Gold und Krieg: das galt lange als verlässliche Kombination. Steigen die geopolitischen Spannungen, suchen Anleger Zuflucht im Edelmetall. Seit dem 28. Februar 2026, dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran, läuft dieses Muster ins Leere. Am 23. März liegt der Preise je Feinunze unter 4.300 Dollar, über 23 Prozent weniger als das Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar, das Gold Ende Januar erreicht hatte.

Das große Paradox

Wer die Geschichte der Edelmetalle kennt, reibt sich dieser Tage die Augen. Gold gilt seit Jahrzehnten als klassischer sicherer Hafen – in Zeiten von Krieg, geopolitischer Unsicherheit und Inflation suchen Anleger traditionell Zuflucht in dem Metall. Genau diese Kombination aus Krieg und Inflationsdruck ist aktuell gegeben. Und dennoch bricht Gold ein.

Der Grund für dieses Paradox liegt in einer Kettenreaktion, die der Iran-Krieg ausgelöst hat. Die Blockade der Straße von Hormus trieb die Ölpreise massiv nach oben. Goldman Sachs bezeichnete den Angebotsausfall als den größten in der Geschichte der globalen Energiemärkte, größer noch als das arabische Embargo 1973. Der Brent-Preis kletterte innerhalb weniger Tage von rund 70 Dollar auf zeitweise fast 120 Dollar je Barrel. Steigende Energiepreise befeuern die Inflation, und steigende Inflation nimmt den Notenbanken den Spielraum für Zinssenkungen. 

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Die Fed hob ihre Inflationsprognose für 2026 bereits an und signalisiert nur noch eine einzige Zinssenkung. Bis Mitte März preiste der Anleihemarkt für das gesamte Jahr 2026 keine einzige Senkung mehr ein – Zinserhöhungen rücken wieder in den Bereich des Möglichen. Für Gold, das selbst keine Zinsen abwirft, ist das ein toxisches Umfeld: Je höher die Anleiherenditen steigen, desto unattraktiver wird das Edelmetall im direkten Vergleich. Der Krieg, der Gold eigentlich beflügeln sollte, belastet es über diesen Umweg.

Gewinnmitnahmen verstärken Abwärtsdruck

Neben dem Zinsumfeld kommt ein zweiter, unabhängiger Faktor hinzu, der den Druck auf Gold weiter erhöht. In den Monaten vor dem Krieg lief Gold stark und baute bei vielen Anlegern erhebliche Buchgewinne auf. Nun, da andere Positionen unter Druck geraten, greifen Anleger auf Gold als Liquiditätsquelle zurück.

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Der Markt befindet sich in einem „Sell Everything“-Modus: Anleger verkaufen nicht das, was verloren hat, sondern das, was noch im Plus liegt – um Margin Calls zu bedienen und Verluste in anderen Bereichen auszugleichen. Kapital rotiert dabei nicht von einem Asset ins nächste, sondern Anleger ziehen es schlicht ab. Wohin fließt es stattdessen? Vor allem in den US-Dollar, der seit Kriegsbeginn deutlich zulegte und derzeit den verlässlicheren Anker darstellt. Parallel steigen die Renditen von US-Staatsanleihen und machen diese als Alternative attraktiver – ein doppelter Gegenwind für das Edelmetall.

Silber trifft es besonders hart

Noch deutlicher fällt der Rückgang bei Silber aus. Das Metall markierte Ende Januar ebenfalls ein Rekordhoch bei knapp 122 Dollar und büßte seither nahezu die Hälfte seines Werts ein. Am 23. März notiert es bei rund 64 Dollar, gut fünf Prozent unter dem Freitagsschluss. Damit steuert Silber auf den schwächsten Monat seit der Finanzkrise 2008 zu.

Silber leidet auf zwei Ebenen gleichzeitig. Als monetäres Edelmetall teilt es die Zins- und Inflationsproblematik mit Gold. Als Industriemetall trifft es zusätzlich der Konjunkturpessimismus, den der Energiepreisschock auslöst. Die Befürchtung, dass massiv steigende Energiekosten das globale Wachstum bremsen, drückt auf die industrielle Nachfrageseite und verstärkt den Abwärtsdruck.

Platin ebenfalls unter Druck

Auch Platin bleibt von der allgemeinen Schwäche nicht verschont, wenngleich das Metall eine etwas andere Ausgangssituation mitbringt als Gold und Silber. Platin legte in den vergangenen Monaten deutlich weniger stark zu und geriet nie in den spekulativen Sog, der Gold und Silber auf ihre Rekordhochs trieb.

Der aktuelle Abverkauf trifft Platin damit weniger als Folge von Gewinnmitnahmen, sondern stärker als Reflex auf das makroökonomische Umfeld: Steigende Energiepreise belasten die Automobilindustrie als wichtigsten Abnehmer des Metalls in Katalysatoren, während Rezessionsängste die Industrienachfrage insgesamt dämpfen.

Hinzu kommt, dass Platin als das unbekanntere Edelmetall in Krisenzeiten weniger im Fokus der Anleger steht – weder als Fluchtpunkt noch als Spekulationsobjekt. Damit fehlt dem Metall derzeit sowohl die Nachfrage, die Gold in früheren Krisen stützte, als auch der spekulative Rückenwind, der Silber zeitweise antrieb.

Eine Krise ohne historisches Vorbild

Die aktuelle Lage zeigt, wie stark das makroökonomische Umfeld Edelmetalle prägen kann, selbst wenn die geopolitischen Rahmenbedingungen eigentlich für sie sprechen sollten. Die globale Schuldenlast bleibt unverändert hoch, Zentralbanken kaufen strukturell weiter Gold, und geopolitische Unsicherheit bleibt ein prägendes Thema. Und dennoch dominieren Zinsangst und Liquiditätsdruck.

Der Iran-Krieg hat damit ein Szenario geschaffen, das die klassische Rolle von Gold als sicherem Hafen zumindest vorerst außer Kraft setzt – nicht weil das Vertrauen in das Metall grundsätzlich erschüttert wäre, sondern weil die Mechanismen dieses Konflikts anders wirken als in früheren Krisen.