Die DWS befindet sich im Umbau. Im vergangenen Jahr gab es vor allem in der Chefetage viel Bewegung: Stefan Hoops wurde Vorstandsvorsitzender, Björn Jesch globaler Investment-Chef, Vincenzo Vedda ist nun verantwortlich für aktiv und passiv gemanagte Fonds. Auch die Investment-Sparte wird energisch umgebaut. So integrierte die DWS zum März 2023 das Team für deutsche Aktien in jenes für europäische Aktien. Geleitet wird der neu geschaffene Bereich, immerhin 22 Köpfe stark, von Marcus Poppe und Philipp Schweneke. Im großen Interview mit DAS INVESTMENT sprechen beide unter anderem über
... die Herausforderungen der aktiven Fondsindustrie
... die Zukunftsfähigkeit des deutschen Marktes
... die Greenwashing-Schlagzeilen gegen die DWS
... die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz im Asset Management
... und Wetten gegen DWS-Chef Stefan Hoops.
DAS INVESTMENT: Herr Poppe, Herr Schweneke, Sie arbeiten beide seit bald 15 Jahren bei der DWS. Einer von Ihnen mit Deutschland-Fokus, der andere mit Schwerpunkt auf Nebenwerten. Wird das nicht allmählich langweilig?
Marcus Poppe: Nein, das Fondsmanagement ist eine vielschichtige Aufgabe. Klar gibt es gewisse Abläufe, die sich jeden Tag wiederholen. Aber ich weiß nicht, was Unternehmen berichten werden, welche Wirtschaftszahlen hereinkommen und welche Überraschungen der Markt für mich bereithält. Diese Ungewissheit ist anstrengend, denn man ist abhängig von einer externen Variable, die man nicht in der Hand hat. Das kann stressig sein. Diese Vielschichtigkeit macht aber zugleich den Reiz aus. Damit muss man umgehen und versuchen, seinen Weg erfolgreich durch das Investment-Universum zu gehen.
Die DWS hat zum 01. März 2023 das Team für deutsche Aktien in das für europäische Aktien integriert. Der neue Bereich wird von ihnen als Duo geleitet. Wie sind Sie bei der Zusammenführung vorgegangen?
Philipp Schweneke: Ich bin seit 2009 bei der DWS, Marcus seit 2010. Wir tauschen uns deshalb was Plattformthemen angeht seit vielen Jahren aus und haben festgestellt, dass wir viele Dinge ähnlich sehen. Das war einer der ausschlaggebenden Gründe, warum wir die Leitung zusammen übernommen haben.
Aber Sie sind doch auch mal unterschiedlicher Meinung. Wie gehen Sie mit Konflikten um?
Schweneke: Klar haben wir hier und da unterschiedliche Perspektiven. Im Kern sind wir uns aber einig. Das ist auch notwendig, wenn man einen Bereich zu zweit leitet. Wir sitzen im Büro recht nah beieinander, sodass wir uns im Alltag schnell austauschen und Themen besprechen können.
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Wie ist Ihr Team aufgebaut?
Poppe: Insgesamt umfasst es 22 Leute, eingeteilt in fünf Gruppen: Deutschland, Schweiz, Europa Large Caps, Europa Sustainable und Nebenwerte. Wir haben in unserem Bereich weitere Teamleiter und tauschen uns regelmäßig aus. Wir wollen schließlich gemeinsam das verwaltete Vermögen und die Performance steigern. Das Letztere ist die Bedingung für das Erstere.
Sie leiten nicht nur das Europa-Team, sondern sind beide auch noch Fondsmanager. Wie sieht die Arbeitsteilung an einem durchschnittlichen Tag aus?
Schweneke: 90 Prozent meines Tages nimmt das Fondsmanagement in Anspruch, 10 Prozent verbringe ich mit People-Management und anderen übergeordneten Aufgaben. Uns spielt natürlich in die Karten, dass die Teams nicht erst aufgebaut werden müssen und wir bereits viele erfahrene Kollegen an Bord haben.
Kommen wir noch einmal zurück auf die vorhin angesprochenen Meinungsverschiedenheiten. Reibung kann Energie erzeugen, aber auch lähmen. Wie gehen Sie mit Konflikten um?
Poppe: Wenn man in einem großen Unternehmen zu zweit einen Bereich vertritt und man sich im Kern einig ist, spielen die Nuancen eine untergeordnete Rolle. Zudem ist die Schlagkraft zu zweit auch größer.
Schweneke: Wir haben uns im Vorfeld lange genug in die Augen geschaut und uns über die generelle Marschrichtung geeinigt. Wir haben ausführlich darüber gesprochen, was für die nächsten Jahre die wichtigen Aufgaben sind.
Und, welche sind es?
Schweneke: Wir haben die Mitarbeiterentwicklung und die Karriereplanung anders aufgegleist. So war die Durchlässigkeit zwischen Teams in der Vergangenheit ein Thema. Da kann man noch ein paar Dinge verbessern. Ebenso bei der Struktur, mit der man Juniors empfängt. Marcus und ich haben in dieser Hinsicht andere Vorstellungen als unsere Vorgänger. Da wird sich perspektivisch noch etwas tun, all diese Themen rollen wir neu auf. Denn das bietet nicht nur unserem Team einen Mehrwert, sondern der gesamten Plattform.
Poppe: Wir denken anders. Die aktive Fonds-Industrie sieht heute anders aus als vor 10 oder 20 Jahren. Damals kam man von der Uni mit wenig Berufserfahrung und konnte recht schnell ein Vermögen verwalten. Diese Zeiten sind vorbei. Wir müssen uns strukturiert überlegen, wie wir fähige Mitarbeiter bekommen, langfristig an uns binden und sie gut auf das Management eines Fonds vorbereiten. Man muss ehrlich, offen und klar sein gegenüber neuen Kollegen. Das betrifft auch Dinge wie Nachfolgeplanung. Man muss Mitarbeitern konkret sagen, wie man sie in fünf Jahren darauf vorbereitet, wenn ein Platz als Fondsmanager frei wird.
Prozesse straff ziehen, die generelle Marschrichtung vorgeben: Sind das nicht Aufgaben des Top-Managements?
Poppe: Das ist meiner Meinung nach die Aufgabe jeder Führungskraft. Wir sind kein Konzern mit Hunderttausenden Mitarbeitern.
Aber auch keine kleine Fondsboutique.
Poppe: Es geht darum, ein Unternehmen im Rahmen des Möglichen weiterzuentwickeln. Wir haben Trainees, Praktikanten, langjährige Mitarbeiter, jeder muss auf seine Weise gefördert werden. Wir wollen einen ehrlichen, guten Plan, wie wir Leute in diesem Umfeld halten. In einem Umfeld, das für diese Industrie schon einmal leichter war.
Für die Industrie oder die DWS?
Poppe: Da würde ich für die Industrie sprechen. Schließlich gelten für die DWS die gleichen Trends wie für alle anderen auch. Als Branchenprimus in Deutschland steht man nur stärker im Wettbewerb. Man kämpft international mit sehr ernst zu nehmenden Konkurrenten.
Schweneke: Im aktiven Fondsmanagement gibt es langfristige Trends, welche mit Blick auf die Flows nicht unterstützend sind. Deshalb muss man heute anders agieren als noch vor zehn Jahren und auch an die Strukturen heran. Dazu versuchen wir unseren Beitrag zu leisten. Es geht auch um Effizienz. Nicht jedes Team soll sein eigenes Süppchen kochen. Man muss sich zusammen überlegen, wie man Prozesse effizient und strukturiert abbilden kann. Es geht übergeordnet um eine bessere Zusammenarbeit.