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Ein bisschen Frieden Wie sich ETFs und aktives Fondsmanagement ideal vertragen

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Außerdem dürfe man die aktiven Fonds nicht gegen die Indizes laufen lassen, sondern gegen die ETFs, so ein weiteres Argument. Auch Indexfonds kosten schließlich Geld und liegen damit zwangsläufig hinter den Indizes zurück, die sie abbilden. Zudem seien in den Statistiken auch jene Fonds enthalten, die sich zwar wie aktive Manager bezahlen lassen, aber heimlich auch nur am Index kleben. Für sie gibt es das schöne Wort „Index-Schmuser“. So wies das Flossbach von Storch Research Institute nach, dass von den nicht verschmusten, also wirklich aktiven Managern mehr als ein Viertel ein passives Portfolio auf globaler Ebene schlagen konnte. Und das waren fast immer welche mit einer klaren, beständigen Anlagestrategie. Den Index-Schmusern soll hingegen die Kennzahl Active Share die Maske vom Gesicht reißen. Die vor vier Jahren von dem Wissenschaftler Antti Petajisto erfundene Kennzahl zeigt, wie stark ein Fondsmanager sich von seinem Vergleichsindex entfernt. Leider führt noch keine Datenbank diese Zahl dauerhaft, sie wird bislang nur punktuell berechnet.

Trotz der Löcher in den Beweisketten legen ETFs seit Jahren einen beeindruckenden Siegeszug hin (Grafik unten). Die fünf größten Fonds in der Statistik von Morningstar sind Indexfonds. Allein der S&P 500 dient als Grundlage für derzeit 2,2 Billionen Dollar in Indexfonds. Das sind fast 10 Prozent des gesamten Börsenwerts von 22,6 Billionen Dollar, den dieser Index auf die Waage bringt. ETFs treffen offensichtlich einen Nerv.

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Allerdings werden auch Stimmen laut, die in ETFs Risiken für das Finanzsystem erkennen wollen. Nicht ganz zu Unrecht, denn in der Tat gab es noch nie so viel Geld auf der Welt, das exakt nach demselben System mit denselben Gewichtungen verteilt und dabei stetig abrufbar ist. Niemand sollte sich also wundern, wenn der nächste Aktiencrash schneller und heftiger ausfällt als die bisherigen – schließlich lassen sich ETFs bequem und vor allem schnell online abstoßen. Immerhin: Insgesamt bringen es ETFs und Indexfonds weltweit noch immer auf lediglich 7 Prozent des Aktienuniversums. Einiger Platz ist also noch vorhanden. Das halten ETF-Freunde den Skeptikern wiederum gern entgegen.

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