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Firmenfotograf beim nigerianischen Online-Händler Jumia bei der Arbeit. Jumia wird „Afrikas Amazon“ genannt und hatte im April 2019  als erstes Tech-Start-up-Unternehmen aus Afrika seinen Börsenstart an der Wallstreet. | © Getty Images

E-Commerce in Westafrika Kräftige BIP-Zuwächse eröffnen Unternehmen Chancen

Rania Belkahia, Mitbegründerin des französischen Handelsunternehmens Afrimarket

Es gibt noch Regionen, die nicht fest in der Hand von Amazon sind: Zum Beispiel große Teile Afrikas. Der internationale Versandhandelsriese deckt weite Teile des Globus ab, doch auf dem zweitgrößten und zweitbevölkerungsreichsten Kontinent der Erde hat er bisher kaum Spuren hinterlassen.

Auf den ersten Blick erscheint das widersinnig, denn Afrikas Mittelschicht wächst rasant, und ein Ende dieses Wachstums ist angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in immer mehr Ländern auf dem Kontinent nicht in Sicht. Gleichzeitig nimmt auch die Telekommunikations- und Internetdurchdringung immer rascher zu. Daraus ergeben sich enorme Potenziale für junge Online-Handelsunternehmen – vor allem, weil die globalen Internetriesen noch keine beherrschende Stellung auf dem afrikanischen Markt innehaben. 

„Entgegen der landläufigen Vorstellung wollen afrikanische Verbraucher hochwertige Produkte und gar nicht unbedingt billige“, erklärt Rania Belkahia, Mitbegründerin von Afrimarket, einem französischen Unternehmen, das vor fünf Jahren gegründet wurde und in den fünf westafrikanischen Ländern Elfenbeinküste, Senegal, Kamerun, Mali und Benin eine breite Palette an Qualitätsprodukten und Mehrwertdiensten anbietet. Dem Start-up ist es gelungen, eine Vielzahl von Investoren für sich zu gewinnen. „Die Menschen in Afrika wollen Produkte mit Garantie. Sie wollen Dienstleistungen, die mit westlichen Standards mithalten können. Doch wenn man sich anschaut, wie das Angebot in den einzelnen Ländern aussieht und wie schlecht die lokale Infrastruktur ist, dann ist es aktuell sehr schwierig, hochwertige Dienstleistungen bereitzustellen.“

Infrastrukturprobleme stellen vor Herausforderungen

Der Trick, um die schlechte Infrastruktur zu kompensieren und die Art von Waren und Dienstleistungen bereitzustellen, die von der Mittelschicht verlangt werden, bestand darin, bereits vorhandene Technologien zu nutzen und auf lokales Know-how zurückzugreifen. „Wir übernehmen die Lieferung von Anfang bis Ende – von unserem Fulfillment Center bis hin zur Zustellung beim Kunden“, so Belkahia. „Dafür haben wir eine eigene Versandplattform mit eigenem Zustellpersonal, eine technische Software, die auf die mangelnde Infrastruktur in Afrika abgestimmt ist, und eine eigene Flotte aufgebaut.“

Zu Beginn lag der Schwerpunkt von Afrimarket auf Auswanderern, die Geld und Waren nach Hause schicken wollten. Herkömmliche Vermittler in diesem Bereich sind berüchtigt für ihre hohen Preise: Bei Transfers in afrikanische Länder fressen Gebühren und Kursdifferenzen oft mehr als 10 Prozent des Überweisungsbetrags auf. Gleichzeitig fürchten Auswanderer häufig, dass das an Verwandte geschickte Geld nicht für das verwendet wird, wofür es gedacht war, zum Beispiel Essen, Medikamente oder Schulgeld.

Um dieses Problem zu lösen, entwickelte Afrimarket ein Gutscheinsystem. Die Gutscheine wurden dabei an einen bestimmten Händler geschickt, bei dem der Empfänger die Produkte, die der Absender bezahlen wollte, dann abholen konnte. Im Ausland arbeitende Afrikaner konnten sich so in ihren Afrimarket-Account einloggen, den gewünschten Überweisungsbetrag eingeben, den Händler auswählen, der den Betrag erhalten sollte, die Handynummer des Empfängers angeben, damit dieser benachrichtigt wird, und auf Senden klicken. Indem Geldtransfer-Anbieter und andere Mittelsmänner ausgeschlossen und stattdessen Mobilfunkverbindungen genutzt wurden, konnten die Überweisungskosten gesenkt werden.

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