil seitens der Bankspitze an und machten den Druck, dem gerade Führungskräfte im mittleren Management ausgesetzt sind, für den frühen Tod von A. mitverantwortlich. 

„Als mittleres/unteres Kader hat man den Druck von oben und müsste man ihn nach unten weitergeben“, schreibt beispielsweise ein Leser mit dem Pseudonym „Allein“. „Aber wenn man kein Schwein ist, absorbiert man das und setzt sich somit selber unter Druck. Dann – Herzinfarkt!“. 

„Mitarbeiter fühlen sich anscheinend durch den gewaltigen Druck von oben nicht mehr wohl bei der Bank und suchen neue berufliche Möglichkeiten“, ergänzt R. Thomas Westermeier und fordert eine „gehörige Aufsicht über die ZKB Führung durch den Kantonsrat“.

„Hilfsbereite und loyale Art“ 

Die ZKB selbst verfasste eine Todesanzeige, in der sie der „hilfsbereiten und loyalen Art“ des Verstorbenen, der seit seiner Lehre bei der Bank arbeitete, gedachte. Man werde ihn „in dankbarer und guter Erinnerung behalten“.  

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