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DWS-Marktausblick 2024 Die Magnificent Seven dominieren auch 2024 - doch es gibt attraktive Alternativen

Stadtansicht von Tokio bei Nacht: Japan gilt laut Einschätzung der DWS als attraktiver Markt für 2024
Stadtansicht von Tokio bei Nacht: Japan gilt laut Einschätzung der DWS als attraktiver Markt für 2024 | Foto: Imago Images / imagebroker

Das Jahr 2023 war ein wilder Ritt. Der Immobilienmarkt geriet weiter unter Druck, der Zins kam noch stärker zurück, mit Anleihen kann man endlich wieder gutes Geld verdienen – und der Aktienmarkt wurde vor allem von sieben Aktien gezogen. Daraus ein allgemeines Stimmungsbild abzuleiten ist schwieriger.

Noch schwieriger ist es, daraus Einschätzungen oder gar Handlungsableitungen für die Zukunft zu erstellen. Denn niemand weiß sicher, ob wir das Schlimmste an den Kapitalmärkten bereits hinter uns gelassen haben oder ob wir doch scheibchenweise in die Rezession gleiten.

Björn Jesch, Anlagechef der DWS, wagte am Dienstag in Frankfurt einen Ausblick. Seine Diagnose für die kommenden Monate war gemischt, aber nicht ohne Optimismus. „Wir sehen derzeit das Comeback von Zinsanlagen nach einer historisch langen Verlustphase von 38 Monaten bei Dollar-Anleihen“, erklärte Jesch, signalisierend, dass die Zeit der Alternativlosigkeit von Aktien vorerst vorbei sei. Aus Tina – There is no alternative – wurde Tapas, „There are plenty alternatives“.

Anleihen, Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Cash: Am Steuerpult eines Fondsmanagers gibt es nun wieder mehr Schieberegler, dementsprechend erklärte Jesch mit Blick auf die Zukunft: „Aus der Multi-Asset-Perspektive können wir mit den derzeitigen Herausforderungen – geopolitische Spannungen, Zentralbanken am Scheideweg, höhere Zinsen – sehr gut umgehen“​​.

Inflation rückt an die 2-Prozent-Marke

DWS-Volkswirt Johannes Müller ist als Global Head of Research zuständig für das große Bild. Er stützt die Einschätzung von Jesch und prognostiziert: „Wir erwarten weder für die USA noch für die Eurozone weitere Zinserhöhungen.“ 

Auch wenn die Zentralbanken derzeit in puncto Zinssenkungen noch zurückhaltend seien, im Juni 2024 dürften die Leitzinsen sowohl in Europa als auch in den USA erstmals wieder gesenkt werden, prognostiziert Müller. „Die Desinflation wird sich fortsetzen“, fährt er fort. Für die großen Volkswirtschaften erwartet er zum Jahresende eine Inflationsrate im niedrigen 2-Prozent-Bereich.

 

Das dürfte auch am schwachen Wirtschaftswachstum liegen. In Europa rechnet er mit mageren 0,7 Prozent auf Jahressicht. In den USA wird das Wachstum von 2,3 Prozent in diesem Jahr auf 0,8 Prozent sinken. Besser laufen wird es laut Müller in China: Das Team der DWS prognostiziert 4,7 Prozent Wirtschaftswachstum, auch wenn die Erholung des angeschlagenen Immobiliensektors noch länger brauchen werde.

Es gibt jedoch viele Unbekannten, die Prognosen derzeit schwierig machen: 2024 ist geprägt von vielen Wahlen, unter anderem in den USA, Indien, Russland, Taiwan und Südkorea. Diese werden nicht spurlos am Kapitalmarkt vorübergehen. Denkbar seien etwa „höhere Risikoaufschläge für Anleihen, fallende Aktienkurse, erhöhte Volatilität, Flucht in vermeintlich sichere Anlagen“, so Müller. „Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass derartige Reaktionen nicht lange anhalten und die Auswirkungen bis auf Sektoren oder einzelne Anlagen sehr begrenzt sind.“

Pfandbriefe werden wieder attraktiver

Oliver Eichmann blickte auf den festverzinslichen Markt – und wagt einen zaghaft positiven Ausblick. „Wir erwarten an den Anleihemärkten im nächsten Jahr positive Gesamtrenditen in den meisten Marktsegmenten.“ Hoch im Kurs stünden Staatsanleihen mit kurzer und mittlerer Laufzeit und Unternehmensanleihen. 

Eichmann geht weiterhin davon aus, dass die Erträge aus zweijährigen US-Staatsanleihen um 100 Basispunkte und deutsche Kurzläufer um 50 Basispunkte fallen werden. Allerdings warnt er auch vor Risiken: Sollte die Inflation im Jahr 2024 höher als erwartet ausfallen, könnten die Zinssenkungen, auf die viele Marktteilnehmer hoffen, ausbleiben. Dann entstünde auch ein „Überangebot“ an Anleihen.

Optimistischer ist er, was Unternehmensanleihen mit hoher Bonität angeht. In einer Welt mit geringem Wachstum und möglichen Zinssenkungen könnten diese Anleihen besonders profitabel sein. „Unsere Favoriten sind Euro Investment-Grade- Unternehmensanleihen“, so Eichmann. Sie locken mit günstigen Bewertungen und hohen Renditen.  

 

Für risikofreudigere Investoren könnten Anleihen mit höherer Rendite, aber auch höherem Risiko (High-Yield-Bonds) auch im Jahr 2024 interessant bleiben. Eichmann hält deren Preise für angemessen, solange die Ausfallraten moderat bleiben.

Covered Bonds, also Pfandbriefe, sind laut Eichmann wieder attraktiver geworden, da sie eine sehr hohe Kreditwürdigkeit (AAA-Rating) aufweisen. Die Liquidität in diesem Bereich hat sich verbessert, und die Renditen würden im Durchschnitt um 0,8 Prozent höher liegen als bei vergleichbaren deutschen Staatsanleihen.

Nebenwerte und Japan locken mit hohen Renditen

Marcus Poppe, Fondsmanager und Co-Head für europäische Aktien bei der DWS, blickt verhalten positiv auf das kommende Jahr. Er erwartet ein Wachstum der Unternehmensgewinne von acht Prozent in den Industrienationen und elf Prozent in den Schwellenländern. Damit liegen die Prognosen von Poppe etwa drei Prozent unter den Konsensuserwartungen, da diese seiner Meinung nach „die Auswirkungen des hohen Zinsniveaus nicht genügend berücksichtigten“. 

Einer der Gründe für zurückhaltende Prognosen: „Es wird zunehmend härter für die Unternehmen, Preiserhöhungen durchzusetzen“, so Poppe. Das gehe entweder zu Lasten der Margen oder des Wachstums.

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Folgt man den Einschätzungen von Poppe, seien 2024 Gesamtrenditen von sechs Prozent an den globalen Aktienmärkten realistisch. Der US-Markt sei nach wie vor sehr hoch bewertet, die zuletzt gesehene Outperformance gegenüber europäischen Aktien gehe fast ausschließlich auf das gute Abschneiden der „Magnificent Seven“ zurück.

 

So werden jene sieben US-Unternehmen genannt, die maßgeblich die Entwicklung des S&P 500 im Jahr 2023 vorangetrieben haben. Konkret gemeint sind damit Meta, Alphabet, Microsoft, Amazon, Apple sowie Nvidia und Tesla. Deren Einfluss wird auch 2024 hoch bleiben. „Anleger werden sich zumindest so lange an die Gewinner halten, bis es mehr Klarheit zur künftigen Geldpolitik gibt“, führt Poppe aus.

Dennoch seien die Aktienmärkte in Europa und Japan im kommenden Jahr aussichtsreicher als der breite US-Markt. In Europa lohne sich ein Blick auf Nebenwerte, deren Bewertungen in den vergangenen zwei Jahren deutlich unter die Räder gekommen sind. „Sollte es – wie wir es erwarten – zu einer weichen Landung der Wirtschaft kommen, können diese Titel äußerst chancenreich sein“, so Poppe.

„Für Asien ist unser Top-Pick Japan, sowohl unter Bewertungsaspekten als auch was das Gewinnwachstum angeht, das vom schwachen Yen unterstützt wird“, sagt Poppe. Japanische Aktien seien zudem eine gute Möglichkeit, von den Wachstumschancen Chinas zu profitieren.

Immobilien haben den Tiefpunkt gesehen

Auch für den Immobilienmarkt, der deutlich unter der Zinswende leitet, könnte 2024 ein Wendepunkt sein. „Es dürfte ein guter Zeitpunkt sein, um in börsennotierte Immobilien zu investieren“, erklärte Jessica Hardman, Chefin der DWS in Großbritannien. So seien die Marktrisiken nach den deutlichen Kursrückgängen der vergangenen 18 Monate ihrer Meinung nach nun weitgehend eingepreist.

Chancen sieht Hardman auch im Bereich Real Estate Debt, also der Finanzierung von Immobilieninvestments. Da die Zinsen kürzlich gestiegen sind, ist es profitabler geworden, Geld für solche Investitionen zu verleihen, und es gibt weniger Wettbewerb. Besonders vielversprechend sind ihrer Meinung nach Darlehen für Projekte, die Gebäude umweltfreundlicher gestalten. Auch die Aussichten für Wohn- und Logistikimmobilien seien vielversprechend.

 

Fazit: Investment Grade, Nebenwerte und Gold als "safe haven"

Das Team der DWS erwartet in den USA eine leichte Rezession, während für Europa lediglich ein schwaches Wachstum vorhergesagt wird. Bei festverzinslichen Wertpapieren sind drei Zinssenkungen eingepreist, was zu niedrigeren Renditen führen soll.

Der Aktienmarkt dürfte ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich aufweisen. Im Immobilienmarkt könnte die Nachfrage niedrig bleiben, die Fundamentaldaten bleiben jedoch stark, erkennbar an niedrigen Leerstandsquoten. Sie sind optimistisch in Bezug auf Anleihelaufzeiten, der Schwerpunkt liegt auf Kurzläufern und Investment-Grade in Euro.

Bei Aktien liegen den Portfoliomanagern Europa und Japan vor den USA, defensive Branchen wie Kommunikationsdienste stehen hoch im Kurs. Gold sei ein „safe haven“, also eine Anlage, um sich gegen Unsicherheiten abzusichern.

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