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Ein bisschen Frieden Wie sich ETFs und aktives Fondsmanagement ideal vertragen

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ETFs könnten aktiven Managern trotzdem eine gute Chance geben, sich zu profilieren. Das Stichwort lautet Effizienz: Sollten Indizes im Extremfall nur noch durch ETFs beackert werden, bezweifeln Experten, dass die Kurse noch aus logischen Gedanken heraus zustande kommen. Schließlich zählt im klassischen ETF nur, wie groß ein Unternehmen ist und welchem Index es angehört. Das wiederum sollte aber aktiven Managern schöne Möglichkeiten eröffnen, die Märkte zu überlisten. Im besten Fall fließt ihnen dann wieder Geld zu. „Dann würde der Trend wieder weg vom passiven hin zu aktivem Investieren drehen, bis ein Gleichgewicht erreicht ist“, erwartet Pascal Fischbach, Investmentanalyst beim Zürcher Vermögensverwalter Altrafin, räumt aber auch ein: „Wo dieses Gleichgewicht liegt, ist schwer zu sagenund wird wohl, wenn überhaupt, nur ex-post festzustellen sein.“ Nur eines gilt allgemein als sicher: dass in diesem Gleichgewicht für Index-Schmuser mit happigen Gebühren kaum noch Platz ist.

Zusätzlichen Treibstoff gibt es durch die seit einigen Jahren aufkommenden Online-Vermögensberatungen, die Robo-Advisors. Sie nutzen mit Vorliebe ETFs, um die Kosten niedrig zu halten. Eher die Ausnahme ist Investify, das immerhin aktive Fonds im Rahmen besonderer Themen beimischt. Den Kern jedes Kundendepots bilden aber ETFs (siehe Grafik unten). Konkurrent Scalable Capital ist deutlich extremer unterwegs und lässt in seinen Informationsunterlagen keinen Zweifel an seiner Zuneigung zu ETFs. Auf aktive Fonds verzichten die Macher komplett, und damit sind sie nicht allein.

Unlängst lieferte sich Scalable-Chef Erik Podzuweit in der „FAZ“ ein pointiertes Streitgespräch mit dem bekennenden aktiven Fondsmanager Bert Flossbach von der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. „Niemand ist schlauer als der Markt“, behauptet Podzuweit darin, „darum sind wir überzeugt davon, dass eine Auswahl von einzelnen Aktien nicht zielführend ist.“ Flossbach hält dagegen und meint, dass man sich einzelne Unternehmen anschauen müsse, um ein Gefühl zu bekommen, welche Aktien zu teuer sind. Sein Beispiel: „Stellen Sie sich einen Fluss vor, der an einigen Stellen sehr tief und gefährlich ist und an anderen Stellen ganz flach. Was hilft es Ihnen, wenn Sie die durchschnittliche Wassertiefe kennen?“

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