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Per Tablet und Kreditkarte rasch bestellt: Die Corona-Pandemie verschafft der Digitalisierung in Asien, aber auch hierzulande einen kräftigen Schub. | © imago images / Westend61 Foto: imago images / Westend61

E-Commerce

So befeuert die Corona-Krise die Digitalisierung des Handels

Die Covid-19-Pandemie hat die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) fürchtet aktuell eine Rezession, die so schlimm werden könnte wie die Große Depression nach dem Crash im Jahr 1929. Global tätige Unternehmen sind nahezu ausnahmslos direkt von der Pandemie betroffen. Viele mussten ihren Betrieb bis auf weiteres einstellen oder zumindest stark einschränken, das öffentliche Leben und große Teile des Konsums stehen still. Doch so bedrückend die Situation derzeit auch sein mag, besteht auch Grund zur Hoffnung. Denn Krisen sind immer auch Treiber für den Wandel und Innovationen. Davon sieht man gerade im Bereich des Online-Handels eine ganze Menge.

In China lässt sich das exemplarisch beobachten: Die Zahl der aktiven Nutzer von Lebensmittel-Apps hat sich im Vergleich zum Vorjahr nach Angaben von Quest Mobile, einem chinesischen Datenanalyse-Haus, während der chinesischen Neujahrsferien vom 24. Januar bis 2. Februar auf rund zehn Millionen nahezu verdoppelt. In den folgenden zwei Wochen bis zum 16. Februar schnellte die Nutzerzahl auf zwölf Millionen hoch. Hema, die Supermarktkette des E-Commerce-Giganten Alibaba, verzeichnete in den Ferien einen sprunghaften Anstieg seiner App-Nutzer um 128 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Auch die Zahl der aktiven Nutzer chinesischer E-Learning-Plattformen ist in den Neujahrsferien laut Angaben von Quest Mobile sprunghaft angestiegen, um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich hat die durchschnittliche tägliche Verweildauer auf diesen Plattformen um 30 Prozent zugenommen. Auch nach der Krise dürften solche Dienste weiterhin profitieren. Denn mit zunehmenden Lockerungen steigt in China die Angst vor einer zweiten Infektionswelle. Selbst wenn die Nachfrage nach Diensten wie digitalen Bildungsplattformen, Arbeitsplätzen oder Lebensmittelhändlern zunächst abebben sollte, wird sie höchstwahrscheinlich trotzdem auf einem höheren Niveau bleiben als vor dem Ausbruch der Pandemie.

„Ein historischer Bruchpunkt“

Der Blick nach China ist zu Corona-Zeiten immer auch ein Blick in die Zukunft. Während in den meisten europäischen Ländern und in den USA noch mehr oder minder strenge Ausgangsbeschränkungen gelten, wurden die Maßnahmen in China bereits gelockert. Eine Vielzahl der Unternehmen hat die Arbeit wieder aufgenommen, Reisen und Ausflüge sind teilweise wieder möglich. China könnte die aktuelle Situation nutzen, um einen wirtschaftlichen Vorsprung weiter auszubauen, sagt der renommierte Politikwissenschaftler und Sinologe von der Universität Trier, Professor Sebastian Heilmann. Er sprach im Fidelity Kapitalmarkt-Podcast mit Carsten Roemheld über den Expansionsdrang vieler chinesischer Unternehmen: „Der Digitalisierungsschub ist in China während dieser Corona-Pandemie wirklich auf unglaublich fruchtbaren Boden gefallen. Das gilt über alle Bereiche hinweg, von Gaming über Tele-Medizin bis hin zu Tele-Bildung. Das sind Branchen, wo China weltweit führende Geschäftsmodelle aufbauen kann.“

Vieles erinnert Heilmann an die Zeit nach der Sars-Epidemie 2003. Damals entstanden einige der heutigen E-Commerce-Riesen, allen voran die Handelsplattform Alibaba, sowie das chinesische E-Bay-Pendant Taobao. Als Folge der Corona-Pandemie sei nun zu erwarten, dass sich die Marktanteile noch schneller verschieben – weg vom Offline-Einzelhandel, hin zu technologiegetriebenen Online-Plattformen. „Der E-Commerce in seiner jetzigen Form hat sich im Grunde auf Basis der Sars-Epidemie und ihren Folgen entwickelt“, erinnert Heilmann. Durch die aktuelle Krise sei nun weltweit mit massiven wirtschaftlichen Verschiebungen zu rechnen. Sollte die Pandemie in den USA gesellschaftlich, im Gesundheitssystem und vielleicht auch politisch große Verwerfungen produzieren, während China relativ solide dasteht und handlungsfähig bleibt, „dann kann es sein, dass diese Pandemie wirklich ein Bruchpunkt ist, auch historisch“, sagt Heilmann. Die Krise könnte somit auch offenbaren, wie zerbrechlich die Führungsrolle der USA eigentlich sei. Mit China könnte dann eine neue Macht versuchen, die entstandene Lücke zu füllen. „Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren klarer sehen werden, ob sich der chinesische Aufstieg – wirtschaftlich, politisch, technologisch – durch diese Pandemie drastisch beschleunigt“, prognostiziert Heilmann.

In die Geschäftsmodelle der Zukunft investieren

Anleger, die diesen Trend frühzeitig erkennen, können schon jetzt gezielte Investitionen in aussichtsreiche Branchen und Unternehmen tätigen. „Ich sehe das wirklich gegenwärtig als eine ganz entscheidende Phase für die Neugewichtung der politischen und wirtschaftlichen Führungsmacht in der Welt. Und das hat natürlich Auswirkungen auf Investitionen und auf Erwartungen, welche Märkte und welche Geschäftsmodelle sich in der Zukunft durchsetzen werden. Ich sehe China da momentan in einer sehr starken Position“, sagt Heilmann.

Zu den lohnenswerten Feldern gehören neben E-Learning-Plattformen wie TAL Education und Koolearn Technology und Onlinehändlern wie Alibaba, Hema oder JD.com auch Unternehmen, die sich mit der Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigen; genauso wie Technologie-Unternehmen aus dem medizinischen Bereich. Stark nachgefragt sind in China derzeit außerdem digitale Gesundheitsdienstleister. Dazu zählen beispielsweise die Apps der Gesundheitsplattform DXY und die E-Apotheke Jianke. „Mein Tipp wäre, in technologie-intensive Felder, Digitalwirtschaft, und auch Biotechnologie und Bio-Pharma zu investieren. Diese Bereiche sind gerade in China in den kommenden Jahren mit Sicherheit mit einem gewaltigen Wachstum gesegnet“, blickt Heilmann voraus.

Bei allen Chancen in China sollten Investoren auch in anderen Märkten aufmerksam Ausschau halten, denn die aktuelle Situation wird langfristig weltweit die Digitalisierung beschleunigen. Es gibt also auch in der Krise viele Gründe, die Hoffnung auf eine langfristige Erholung von Wirtschaft und Gesellschaft nicht aufzugeben. Investoren, die jetzt aufmerksam sind, könnten langfristig von manchen, durch die Krise angeschobenen Veränderungen, profitieren.

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