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Ebase-Chef im Interview „Hier sehe ich die größten Risiken für den Fondsvertrieb“

Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung der B2B-Direktbank Ebase
Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung der B2B-Direktbank Ebase
Im ersten Halbjahr gab es einige Ereignisse, die den Fondsvertrieb und auch Ebase nicht gefreut haben dürften: Die Gewinne des Börsenjahres 2015 waren nach nur elf Handelstagen dahin. Syrien, Flüchtlingskrise und weitere geopolitischen Brandherde. Vor kurzem dann das Brexit-Referendum. Aktuell sind die Banken (vor allem die italienischen) in den Schlagzeilen. Wie ist Ihr Fazit aus Vertriebssicht für das erste Halbjahr 2016?

Rudolf Geyer: Als Dienstleister für Finanzintermediäre unterstützt Ebase die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle unserer Partner. Vor diesem Hintergrund ergibt sich kein einheitliches Bild auf der Retail-Seite. In Summe wurden im ersten Halbjahr ebenso viele Kunden durch unsere Kooperationspartner neu gewonnen, wie auf der anderen Seite Depotauflösungen zu verzeichnen waren. Anlagebedarf und Unsicherheit liegen oft eng zusammen.

Was wünschen Sie sich für das zweite Halbjahr und welche realistischen Erwartungen haben Sie?

Ich wünsche mir vor allem die Wiederentdeckung von Fondssparplänen. Die volatilen Märkte sind geradezu ideal für diese Form der Vermögensbildung. Der bekannte Cost-Average Effekt hat seinen Wert nicht verloren. Beispielsweise lassen sich dadurch auch 20.000 Euro, vielleicht aus einem fälligen Festgeld, auf mehrere Monate verteilt anlegen. Den optimalen Zeitpunkt für den Einstieg findet man ohnehin selten. Aber ein Fondssparplan sollte in jedem Haushalt vorhanden sein. Auch Sparpläne in eine standardisierte Fondsvermögensverwaltung machen hier übrigens Sinn. Unsere Beobachtungen in 2016 zeigen hier einen steigenden Trend.

Wo sehen Sie die größten Risiken für ein rückläufiges Fondsgeschäft in den kommenden ein bis zwei Jahren?

Die größten Risiken sehe ich weniger bei den klassischen Marktrisiken. Die Berater und auch die Kunden haben in den vergangenen Jahren leider sehr viel Erfahrung mit Krisen am Aktien- und Anleihemarkt gesammelt. Dennoch blieb die Fondsanlage im Fokus vieler Berater. Das größte Risiko sehe ich eher darin, dass viele Anleger regelrecht abgeschreckt werden, mit Fonds oder ETFs einen Kapitalstock aufzubauen. Ich denke da an die große Zahl an Vorschriften, die ein Berater erfüllen muss, um seiner Aufgabe nachkommen zu können – und es werden stetig mehr.

Jetzt wird auch darüber gesprochen, dass die Fondsbesteuerung deutlich erhöht wird, wenn die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge abgeschafft werden würde. Dass die Festgeldbestände trotz Nullzinsen weiter wachsen, könnte dafür sprechen, dass sich Anleger bereits zurückziehen. Daher wäre es jetzt nötig, dass die Fondsbranche alles daran setzt, wieder das Vertrauen der Anleger zu gewinnen.

Was ist derzeit aus Ihrer Sicht der wichtigste Produkttrend in der Fondsindustrie?

Der wichtigste Produkttrend ist, dass Anleger vermehrt vermögensverwaltende Anlagen suchen, und nicht Fonds mit Fokus auf einzelne Regionen oder Assetklassen. Das hat mit dem Mischfonds-Trend angefangen, und geht jetzt weiter mit Depotlösungen von Vermögensverwaltungen, sei es auf Fonds- oder ETF-Basis. Dass noch einmal ein einzelnes Fondssegment mit Milliardenzuflüssen hervorsticht, wie früher einmal Biotechnologie, Nebenwerte oder Japan-Fonds, kann ich mir nicht aktuell nur schwer vorstellen.

Welchen Produkttrend sehen Sie in den kommenden Jahren, über den heute noch kaum gesprochen wird?

Es ist kein eigentlicher Produkttrend, aber ich bin überzeugt, dass Anleger stärker die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit ihrer Anlagen hinterfragen. Möglicherweise kommen auch sogenannte „Öko“- Fonds stärker in den Fokus. Aber ich kann mir vor allem vorstellen, dass Anleger wissen wollen, ob sie mit ihren aktuellen Anlagen insgesamt eine – wortwörtlich gemeint – sinnvolle, ethisch korrekte und nachhaltige Investition getätigt haben.
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