Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat ihre jährliche Vorstandsvergütungsstudie für 2024 vorgelegt. Allianz-Chef Oliver Bäte erhielt 8,463 Millionen Euro und belegt damit Platz 5 der bestbezahlten Dax-Vorstände.
Wer verdient mehr als der Allianz-Chef?
Vor Bäte rangieren vier Manager mit noch höheren Bezügen: Spitzenverdiener ist Oliver Blume (Volkswagen) mit 10,599 Millionen Euro, gefolgt von Bjørn Gulden (Adidas) mit 10,317 Millionen Euro und Christian Sewing (Deutsche Bank) mit 9,866 Millionen Euro. Auf Platz vier liegt Christian Klein (SAP) mit 9,268 Millionen Euro.
Beide Spitzenverdiener durchbrachen damit die von der DSW als symbolisch wichtig erachtete 10-Millionen-Euro-Grenze. Bei Blume entfallen 74,7 Prozent der Vergütung auf variable Bestandteile, sein Gehalt enthält auch die Vergütung als Porsche-Chef.
Anderen Quellen zufolge hat aber auch Bäte 2024 mehr als 10 Millionen Euro von der Allianz bekommen. So beziffert der Stimmrechtsberater ISS Bätes Bezüge auf 10,23 Millionen Euro. Allerdings werden in der ISS-Auswertung neben festen und variablen Bestandteilen auch die Pensionszahlungen berücksichtigt. Diese sind bei den Allianz-Vorständen recht hoch und machen 50 Prozent des Grundgehalts aus – ein Umstand, den ISS vor einigen Monaten heftig kritisiert hatte.
Vergütungsstruktur wird variabler
Die durchschnittliche Gesamtvergütung eines Dax-Vorstands stieg laut DSW-Studie 2024 um 3 Prozent auf 3,759 Millionen Euro. Die Struktur zeigt eine klare Entwicklung hin zu leistungsabhängiger Bezahlung: 31,9 Prozent werden als Fixvergütung gezahlt, 25,4 Prozent als kurzfristige variable Vergütung und 42,7 Prozent als langfristige variable Vergütung.
Bei den Vorstandsvorsitzenden liegt der variable Anteil bei durchschnittlich 69,9 Prozent. Bei Bäte betrug dieser Anteil rund 70 Prozent der Gesamtvergütung. Diese Entwicklung soll Führungskräfte stärker an den langfristigen Unternehmenserfolg binden.
Vorstandsbezüge 41-mal höher als Durchschnittsgehalt der Mitarbeiter
Die Kehrseite der Gehaltserhöhungen: Die durchschnittliche Gesamtvergütung eines Vorstandsmitglieds liegt beim 41-Fachen der durchschnittlichen Personalaufwendungen pro Mitarbeiter (2023: Faktor 40). Die DSW sieht darin einen Indikator für gesellschaftliche Spannungen.
„Die Schere zwischen Vorständen und Mitarbeitenden in der Vergütung klafft kontinuierlich auseinander“, kritisiert DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.
Nachhaltigkeit in der Vergütung etabliert
Alle 40 Dax-Unternehmen haben mindestens eines der drei ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) zur Incentivierung ihrer Vorstände verwendet. CO₂-Reduktion ist dabei das häufigste Umweltziel, Mitarbeiterzufriedenheit das wichtigste soziale Kriterium.
Dax-Vorstände im internationalen Vergleich
Im globalen Vergleich stehen deutsche Top-Manager allerdings nicht als Spitzenverdiener da. So erhielten Dax-Vorstandsvorsitzende 2024 durchschnittlich 5,747 Millionen Euro, während ihre Kollegen im französischen CAC 40 auf 6,390 Millionen Euro und im Schweizer SMI auf 8,222 Millionen Euro kommen.
US-amerikanische CEOs im Dow Jones verdienten mit durchschnittlich 28,530 Millionen Euro ein Vielfaches ihrer deutschen Kollegen. Allerdings ist deren Vergütung zu 77,7 Prozent langfristig variabel und stärker aktienorientiert.
Die DSW bemängelt trotz formell guter Transparenz fehlende Standards in den Vergütungsberichten. „Was fehlt, ist eine Standardisierung der Berichte, um einen Vergleich ohne große Mühen möglich zu machen“, so die Studienautoren.