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MercadoLibre-Gründer Marcos Galperin mit Begleiterin bei der Sun-Valley-Konferenz in Idaho: Der Argentinier hat aus dem Unternehmen die führende E-Commerce-Plattform Südamerikas gemacht. | © Getty Images

E-Commerce-Treiber in Lateinamerika

„Eigener Bezahldienst brachte den Unternehmenserfolg“

Als die Investoren vor zehn Jahren MercadoLibre als südamerikanisches eBay bezeichneten, hatten sie zur Hälfte Recht. Denn CEO Marcos Galperin gründete das Unternehmen 1999 nach dem Beispiel von eBay. Seitdem hat sich das ursprünglich als Online-Auktionshaus gestartete Unternehmen zum führenden südamerikanischen Online-Marktplatz gewandelt, der sich sogar mit Amazon messen kann.

Unserer Einschätzung nach sind zwei Hauptgründe für den frühen Erfolg von MercadoLibre verantwortlich: erstens die Fokussierung auf eine innovative, technologische Infrastruktur und zweitens die Anpassung der Website und ihrer Zahlungsdienste an die Gegebenheiten in Süd- und Mittelamerika.

Erfolgreich mit länderspezifischen Logistiklösungen

In seiner Anfangszeit ließ MercadoLibre die Händler entscheiden, ob sie ihre Produkte zum Festpreis oder als Auktion auf der Plattform anbieten wollten. Dabei wurde schnell klar, dass die meisten Anbieter feste Preise bevorzugten. Im Zuge der daraus resultierenden Anpassungen des Angebotsformats veränderte MercadoLibre auch die Art und Weise, wie die Nutzer mit den Händlern interagieren konnten.

Im Unterschied zum großen Konkurrenten eBay sollten diese nicht direkt mit den Verkäufern in Kontakt treten. MercadoLibre ging davon aus, andernfalls vollständig aus den Transaktionen ausgeschlossen zu werden. Stattdessen entwickelte das Unternehmen Frage-und-Antwort-Seiten, auf denen sich die Kunden über den jeweiligen Händler informieren konnten.

In den darauffolgenden Jahren entwickelte MercadoLibre über die Sparte MercadoEnvíos länderspezifische Logistiklösungen für den Versand seiner Waren. Das Ziel dahinter: Noch mehr Händler in Argentinien, Brasilien und Mexiko anzusprechen und sie als Verkäufer für die Länderplattformen von MercadoLibre zu gewinnen. Gleichzeitig verbesserte das Unternehmen mit der pünktlichen Lieferung seiner Waren auch das Einkaufserlebnis seiner Kunden.

90 Prozent aller Transaktionen laufen über MercadoPago

Parallel dazu sorgte der eigene Bezahldienst MercadoPago für umfangreiche Synergie-Effekte in den einzelnen Ländermärkten. Ähnlich wie Alipay von Alibaba bietet MercadoPago einen Treuhanddienst an, bei dem Kunden ihr Konto mit Bargeld aufladen können. Das Konzept ist ein voller Erfolg: Inzwischen wickelt MercadoPago fast 90 Prozent aller Transaktionen auf den Online-Plattformen von MercadoLibre ab.

Nach unserer Ansicht war die Etablierung einer eigenen Bezahllösung durch MercadoLibre besonders ausschlaggebend für den Erfolg des Unternehmens. Der Hintergrund: Die Hälfte der lateinamerikanischen Bevölkerung verfügt weder über ein Bankkonto noch über eine Kreditkarte. Die lateinamerikanischen Volkswirtschaften funktionieren traditionell hauptsächlich auf der Grundlage von Bargeld. Doch das wirkt sich nachteilig auf mit Bargeld wirtschaftende (Klein-)Unternehmen aus, denn die Banken vergeben ohne nachgewiesene Banktransaktionen keine Darlehen.

MercadoLibre hingegen verfügt dank seiner protokollierten Online-Verkäufe und Kundenbewertungen über einen umfassenden Datenstamm – und kann damit die Kreditwürdigkeit seiner Kunden nachweisen. Das positive Resultat: Immer mehr Händler, die von Banken abgewiesen werden, beantragen bei MercadoLibre einen Kredit.

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