Marc-Alexander Kniess

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DWS-Manager Marc-Alexander Kniess: „Bankaktien kommen mir nicht ins Portfolio“

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DAS INVESTMENT.com: Haben Sie am Wochenende in der englischen Liga das Gastspiel des FC Liverpool in Sunderland verfolgt?

Marc–Alexander Kniess: War das das Spiel, in dem plötzlich ein roter Wasserball im Strafraum lag?

DAS INVESTMENT.com: Genau. Weil dieses Hindernis den eigentlich haltbaren Schuss von Sunderland–Stürmer Darren Bent abgefälscht hat, geriet Liverpool in Rückstand und verlor am Ende unglücklich mit null zu eins. Als eingefleischten HSV–Fan müsste Sie das an etwas erinnern.

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Kniess: Wenn Sie auf die Papierkugel–Niederlage im letztjährigen DFB–Pokal–Halbfinale gegen Werder Bremen anspielen – daran möchte ich mich gar nicht erinnern. Ich freue mich viel lieber darüber, dass der HSV in der laufenden Saison so gut dasteht und den Bayern zeigt, dass man mehr braucht als Geld, um guten Fußball zu spielen.

DAS INVESTMENT.com: Was nicht ausschließt, dass auch der HSV einmal wieder ähnlich unglücklich verliert. So wie momentan Sie mit dem Intervest: Im ersten Halbjahr hat Ihr Fonds eine glänzende Performance hingelegt, doch seit Anfang August – dem Start der Deutschen Fondsliga – ist die Luft komplett raus. Woran liegt’s?

Kniess: Vor allem an drei Dingen. Wir waren in den vergangenen Monaten eindeutig zu wenig zyklisch investiert, wir hatten keine einzige Bank im Portfolio, und wir hatten zeitweise eine Cash–Quote von 20 Prozent. Die Rechnung, dass die Aktienmärkte im September oder Oktober korrigieren, ist leider nicht aufgegangen – obwohl die Makroökonomie die Vorlage dafür gewissermaßen auf den Elfmeterpunkt serviert hat.

DAS INVESTMENT.com: Wie haben Sie auf den Fehlschuss reagiert?

Kniess: In solchen Situationen hilft nur Pragmatismus. Als offensichtlich wurde, dass die Börsen momentan ausschließlich liquiditätsgesteuert sind und die Korrektur später kommt, habe ich die Aktienquote Stück für Stück wieder angehoben, auf aktuell fast 95 Prozent.

DAS INVESTMENT.com: Könnte es auch sein, dass die Korrektur ausfällt?

Kniess: Wir erleben im Moment, wie sich die Finanzmärkte immer stärker von der Realwirtschaft abkoppeln. Das muss nicht so weit gehen wie beispielsweise Ende 1999. Aber die Art und Weise, in der Unternehmen dafür gefeiert werden, dass sie die deutlich reduzierten Erwartungen so gerade eben erfüllt haben, spricht für die Kraft, die im aktuellen Aufwärtstrend steckt. Dem kann man sich als Fondsmanager schlecht in den Weg stellen. Gleichwohl wird es früher oder später eine Gegenbewegung geben.

DAS INVESTMENT.com: Die dann die seit März besonders stark gestiegenen Bankaktien entsprechend stärker erfasst?

Kniess: Davon gehe ich aus. Ein Zurück in die Zeit vor 2007 kann es in dieser Branche nicht geben. Trotzdem haben einige Institute neue Allzeithochs in der Marktkapitalisierung erreicht, was ich fundamental absolut nicht für gerechtfertigt halte. Da möchten wir nicht dabei sein, auch wenn es kurzfristig weiter Performance kostet.

DAS INVESTMENT.com: Was kaufen Sie stattdessen?

Kniess: Wir versuchen im Moment einen Spagat hinzubekommen, indem wir einerseits qualitativ hochwertige Titel mit guten Bilanzen und hohen Dividendenrenditen kaufen, beispielsweise aus den Sektoren Pharma und Telekom, und andererseits Call–Optionen auf Indizes wie den Dax oder den S&P 500. Letzteres hilft uns, wenn die bisherigen Favoriten die Märkte trotz ihrer Überbewertung weiter nach oben treiben.

DAS INVESTMENT.com: Außer Banken und Industriewerten spielen derzeit in Ihrem Portfolio auch Schwellenländer kaum eine Rolle. Eine weitere verpasste Chance?

Kniess: Da hätte man 2009 gutes Geld verdienen können, keine Frage. Gerade in den großen Ländern wie China oder Brasilien ist jedoch mittlerweile von der erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung schon sehr vieles vorweggenommen. Aus Risiko–Ertrags–Sicht halte ich deshalb einen Einstieg auf dem aktuellen Niveau für wenig attraktiv.

DAS INVESTMENT.com: Um die Pechsträhne zu vervollständigen – auch der Dollar hat sich in den vergangenen zwei Monaten ganz anders entwickelt als von Ihnen prognostiziert.

Kniess: Das stimmt. Wir sind von einem tendenziell eher festeren Wechselkurs zum Euro ausgegangen und haben deshalb unsere US–Bestände nicht währungsgesichert. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Dollar in der jüngeren Vergangenheit bei schwachen Aktienmärkten fast immer Stärke gezeigt hat. So wird es vermutlich auch sein, wenn die von uns erwartete Marktkorrektur irgendwann kommt. Umgekehrt glaube ich nicht, dass die Notenbanken bei Wechselkursen von deutlich über 1,50 Dollar lange untätig bleiben werden. Auf dem aktuellen Niveau noch mit einer Absicherung zu beginnen, ergibt also wenig Sinn – zumal wir im US–Markt im Vergleich zu unserer Benchmark MSCI World ohnehin untergewichtet sind.

DAS INVESTMENT.com: Kurz zusammengefasst – wenn alles, was seit Anfang August gegen Sie gelaufen ist, plötzlich für Sie läuft, stehen Sie in der Fondsliga ganz schnell ganz oben?

Kniess: Das wäre natürlich schön. Zunächst ist mir allerdings erst einmal wichtig, von Platz 18 wegzukommen. Da bin ich aber guter Dinge, und die Saison ist noch lang.

DAS INVESTMENT.com: Wie wird denn die Saison für den HSV ausgehen? Reicht es trotz der aktuellen Torflaute zur ersten Deutschen Meisterschaft seit 1983?

Kniess: Ich hoffe es sehr. Was das Stürmerproblem angeht, so muss sich die Mannschaft jetzt irgendwie in die Winterpause retten und dann vielleicht noch die eine oder andere Verstärkung holen. Dann kann sie in der Rückrunde mit neuer Kraft angreifen. So gesehen ist es vielleicht sogar ein Vorteil, dass im DFB–Pokal in diesem Jahr schon in der zweiten Runde Endstation war.

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