Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet künftig wieder mehr Managerhaftpflichtfälle. In der Folge erwartet der Verband steigende Schäden bei den D&O-Versicherern. Die „Directors and Officers Liability Insurance“ ist eine besondere Form der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für Mitglieder von Leitungs- und Aufsichtsorganen. 

GDV befürchtet mehr Insolvenzen 

Die Begründung des Verbands: „Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt. Das zieht in der Regel hohe Schadenersatzforderungen von Insolvenzverwaltern gegen Manager nach sich“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Hinzu kämen stetig wachsende Compliance-Anforderungen, zuletzt etwa durch das Lieferketten- oder das Hinweisgeberschutzgesetz, für die Manager persönlich haften. 

D&O-Schadenaufwand 2022 gestiegen 

Schon 2022 war der Schadenaufwand der in Deutschland aktiven Managerhaftpflicht-Versicherer laut GDV-Statistik auf 213 Millionen Euro gestiegen. Dabei stieg der Schadendurchschnitt bei einer fast unveränderten Anzahl von Leistungsfällen von 81.000 Euro (2021) auf fast 107.000 Euro. Trotz insgesamt niedriger Schadenquote läge in der Langzeitbetrachtung bei rund einem Drittel der Versicherer die Schadenquote nach Abwicklung bei über 70 Prozent. Das sei ein Indiz für versicherungstechnische Verluste.  

Scharfe Kritik von industrienahem Verband 

Was plausibel klang, stieß bei den Vertretern der betroffenen Kundengruppe aufseiten der Industrie auf wenige Gegenliebe. In eine Stellungnahme des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) bekam der GDV ungewöhnlich viel Gegenwind. Der Justiziar des Verbands Marcus Bastian schreibt darin: „Für etwaige Versuche seitens der Versicherungswirtschaft, der D&O-Sparte eine drohende neue Schieflage anzudichten oder diese herbeizureden, hat der GVNW kein Verständnis“. 

Nach einer gut zweijährigen Phase der Marktverhärtung beobachte man seit Beginn dieses Jahres eine spürbare Entspannung bei Forderungen nach Prämienerhöhungen wie auch eine deutliche Stabilisierung bei Versicherungssummen und Bedingungen. Das möge dem einen oder anderen Versicherer nicht passen, zeige aber, dass die Marktgesetze funktionieren. 

Durchsichtiges Manöver, um Prämien hochzuhalten

Der GVNW spricht von „nebulösen Warnungen (...) mit dem (durchsichtigen) Ziel, einem erneuten Absinken der Preise entgegenzuwirken“. Bemerkenswert ist, dass der Industrieverband dem GDV seine eigenen Zahlen vorhält und diesem damit abspricht, sie richtig interpretieren zu können. So zeigten stabile Schadenquoten von knapp über 40 Prozent, dass es sich bei der D&O-Sparte für eine Vielzahl der Anbieter weiterhin um ein sehr attraktives Geschäftsfeld handelt. Dass es sich bei der D&O-Versicherung dabei für die Assekuranz ergebnistechnisch um eine sehr volatile Sparte handelt, sei zudem keine neue Erkenntnis. 

 

GVNW spricht von einmaligen Nachholeffekt

Soweit die Zahl der Unternehmensinsolvenzen gegenwärtig – ausgehend von einem historisch niedrigem Niveau – steigt, so handelt es sich laut GVNW hierbei nicht um einen geeigneten Indikator für einen nachhaltigen Anstieg des Schadenaufwands in der D&O-Sparte. Es handele sich lediglich um einen einmaligen Nachholeffekt, in dessen Zuge eine entgegengesetzte Entwicklung während der Pandemiezeit korrigiert wird. Für einen fortdauernden Anstieg bei den Insolvenzen – zurück zu den Werten von vor oder zehn Jahren – gibt es bislang keine validen Anzeichen. 

Bastian: „Der Umstand, dass einige wichtige Anbieter von D&O-Policen nicht Mitglied im Branchenverband (GDV) sind und ihre Spartenergebnisse somit keinen Eingang in die Verbandsstatistik finden, schmälert – auch zum Bedauern des GVNW – die Aussagekraft jeder aktuellen oder zukünftigen GDV-Erhebung.“