Märkte bewegen Aktien, Zinsen, Politik. Und Menschen. Deshalb präsentieren wir dir hier die bedeutendsten Analysen und Thesen von Top-Ökonomen - gebündelt und übersichtlich. Führende Volkswirte und Unternehmensstrategen gehen den wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen clever und zuweilen kontrovers auf den Grund.
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DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier
Das hilft gegen den demographischen Wandel
In Deutschland gibt es schon seit geraumer Zeit zwei große Erklärungsnotstände. Der eine ist Europa und warum Deutschland den Euro braucht, der andere dreht sich um die Folgen der Demographie für die Gesellschaft und den Sozialstaat.
Um letzteres geht es hier. Die Folgen der demographischen Entwicklung lassen sich abmildern durch mehr Zuwanderung und einem sinnvollen Zuwanderungsgesetzt, höhere Investitionen und steigende Produktivität. Dazu braucht es noch eine spürbar höhere Aktienquote in den privaten Portfolios und eine bedarfsgerechte Wohnbauförderung.
Auch wenn die neue Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes etwas optimistischer ausfällt. Das Grundproblem einer alternden Gesellschaft mit zu wenig Kindern bleibt. Bereits in rund zehn Jahren, wenn die Babyboomer allmählich in Ruhestand gehen, beschleunigt sich der Altersstrukturwandel dramatisch. Die geburtenstarken Jahrgänge, die heute noch als Fachkräfte zur Produktion von Waren und Dienstleistungen beitragen, in die Sozialsysteme einzahlen und mit ihren Kindern in einem Haushalt leben, wechseln dann aus der Erwerbstätigkeit in die Rente.
Weil die Generationen nach dem Pillenknick deutlich kleiner ausfallen und die Menschen länger leben, verschiebt sich das Schwergewicht in der Alterspyramide unserer Gesellschaft nach oben. Gewaltige Herausforderungen für die Arbeitsmärkte, die sozialen Sicherungssysteme und die Wohnungsmärkte sind die Folge.
Bisherige Reformen reichen nicht aus
Sinnvolle Reformschritte wie die Einführung der Pflegeversicherung, die Riesterrente, Anhebungen des gesetzlichen Renteneintrittsalters oder Unterstützungen für Familien mit Kindern wurden bereits unternommen. Auch das kürzlich vom Bundestag beschlossene Fachkräfteeinwanderungsgesetz dürfte künftig einen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen leisten.
Eine Studie zeigt jedoch, dass die Maßnahmen bei weitem noch nicht ausreichen, um die Probleme zu lösen. Die größten Gefahren gehen von einem sich verschärfenden Fachkräftemangel, Lücken in der Altersvorsorge vieler Bürger sowie einem dauerhaften Wohnraummangel in Städten und für Senioren aus.
Die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Debatten belegen, dass es durchaus ein Problembewusstsein in Bezug auf den demographischen Wandel gibt. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen allerdings oft Vorschläge, die lediglich die Lasten aus dem Altersstrukturwandel umverteilen, anstatt die Probleme wirklich zu lösen. Das gilt für Konzepte wie die Mütterrente oder die bedingungslose Grundrente, die lediglich einen Anspruch auf Rentenleistungen schaffen. Eine Antwort auf den demographischen Wandel bieten sie nicht.
