Es ist eine Karriere, wie sie ungewöhnlicher kaum sein könnte: Eduardo Mollo Cunha, einst Balletttänzer an den Bühnen Europas, ist heute erfolgreicher Fondsgründer und Vermögensverwalter. Im Podcast „The Portfolio People“ erzählt er von seiner bemerkenswerten Reise von den Bühnen Lateinamerikas zur eigenen Boutique in Frankfurt.

Von Nürnberg bis zur Oper Leipzig

Als junger Mann in Brasilien studierte Eduardo Mollo Cunha zunächst Jura und legte sein Staatsexamen ab. Doch seine große Leidenschaft galt dem Tanz, der ihn nach Europa führte: „Ich kam nach Europa, weil ich nach dem Jurastudium wusste, dass ich nicht Anwalt sein wollte, auch nicht Richter oder Staatsanwalt. Ich wollte auf die Bühne.“ Stationen seiner Ballett-Karriere waren unter anderem Nürnberg, wo er den Nussknacker tanzte, sowie das Theater Lübeck, das Saarländische Staatstheater und schließlich die Oper Leipzig.

Der blaue Vogel als liebste Rolle

Fragt man Eduardo Mollo Cunha nach seiner Lieblingsrolle, muss er nicht lange überlegen: „Der blaue Vogel in Dornröschen im dritten Akt. Der blaue Vogel tanzt hier eineinhalb Minuten, eine Minute davon verbringt man in der Luft. Das ist so anstrengend und so erfüllend, wenn man das hinbekommt.“

Mit Aktien fing es an

Doch schon während seiner aktiven Zeit begann er, sich mit einem ganz anderen Metier zu beschäftigen: "Zwei, drei Jahre bevor ich aufgehört habe, begann ich, mich als Hobby mit Aktien und Optionsscheinen zu beschäftigen." Das war 1998, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Jeden Tag handelte er als Balletttänzer per Fax.

Diese Leidenschaft führte ihn schließlich ganz in die Finanzwelt: Er machte Praktika bei Vermögensverwaltern, gründete schließlich eine eigene Firma, die später in einer der ersten Fondsplattformen in Deutschland aufgeht. Bei Eyb & Wallwitz macht er Station, wo er das verwaltete Vermögen von 25 Millionen auf über 1,5 Milliarden Euro steigert.

Durchstarten mit eigenem Fonds

2021 wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründet mit Blackpoint Asset Management seine eigene Boutique. Flaggschiff ist der Blackpoint Evolution Fund, ein global anlegender Mischfonds, der aktuell rund 250 Millionen Euro schwer ist.

Die Idee: Eine verlässliche Basisanlage zu schaffen mit einer ausgewogenen Strategie, vergleichbar einer klassischen 60-40-Allokation. Der Fonds kommt dabei mit vergleichsweise wenigen, hoch gewichteten Positionen aus.

Cat-Bonds als Stabilitätsanker

Auffällig im Portfolio: Ein hoher Anteil an Cat-Bonds. „Aber wir haben auch Gold. Wir haben auch ESG-konforme Rohstoffe. Sogar CO2-Emissionszertifikate“, erklärt Mollo Cunha. Der Grundgedanke sei, nicht zu 100 Prozent von Aktien und Anleihen abhängig zu sein, sondern auch weniger korrelierte Bausteine zu integrieren.

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Mit der langfristigen Ausrichtung will sich die Blackpoint-Strategie vom hektischen Markt abheben. „Unser Motto lautet: Strategie schlägt Timing“, betont der Fondsmanager. Es gehe darum, substanzielle Positionen mit Überzeugung langfristig zu halten.

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Vieles von dem, was Erfolg an den Kapitalmärkten ausmacht, hat Eduardo Mollo Cunha schon während seiner Zeit an den Ballettstangen gelernt: „Vom Ballett habe ich gelernt, immer vom Ende her zu denken“, erklärt der Fondsprofi. Im Ballett trainiere man erst Schritt für Schritt verschiedene Elemente, um dann in der Abschlusskür alles zusammenzuführen.

Disziplin und Anpassungsfähigkeit

Auch Disziplin und Anpassungsfähigkeit zählt der Manager zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren - im Ballett wie an der Börse: „Es ist wichtig, dass man sich immer wieder anpassen muss an verschiedene Situationen“, betont er und verweist auf die enormen Schwankungen, die die Märkte in den letzten Jahren erlebt haben. „Wenn man sich selbst nicht im Griff hat, ist es einfach, Fehler zu machen. Und das ist der Grund, wieso es wichtig ist, ein Kompass zu haben.“

 

Mit kreativen Ideen überraschen

Der Ex-Balletttänzer versteht sich außerdem darauf, auch im sonst eher grauen Finanzgewerbe mit ungewöhnlichen Ideen zu überraschen. So habe er in einem früheren Job den Chef davon überzeugen können, Kunden statt der üblichen Weihnachtsgeschenke mit einem sommerlichen, sinnlichen Film zu überraschen. „Unter normalen Umständen würde man sehr viel Angst von solchen Maßnahmen haben“, schmunzelt er. „Aber es war eine Aktion, die wirklich gut ankam bei den Kunden.“

Gefragt nach Verbesserungspotenzial in der Branche, wünscht sich der Quereinsteiger vor allem eines: mehr Transparenz bei Kosten und Leistungen von Finanzprodukten und -dienstleistungen. „Quersubventionierungen“ und versteckte Provisionen sind ihm ein Dorn im Auge.

Eduardo Mollo Cunhas Weg mag ungewöhnlich sein - doch er zeigt, dass die Grundtugenden des Erfolgs universell sind: Es kommt Disziplin, viel Einsatz und kreative Ideen an.