Wer die Berichterstattung rund um Private Markets verfolgt, stößt gerade auf ein Thema vor allem anderen: Private Debt. Die Anlageklasse ist in wenigen Jahren von einem Nischensegment zu einem der meistbeworbenen Bereiche des alternativen Marktes aufgestiegen – und gerät inzwischen zunehmend auch unter Druck. Doch ist sie tatsächlich die Anlageklasse, die im Private-Markets-Segment die größte Rolle spielt? Das Efama Fact Book 2026 liefert dazu die Zahlen – und die verschieben den Blick.
Das Wachstum läuft über geschlossene Strukturen
Der alternative Fondsmarkt in Europa verwaltete demnach Ende 2025 insgesamt 8,5 Billionen Euro. Die auffälligste Verschiebung der vergangenen fünf Jahre betrifft dabei nicht eine Anlageklasse, sondern ein Fondsformat. Der Anteil geschlossener AIFs am gesamten europäischen AIF-Markt hat sich seit 2020 mehr als verdoppelt: von 11 auf 22 Prozent. Knapp 1,9 Billionen Euro stecken inzwischen in Strukturen, aus denen Anleger nicht täglich aussteigen können.
Efama nennt zwei Treiber: wachsendes Interesse an privaten Märkten generell und die steigende Nutzung luxemburgischer RAIFs – Reserved Alternative Investment Funds – als Vehikel. Letztere kommen ohne Genehmigung der nationalen Aufsichtsbehörde aus, was Zeit und Kosten spart, die Verantwortung aber beim AIFM konzentriert. Dass immer mehr institutionelle Anleger diesen Kompromiss eingehen, sagt einiges darüber, wie attraktiv die dahinterliegenden Anlageklassen gerade sind.
Wer keine tägliche Rückgabe garantieren muss, braucht keine Liquiditätspuffer zu halten – und kann tiefer in Anlageklassen gehen, die genau dafür eine Risikoprämie zahlen. Illiquidität ist kein Nachteil mehr, der erklärt werden muss. Sie ist das Argument.
Private Equity vor Private Debt – zumindest in den Zahlen
Efama schlüsselt auf, was in der größten AIF-Kategorie steckt. „Other AIFs“ heißt sie, 3,3 Billionen Euro, 39 Prozent Marktanteil. Darin: Private Equity, Private Debt, Hedgefonds, Infrastruktur. Das relative Übergewicht ist deutlich: Private Equity macht 25 Prozent dieser Kategorie aus – rund 807 Milliarden Euro. Private Debt kommt auf nur 0,6 Prozent, also knapp 19 Milliarden.
Ein Teil der Erklärung liegt in der Erfassung: Viele Private-Debt-Strukturen tauchen bei Efama nicht als Private Debt auf, sondern unter anderen Kategorien. Ein großer Teil davon steckt in der Kategorie „Fonds für institutionelle Investoren“ – 13 Prozent der „Other AIFs“, rund 419 Milliarden Euro – oder verschwindet in Spezialfonds-ähnlichen Multi-Asset-Hüllen. Das tatsächliche Volumen ist also größer als die 19 Milliarden suggerieren. Dennoch: Private Equity ist das volumenstärkste Segment im europäischen Alternative-Universum, und zwar deutlich.
Kumuliert über 2020 bis 2025 zogen „Other AIFs“ 445 Milliarden Euro Nettomittel an. Multi-Asset-AIFs, getrieben vor allem von deutschen Spezialfonds, lagen bei 243 Milliarden. Immobilienfonds bei 73 Milliarden. Alle anderen Kategorien kamen zusammen auf weniger als die Hälfte dieses Segments.
Der ELTIF und die Frage des Zugangs
Bleibt die Frage, wer Zugang zu dieser Wachstumswelle bekommt. Eine Antwort lautet: auch Privatanleger – über den Eltif. Seit der überarbeiteten Verordnung Anfang 2024 ist der European Long-Term Investment Fund ohne Mindestanlage vertreibbar. Ein „Gamechanger“ sollte es werden.
Und was sagen die Zahlen? Eltifs repräsentieren per Ende 2025 genau 1,1 Prozent der „Other AIFs“ – rund 34 Milliarden Euro von 3,3 Billionen. Vermerk: trotz starkem Wachstum. Konkrete Zahlen dazu bleibt Efama schuldig.
Was bleibt
Das Fact Book 2026 zeigt: Private Markets wächst, die Strukturen professionalisieren sich, das institutionelle Interesse ist real. Nur stimmt die Gewichtung nicht immer mit dem überein, was in der Berichterstattung den meisten Raum bekommt. Private Equity führt, Private Debt ist das Thema. Und der Eltif ist noch kein Markt – sondern ein Versprechen, auf dessen Einlösung die Branche noch wartet.
