Allianz Commercial, die virtuelle Einheit für Gewerbe- und Industrieversicherungen des Allianz-Konzerns, erwartet für die kommenden Jahre weiter zunehmende Klage- und Haftungsrisiken für Vorstände und Geschäftsführer.
Auslöser sind laut des Berichts „Directors and Officers (D&O) Insurance Insights 2026“ unter anderem wachsende Cyberkriminalität, zunehmende Regulierung, behördliche Sanktionen, Aktionärsklagen, die Diskussion um die Ewigkeitschemikalien PFAS und auch die zunehmende Verbreitung von Künstlicher Intelligenz.
Weltweit steigende Zahl von Haftungsfällen
Die Zahl neuer Klagen gegen Geschäftsführer hat laut Report in den vergangenen drei Jahren bereits kontinuierlich zugenommen und erreicht oder übersteigt in den meisten Regionen der Welt mittlerweile das Vor-Pandemie-Niveau.
„Die Haftung von Geschäftsführern und Vorständen entwickelt sich weiterhin rasant, bedingt durch ein dynamisches regulatorisches und juristisches Umfeld, eine zunehmend komplexe Risikolandschaft und unsichere geopolitische und wirtschaftliche Aussichten“, sagt Jarrod Schlesinger, Globaler Leiter für Financial Lines und Cyber bei Allianz Commercial.
D&O-Versicherung in Deutschland stabilisiert sich preislich
Für die Managerhaftpflichtversicherung, auch D&O (Directors and Officers) genannt, deutet sich laut Allianz Commercial in Deutschland nach zwei Jahren mit sinkenden Prämien eine langsame Preiswende an. Zuvor waren diese in den Jahren 2021 und 2022 besonders stark gestiegen. Zudem hat die Produktsparte in den vergangenen Jahren so hohe Kosten verursacht, dass manche Versicherer dieses Geschäftsfeld bereits aufgegeben haben.
Bei der aktuellen Erneuerung sind die Prämien in der Managerhaftpflichtversicherung in Deutschland und der Schweiz, nicht mehr so stark gesunken, wie in den Vorjahren, so Alfred Mora, Chef-Underwriter für Financial Lines bei Allianz Commercial, gegenüber dem Fachportal „Versicherungsmonitor“.
Laut Allianz Commercial wird ein großer Teil der Verträge zum 1. Januar 2026 unverändert erneuert. Es gebe allerdings auch Kunden, die angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und aufgrund von internen Kostensenkungsmaßnahmen auf weitere Prämienreduzierungen drängen. Dazu komme, dass es immer noch genügend Kapazität im Markt gebe, vor allem für höhere Deckungsschichten. Mittelfristig sei ein Anstieg der Prämien zu erwarten, denn die Prämien spiegelten das tatsächliche Haftungsrisiko nicht wider, sagt Mora im Gespräch mit dem „Versicherungsmonitor“
GDV-Zahlen zeigen steigende D&O-Schäden in Deutschland
Dafür spricht auch, dass laut Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Schäden in der D&O-Versicherung 2024 das dritte Jahr in Folge gestiegen sind. Die Zahl der Fälle hat sich gegenüber dem Jahr 2023 um fast 12 Prozent auf rund 2.500 erhöht. Im Schnitt kostete jeder Schaden die deutschen Anbieter mehr als 115.000 Euro – das war eine Steigerung von fast 14 Prozent gegenüber 2023.
Insolvenzen als Haupttreiber für D&O-Risiken
Für dieses Jahr dürfte es nicht viel besser aussehen. Im ersten Halbjahr 2025 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen – einer der wichtigsten Treiber für D&O-Schäden – laut Statistischem Bundesamt um 12 Prozent auf knapp 12.000 gestiegen, schreibt der „Versicherungsmonitor“. D&O-Klagen könnten sich dabei aus Vorwürfen der Verletzung von Treuepflichten ergeben, beispielsweise durch irreführende oder unzureichende Offenlegung oder Fahrlässigkeit.










Konkret sieht Allianz Commercial einige Großschäden auf die Branche zukommen. So habe eine Aktionärsklage in den USA gegen die Telekom das Potenzial zum Rekordschaden. Dass der Bundesgerichtshof den Vergleich des Autobauers VW mit den D&O-Versicherern im Dieselskandal gekippt hat, sei ebenfalls keine gute Nachricht für die Branche.
„Es ist entscheidend, dass Manager ihre erweiterten Treuepflichten im Insolvenzfall kennen, Expertenrat einholen und alle wichtigen Entscheidungen detailliert dokumentieren. Diese Informationen sind von großer Bedeutung, wenn Vorwürfe erhoben werden“, sagt Alexandra Braun, Länderverantwortliche für Financial Lines bei Allianz Commercial in Deutschland und der Schweiz.
Viele D&O-Schäden durch Cyberangriffe
Ein zentrales Risiko bleiben laut Allianz-Bericht auch Cyberangriffe. Hier gebe es in Deutschland und der Schweiz weiterhin einen Anstieg der Schadenfälle. Laut der im September veröffentlichten jährlichen Allianz-Untersuchung „Cybersicherheit und -resilienz 2025“ entfielen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 rund 60 Prozent der großen Cyberversicherungsschäden von über einer Million Euro dabei auf Ransomware.
Ein Haftungsfall für die D&O-Versicherung entsteht bei Cyberattacken in der Regel, wenn Verantwortliche die Cybersicherheit ihres Unternehmens nicht ausreichend sichergestellt haben. Bei finanziellen Verlusten durch Cybervorfälle können Geschäftsführer laut der Autoren mit Klagen von Aktionären, Kunden oder Lieferanten konfrontiert sein. Dies gelte vor allem dann, wenn dem Vorstand vorgeworfen wird, keine angemessenen Risikokontrollen oder Notfallpläne implementiert zu haben. Auch eine fehlende oder vermeintlich zu niedrige Cyberdeckung könne zu Ansprüchen führen, so der Bericht.
Auch KI wird zum Risikofaktor
Künftig könnte auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen zunehmend zu Schäden in der D&O-Versicherung führen, befürchtet Allianz-Commercial-Manager Mora laut des Berichts des „Versicherungsmonitor“. Es drohten mögliche Haftungsrisiken, wenn das Management die Vorteile des KI-Einsatzes übertrieben hat – in Anlehnung an den Begriff Greenwashing als AI-Washing bezeichnet.

