Die DWS hat die Liquidation des Aktienfonds DWS Invest ESG Social Focus (ISIN: LU2420982006) angekündigt. Der Liquidationserlös soll den Anteilinhabern am 27. November 2025 ausgezahlt werden, wie aus einer Mitteilung an die Anleger hervorgeht.
Als Grund nennt die Fondsgesellschaft in dem Schreiben, dass das Fondsvolumen unter einen Betrag gefallen sei, „der nach Auffassung des Verwaltungsrats und des Investmentmanagers für einen wirtschaftlich effizienten Betrieb und eine Verwaltung des Teilfonds im besten Interesse der Anteilinhaber mindestens erforderlich ist“. „Im Rahmen der regelmäßigen Überprüfung unseres Produktportfolios haben wir uns aufgrund der zu geringen Kundennachfrage zur Schließung des DWS Invest ESG Social Focus zum 6. November 2025 entschieden“, heißt es vonseiten der Pressestelle. Zuletzt waren nur noch rund 41,2 Millionen Euro in dem Fonds investiert.
Vom innovativen Frauenfonds zum Nischenprodukt
Der Fonds hat eine kurze, aber bewegte Geschichte. Im Januar 2022 wurde er unter dem Namen DWS Invest ESG Women for Women aufgelegt – mit einem außergewöhnlichen Konzept: Zwölf Portfoliomanagerinnen der DWS sollten gemeinsam in Unternehmen investieren, die Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion fördern. Der Fonds richtete sich besonders an weibliche Anleger.
Doch die erhoffte Resonanz blieb aus. Im Vertrieb spielte das Produkt keine relevante Rolle. Im April 2025, als lediglich 38 Millionen Euro investiert waren, änderte die DWS die Strategie grundlegend und benannte den Fonds um. Aus dem Frauenfonds wurde der DWS Invest ESG Social Focus. Mit der breiteren Ausrichtung auf alle sozialen Aspekte sollte eine größere Anlegergruppe angesprochen werden.
Neuausrichtung brachte keine Wende
Der Neustart konnte die Talfahrt jedoch nicht stoppen. Zwar stieg das Fondsvolumen seit der Umstellung leicht an, der Zuwachs resultierte aber größtenteils aus der Kursentwicklung und nicht aus echten Mittelzuflüssen.
Teil eines größeren Trends
Das Scheitern des DWS-Fonds fügt sich in einen breiteren Trend ein. Gender-Fonds weltweit kämpfen mit massiven Abflüssen. Laut Morningstar zogen Anleger 2023 weltweit 1,2 Milliarden US-Dollar aus Frauenfonds ab, 2024 folgten weitere Abflüsse von 375 Millionen US-Dollar.
Die Gründe sind vielfältig: Viele Gender-Fonds konnten ihre Benchmark nicht schlagen. Besonders die Untergewichtung im Technologiesektor wirkte sich negativ aus – ausgerechnet in einer Phase, in der Tech-Aktien stark zulegten. Hinzu kommen oftmals höhere Gebühren als bei traditionellen Fonds und die generelle Abkehr vieler Anleger von Nachhaltigkeitsthemen.
Was mit den Anlegergeldern passiert
Die Liquidation des Portfolios begann bereits am 7. November 2025. Die Liquidationskosten fließen in den Nettoinventarwert zum Tag der Liquidation ein. Transaktionskosten für die Portfolio-Abwicklung werden am 26. November berücksichtigt. „Bestehende Anlegerinnen und Anleger des Fonds werden informiert und erhalten zum 27. November 2025 ihre Fondsanteile zum tagesaktuellen NAV ausgezahlt“, erläutert ein Sprecher des Unternehmens.
Können Liquidationserlöse nicht ausgezahlt werden, werden sie der Anlegermitteilung des Unternehmens zufolge bei der Caisse de Consignation des Großherzogtums Luxemburg hinterlegt. Berechtigte Anteilinhaber haben 30 Jahre Zeit, ihre Erlöse anzufordern.

