„Eigene Ideen umsetzen“

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Seit 200 Tagen müssen Deutschlands Vermögensverwalter die Vorschriften der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid befolgen. Die neuen Anforderungen bescherten dem Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VUV) enormen Zulauf: Die Mitgliederzahl stieg seit vorigem Jahr von 40 auf 170. Über die aktuellen Branchentrends sprach DAS INVESTMENT.com mit VUV-Chef Günter Schlösser.

DAS INVESTMENT.com: Was ist der gegenwärtig wichtigste Trend für unabhängige Vermögensverwalter?

Schlösser: In diesem Jahr dreht sich alles um die Abgeltungssteuer. Die Vermögensverwalter müssen sich darauf einstellen, ihren Kunden Lösungen zu bieten.

DAS INVESTMENT.com: Sind Dachfonds für Privatanleger die beste Lösung, um diese Steuer ab dem kommenden Jahr zu umgehen?

Schlösser: Es ist relativ egal, ob ein Fonds direkt in Einzeltitel oder in Zielfonds investiert. Wichtig ist, dass der Fonds flexibel auf verschiedene Anlageklassen setzen kann.

DAS INVESTMENT.com: Zwei Drittel aller neu aufgelegten Misch- und Dachfonds werden von Vermögensverwaltern gemanagt. Wie beurteilen Sie das?

Schlösser: Die Güte dieser Fonds sticht heraus. Damit meine ich das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko. Betrachtet man Vermögensverwalter-Fonds als Einheit, sieht man einen überdurchschnittlich hohen Anteil guter Ratings.

DAS INVESTMENT.com: Woran liegt das?

Schlösser: Unabhängige Vermögensverwalter können ihre eigenen Ideen vergleichsweise schnell im Portfolio umsetzen. Sie können dabei eigene Konzepte verfolgen, ohne Konzernvorgaben beachten zu müssen.

DAS INVESTMENT.com: Wie stehen Sie zum Einsatz von passiv gemanagten Indexfonds in der Vermögensverwaltung?

Schlösser: ETFs sind in der Vermögensverwaltung auf dem Vormarsch. Das liegt vor allem an ihren Kostenvorteilen. Damit macht ihr Einsatz auch Sinn. Allerdings bieten aktiv gemanagte Fonds teilweise einen Mehrwert gegenüber dem Marktdurchschnitt. Um diese Fonds zu erkennen, ist jedoch eine computergesteuerte Analyse notwendig.

DAS INVESTMENT.com: Gilt das auch für Zertifikate?

Schlösser: Auch bei Zertifikaten gibt es gute und schlechte Produkte. Allerdings ist auch hier viel Fachwissen gefragt, um solche zu finden, die ins Portfolio passen. Ebenso ist ein Blick auf die Kosten sehr wichtig.