Symbolische Bitcoin- und Ether-Münzen Foto: imago images / Shotshop

Krypto-Anwendungen

Ehemaliger EZB-Notenbanker warnt vor Schattenbankensystem

Kryptowährungen müssen enger reguliert werden, findet Benoît Cœuré. Der Franzose war acht Jahre lang Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank und leitet heute das Innovationslabor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. In dem Rahmen befasst er sich auch mit Kryptowährungen.

Beim Krypto-Handel seien Anleger unzulänglich geschützt, beklagte Cœuré jetzt in einem Interview mit dem Handelsblatt. Immerhin durchliefen Kryptowährungen wie der Bitcoin starke Preisschwankungen. Sie würden auch für Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung missbraucht. Andererseits laufe eine zu harsche Regulierung Gefahr, dass durch sie technologische Innovationen abgewürgt würden. Dieses Spannungsfeld sollten Regulierer sorgfältig ausloten, empfiehlt Cœuré.  Den Krypto-Handel komplett zu verbieten, dürfe daher nur „ein letzter Ausweg“ sein.

Sorgen um instabile Finanzmärkte macht sich der Währungs-Profi angesichts des allgemein wachsenden Interesses an Krypto-Währungen nicht: Der Krypto-Markt sei dafür noch zu klein.

Eine Gefahr macht Cœuré indessen angesichts der aufkommenden dezentralen Finanzdienstleistungen (Defi) aus – Finanzdienstleistungen, die dezentral etwa via Blockchain abgewickelt werden. Aus ihnen könne sich ein unreguliertes Schattenbankensystem entwickeln, warnt Cœuré. Würden der Markt der Defi-Anwendungen schnell wachsen, könne daraus ein Systemrisiko wie vor der Finanzkrise von 2007 erwachsen – auch wenn das Thema aus seiner Sicht interessant sei, wie Cœuré einräumt.

Der Einführung eines elektronischen Euros steht Cœuré positiv gegenüber: „Digitales Zentralbankgeld ist eine logische Erweiterung des Geldes in einer Zeit, in der Transaktionen zunehmend digitaler werden.“ Wichtig sei dabei, ein stabiles und technologisch sicheres Geldsystem zu erschaffen. Sorgen, dass Europa mit einem digitalen Euro internationaler Nachzügler bleiben könnte, macht sich Cœuré daher nicht: Zahlungssysteme müssten stets auf ein Land beziehungsweise den Währungsraum bezogen betrachtet werden. „Man gestaltet sein digitales Zentralbankgeld basierend auf dem eigenen Finanzsystem, den Präferenzen der Bürger und den rechtlichen Rahmenbedingungen.“ Auch den chinesische E-Yuan sieht Cœuré vor allem als ein nach inländischen Bedürfnissen konstruiertes chinesisches Projekt an.

Fest steht für den Währungsexperten die führende Rolle der Zentralbanken, auch beim Thema Kryptowährungen: „Wann immer digitales Zentralbankgeld kommt, wird es selbstverständlich das Herzstück des Systems“, so Cœuré. Zentralbanken sollten insgesamt auch weiterhin die führende Rolle im internationalen Geldsystem spielen. Immerhin seien selbst in Krisen wie der Finanzkrise oder der Corona-Pandemie die durch Zentralbanken garantierten Zahlungssysteme stets stabil geblieben.

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