Aktualisiert am 30.10.2012 - 12:10 UhrLesedauer: 2 Minuten

East Capital: "Russland profitiert von den Konjunkturprogrammen"

Marcus Svedberg, Chef-Volkswirt bei East Capital
Marcus Svedberg, Chef-Volkswirt bei East Capital
Es ist schon ein merkwürdiger Zufall, dass mit EU, Japan, USA und China die größten Zentralbanken der Welt im selben Monat beträchtliche Konjunkturprogramme verkünden. Man könne davon ausgehen, dass da ein gewisses Maß an Koordination im Spiel war, nachdem die Notenbanker Ende August in Jackson Hole ihr traditionelles Jahrestreffen hatten. Das ist positiv und zeigt, dass es immer noch möglich ist auf globaler Ebene gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Die kurzfristigen Gewinner scheinen slowenische Aktien und der serbische Dinar zu sein. Auch die polnischen und russischen Aktienmärkte inklusive der Landeswährungen haben im September zugelegt. Ebenso konnten Metalle wie Nickel, Zink, Silber und Aluminium im letzten Monat ein Plus von über zehn Prozent verbuchen.

Wir glauben aber, dass der russische Markt in den nächsten Monaten der größte Profiteur der Konjunkturprogramme sein wird. Dafür gebe es vier Gründe:

1. Der russische Markt reagiert historisch gesehen sehr stark auf Konjunkturprogramme und hat als einziger BRIC-Markt von den letzten zwei Quantitative-Easing-Programmen profitiert. 2. Im Vergleich zu den anderen Emerging Markets, hat der russische Markt im Jahresverlauf underperformt und bleibt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 6 sehr billig. 3. Die makroökonomische Situation in Russland bleibt stark und die Konjunkturprogramme sollten sowohl den Rubel als auch den Ölpreis unterstützen. 4. Die Börsenstimmung spricht für Russland. Das ist ungewöhnlich und liegt vor allem daran, dass Investoren momentan Brasilien und China meiden.

Wie diese massiven Konjunkturprogramme langfristig wirken, ist schwer vorauszusagen. Die Zentralbanken haben versprochen für die nächsten Jahre die Zinsen außerordentlich niedrig zu halten. Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass das ganze Gelddrucken nicht zu einer Inflation führen wird, was wiederum zu höheren Zinsen führt.

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