DSGV-Umfrage zur Wirkung von Mifid II Kunden fühlen sich mit Informationen überfrachtet

Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Helmut Schleweis. Der DSGV hat seine Institute gefragt, wie sich Mifid II im Alltag auswirkt.   | © DSGV

Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Helmut Schleweis. Der DSGV hat seine Institute gefragt, wie sich Mifid II im Alltag auswirkt. Foto: DSGV

Mifid II soll das Thema Finanzanlage für Privatanleger transparenter machen. Seit dem 3. Januar ist die europäische Richtlinie europaweit wirksam. Sie ist auch ein tiefer Einschnitt in die Strukturen des hiesigen Finanzvertriebs. Aber was genau hat sich mit Jahresbeginn in der Praxis verändert?

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Der Dachverband des Sparkassenverbands DSGV  hat kürzlich seine Mitglieder befragt und Rückmeldung von 200 Instituten unterschiedlicher Größen aus dem gesamten Bundesgebiet erhalten. Die Online-Umfrage sei eine Reaktion auf die wachsende Anzahl an Kundenbeschwerden gewesen, teilt der DSGV mit. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Lästige Telefonaufzeichnung

Viele Kunden stören sich laut DSGV an den Mifid-II-Regeln zur Aufzeichnung von Telefongesprächen. Aber nicht nur der Eingriff in Kunden-Persönlichkeitsrechte macht den Sparkassen zu schaffen: Auch die Kosten seien enorm und führten dazu, dass mehr als die Hälfte aller Institute jetzt weniger am Telefon berät. Jedes zehnte Institut habe das Angebot sogar ganz gestoppt.

Verlängerte Orderprozesse

Kunden störten sich an den umständlichen Prozessen beim Wertpapierkauf. Qua Regulierung erhält jeder Kunde bei Wertpapiergeschäften jetzt umfangreiches Informationsmaterial, dessen Empfang auch kleinteilig quittiert werden muss. Rund die Hälfte der teilnehmenden Sparkassen gab an, dass Kunden sich darüber beschwert hätten.

Verwirrende Basisinformationsblätter

Zusammen mit Mifid II sind seit Jahresbeginn auch die Regeln der Priips-Verordnung verbindlich geworden. Ihr Anliegen war eigentlich, Kunden mit allgemein verständlichen und einheitlich gestalteten Informationsblättern über Anlageprodukte aufzuklären. Auch dieses Ziel sei bislang verfehlt worden, bemängelt der DSGV. Vielmehr sorgten die sogenannten Priips-Kids häufig sogar für mehr Verwirrung. Denn starr vorgegebene Performance-Szenarien sorgten für teils utopische Gewinnprognosen, moniert der Verband. Knapp die Hälfte der Institute, die an der Befragung teilnahmen, gaben an, dass sie hierzu schon Kundenbeschwerden erhalten hätten.

Ausufernde Kosten

Großprojekte schießen finanziell häufig über das angepeilte Maß hinaus, mitunter sogar ganz gewaltig, wenn man an die Dauerbaustelle des Berliner Flughafenprojekts BER oder die mittlerweile fertiggestellte Hamburger Elbphilharmonie denkt. Aber auch eine europäische Richtlinie wie Mifid II kann in den einzelnen Ländern recht viel höhere Kosten nach sich ziehen als gedacht. Der DSGV hat errechnet: Statt der veranschlagten 61,6 Millionen Euro, die im Regierungsentwurf zum deutschen Mifid-II-Umsetzungsgesetz als Einmalausgabe für die deutsche Wirtschaft veranschlagt wurden, dürfte Mifid II die hiesige Finanzwirtschaft am Ende weit über eine Milliarde Euro kosten.