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Christin Jahns (Content Team)Lesedauer: 7 Minuten
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Risikomanagement des Carmignac Patrimoine Dynamik und Performance ohne Umbrüche

Lichtershow in Shanghai
Lichtershow in Shanghai: Chinesische Staatsanleihen sind mit einer Verzinsung von etwa 3 Prozent die positive Überraschung des Jahres. | Foto: imago images / VCG

Seit der Neuorganisation Ende 2018 konnte der Carmignac Patrimoine eine Rendite von mehr als 27 Prozent erzielen, während der Durchschnitt seiner Morningstar-Kategorie „EUR Moderate Allocation – Global“ bei 16 Prozent liegt (Stand: 22.06.2021). Diese Ergebnisse sprechen für das Fondsmanagement, das den Einfluss der coronabedingten Marktturbulenzen auf das Portfolio mittels der Reduzierung risikoreicher Anlagen, der Bevorzugung defensiver Werte wie Cash und Gold sowie der Fokussierung auf Unternehmen und Staaten mit besonders niedriger Verschuldung begrenzen konnte.

Als die Börsen zur Erholung ansetzten, gelang es dem Patrimoine-Team, an der Dynamik und Performance der Aktienmärkte zu partizipieren und gleichzeitig die Umbrüche an den Anleihemärkten zu vermeiden – mittels eines ausgewogenen Risikoprofils, das elementarer Teil der DNA und Anlagephilosophie des Fondsklassikers ist.

Doch wie reagiert das Fondsmanagement um Rose Ouahba, Head of Fixed Income, Multi-Asset-Manager Keith Ney und David Older, Head of Equities, nun auf den Anstieg der Inflation und die Veränderungen im regulatorischen und fiskalischen Umfeld?

Unterschiedliche Erholungsstrategien

Rose Ouahba, Carmignac

„Als international agierender Fonds haben wir ein beachtliches Spielfeld – in den USA, den Schwellenländern und Europa zugleich“, erläutert Rose Ouahba. Das Wachstum in diesen Regionen folgt allerdings ganz unterschiedlichen Rhythmen und reagierte unterschiedlich auf die Corona-Pandemie.

In den USA ist die konjunkturelle Lage aktuell stabil. Die Wirtschaft hat sich schneller erholt als in Europa, wo sie sich mitten im Wiedereröffnungsprozess befindet. China stecke dagegen bereits in einer Verlangsamungsphase. Interessant ist aus Sicht von Ouahba, dass die Reaktion auf die Pandemie in den USA mit einem politischen Wandel einherging, der unter Umständen für eine Überhitzung der Konjunktur sorgen könnte.

Inflation als hartnäckigeres Phänomen?

Das Risiko einer drohenden Überhitzung sieht auch Keith Ney: „Die geld- und fiskalpolitische Antwort der USA im vergangenen Jahr war historisch. Abgesehen vom Zweiten Weltkrieg wurde im Hinblick auf Umfang, Tempo und Koordination ein neuer Rekord gesetzt.“ Die Folgen: Eine Kerninflation von 3,8 Prozent im Mai und ein Verlust von 4,5 Prozent bei US-Staatsanleihen im ersten Quartal.   „Rückblickend stellen wir fest, dass die fiskalischen Anreize im Verhältnis zum Umfang der Rezession vielleicht zu umfassend waren“, sagt Ney. „Die aktuelle US-Regierung ignoriert dies jedoch und unternimmt weitere Schritte. Sie forciert ihre Bemühungen und gibt in einer bereits starken Wirtschaft noch mehr Geld aus.“

Keith Ney, Carmignac

Sollte sich die Produktionslücke 2022 schließen, könnte die Inflation aus seiner Sicht eine noch größere Herausforderung werden. „Sobald die Angebotsengpässe in diesem Jahr überwunden sind, sich der Arbeitsmarkt und die Arbeitslosenzahlen erholt haben und die Produktionslücke geschlossen ist, könnte es bis in das Jahr 2022 zu Lohndruck kommen“, erklärt Ney. „Sollte sich dieser Trend auf breiterer Basis abzeichnen, hätten wir es mit einem weiteren Faktor zu tun, der für eine anhaltende Inflation sorgen könnte. Die Zinsen könnten steigen und die Fed entsprechend reagieren. Ein Risiko, das wir sehr, sehr genau im Auge behalten müssen.“

Das Fondsmanagement ist sich allerdings sicher, dass die komplexe Situation für einen global agierenden Fonds wie den Patrimoine auch Vorteile bieten kann. Ein Beispiel sind pandemiebedingte Trends wie E-Commerce, Homeoffice-Technologien, Essens- oder Lebensmittellieferungen, die aus Sicht von Aktien-Chef David Older langfristig anhalten werden. „Unser Research deutet darauf hin, dass sich solche Veränderungen im Verbraucherverhalten verfestigen“, erläutert Older. „Wir sind daher der Meinung, dass diese neuen Verhaltensweisen von Dauer sein werden, und zwar in einem größeren Maße als bislang vom Markt gewürdigt.“ Older plant deshalb, trotz gegenläufiger Konsensschätzungen, weiter aktiv in dieses Anlagethema zu investieren. Ähnliche Chancen ergeben sich aus seiner Sicht in den Schwellenländern, beispielsweise im Bereich Cloud Computing in China. Insgesamt ist der Aktienchef gegenüber dem Reich der Mitte sehr optimistisch gestimmt.

Flexibilität und Selbstdisziplin

David Older, Carmignac

Auch aus Anleihesicht ist China dieses Jahr ein positive Überraschung, weshalb ein Teil des Vermögens des Carmignac Patrimoine in chinesische Staatsanleihen investiert wurde. „Im Vergleich zu den USA, die auf alle Probleme mit Verschuldung reagiert haben, verfolgte die chinesische Regierung einen gegenteiligen Ansatz“, erklärt Rose Ouahba. Hinzu komme eine extrem glaubwürdige Geld- und Fiskalpolitik. „Es gab also keine Explosion der Verschuldung, aber auch keine Zinssätze, die in den Keller gingen“, ergänzt Ouahba. Die Rendite der Anleihen liegt mit aktuell etwa 3 Prozent deutlich über der von europäischen und amerikanischen Papieren. „Gleichzeitig gab es einen Halteeffekt und man konnte Devisengewinne einfahren“, erklärt die Fixed-Income-Expertin. „Es ist also eine gute Diversifikation für unsere Asset-Allokation.“

Die wichtigsten Faktoren, um in den kommenden Monaten erfolgreich zu bestehen, sind aus Sicht von Keith Ney Flexibilität und Selbstdisziplin. „Dank unseres diversifizierten Anleiheportfolios konnten wir im vergangenen Jahr in einem Umfeld steigender Zinsen eine Outperformance erzielen“, sagt Ney. In den Ländern, die sich bislang gut geschlagen haben, versuchen die Fondsmanager jetzt, ihre Anlagen zu optimieren. „Unser Vorzug gilt eher rohstofforientierten Ländern und Unternehmen, die direkt von einer höheren Inflation profitieren können“, erklärt Ney. „Auf Durationsbasis ist die taktische und flexible Beschaffenheit unseres Fonds eigentlich am wichtigsten. Hier gilt es, sehr flexibel zu sein, während bei Unternehmensanleihen und Positionen in den Schwellenländern Selbstdisziplin angesagt ist. Bei den Währungen müssen wir darauf achten, dass wir im US-Dollar so gering wie möglich positioniert sind.“

Performance und Risikomanagement

„Derzeit verfügen wir über ein ausgewogenes Portfolio, das sich im Kern auf die identifizierten Schlüsselthemen fokussiert und das unseres Erachtens nach eine beständige Überrendite erzielen kann“, ergänzt Older. „Vor einem Jahr erkannten wir Chancen in der zyklischen Industrie, aber auch in Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten im weltweiten Tourismus wie Fluggesellschaften oder Kreuzfahrtreedereien. Allerdings hat dieses Konzept unserer Einschätzung nach größtenteils ausgespielt, da die Bewertungen aufholten und die Aktien hervorragend abschnitten, weshalb wir unsere Beteiligungen wieder reduziert haben.“ Stattdessen erhöhten Older und sein Team die Beteiligungen in Finanzwerten und Branchen wie Grundstoffen und Energie. „Wir glauben, dass diese Sektoren gut positioniert sind, um bis in die zweite Jahreshälfte von Trends zu profitieren.“

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