Dieter Galli, Senior Portfolio Manager bei Swisscanto

Dieter Galli, Senior Portfolio Manager bei Swisscanto

Dynamische Asset Allocation

Krisensichere Alternative

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Zahlreiche institutionelle Investoren – aber auch viele private Anleger – praktizieren eine Anlagestrategie mit mehr oder weniger fixen Gewichtungen für die verschiedenen Anlageklassen. Durch die Marktbewegungen verschieben sich diese Gewichtungen, weshalb das Portfoliomanagement in regelmäßigen Abständen korrigierend eingreift.

Bei institutionellen Investoren weit verbreitet ist zum Beispiel eine Asset Allocation mit einem strategischen Aktienanteil im Bereich von 25 bis 30 Prozent. Während des vergangenen Jahrzehnts waren aber selbst die Ergebnisse von Portfolios, die so defensiv ausgerichtet waren, enttäuschend.

Es zeigte sich auch, dass die innerhalb von Bandbreiten festgelegten Quoten für Aktien, Obligationen und andere Wertpapiere größere Rückschläge nicht verhindern konnten.

Die große Herausforderung besteht darin, das Ausmaß der Wertschwankungen eines Portfolios in Grenzen zu halten, zugleich aber an Kursgewinnen teilzuhaben. Einmal mehr ist die Analyse von langjährigen Marktdaten dabei sehr hilfreich.

Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass bei rückläufigen Aktienkursen die Volatilität an den Märkten deutlich anstieg, während in Hausse-Phasen die Wertschwankungen sehr oft tiefer waren.

Fixes Risiko statt fixe Allokation


Da in einem gemischten Portfolio die Aktien in der Regel die Anlageklasse mit der größten Volatilität sind, lohnt es sich, dieses Risiko aktiv zu steuern. Genau das geschieht bei der dynamischen Asset Allocation. Deren Eigenschaften decken sich sehr gut mit den Bedürfnissen von Anlegern, die nur eine geringe Risikobereitschaft mitbringen.

Im Gegensatz zu einer Asset Allocation mit fixen Gewichtungen definiert man hier nicht zuerst die Anteile der einzelnen Anlageklassen, sondern das Risiko des Portfolios. Das Maß für das eingegangene Risiko ist dabei die Volatilität des ganzen Portfolios. Mit dem vorgegebenen Risikobudget wird dann für jede Periode eine optimale Asset Allocation zusammengestellt.

Übertrifft die Volatilität eine klar definierte Höchstgrenze, werden die Gewichte zwischen den Anlageklassen neu verteilt, bis sich das Portfolio wieder innerhalb der Risikovorgabe befindet. Investiert wird beispielsweise in die Anlageklassen Geldmarkt, Anleihen und Aktien, aber auch Anlagen in liquide Rohstoff-Instrumente sind möglich.

Da es für die Anlageklassen keine fixen Anteile gibt, lässt sich die Asset Allocation flexibler gestalten. So kann zum Beispiel der maximale Aktienanteil ausgeschöpft werden, wenn die Marktsituation dafür günstig ist.

Bei einer Erholung der Aktienmärkte ist der Investor also wieder mit dabei. Insgesamt werden mit dieser Strategie lange Verluststrecken vermieden und Aufwärtspotenziale ausgeschöpft.

Seit Ende 2010 setzt Swisscanto eine Form der dynamischen Asset Allocation in eigenen Anlageprodukten um. Das Portfolio des zuerst lancierten Investmentfonds wurde im Folgejahr gleich zwei großen Härtetests unterzogen.

Im März 2011 war es die Atomkatastrophe von Fukushima und im Spätsommer die Schuldenkrise in Europa. Aufgrund der damaligen Überschreitung des Risikobudgets (Volatilität des Fondsportfolios von maximal 5 Prozent) war sowohl im März als auch im August 2011 der Aktienanteil bis auf ein Minimum reduziert.

Festzustellen ist, dass das Modell der Risikosteuerung plötzliche Kursabstürze wie im Fall von Fukushima nicht adäquat erfassen kann. Bei fundamental begründeten Veränderungen der Risikoprämien, wie sie die Ausbreitung der Schuldenkrise und die dadurch hervorgerufenen Rezessionängste verursachen, funktioniert der Mechanismus nach den bisherigen Erfahrungen hingegen gut.

Die Zuflüsse in unsere Anlageprodukte mit einer dynamischen Asset Allocation zeigen, dass solche Lösungen einem Bedürfnis sehr vieler Anleger entsprechen.

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