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Ein bisschen Frieden Wie sich ETFs und aktives Fondsmanagement ideal vertragen

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Und so ging es weiter zwischen Plus- und Minuspol bis zu dem Punkt, an dem Flossbach feststellt, dass eigentlich beide aktive Investoren sind. Denn auch Scalable baut die Kundendepots nicht blind zusammen, sondern verpasst ihnen ein Risikomanagement. Es ist eine andere Art von Aktivität als bei Flossbach in Köln.

Und dort könnte der kleinste gemeinsame Nenner im Klassenkampf liegen. Denn einfach nur ein paar ETFs hinzulegen und einfach abzuwarten, wie es die Stiftung Warentest mit ihrem legendären Pantoffel-Portfolio vorschlägt, das ist allen Beteiligten zu wenig. „Ich lege doch nicht einen tollen Garten an und statt ihn zu pflegen, lasse ich ihn verwildern“, meint Alexander Beffert, Vorstand der Vermögensberatung Vermögensbutler in Ditzingen.

Immer Stressphasen betrachten

Gespräche im Markt zeigen, dass Vermögensberater die ganze Entweder-oder-Diskussion nicht sonderlich schätzen. Beffert bezeichnet sie rundweg als Schmarrn: „Hier wird um Produktkategorien und um Preise diskutiert. Die zentrale Frage aber, wie man Kunden frei von Interessenskonflikten bei Vermögensfragen helfen kann, bleibt unbeantwortet.“ Und hier gehört Beffert zu den Freunden der aktiven Anlagekultur. Indexfonds kommen zwar zum Einsatz, allerdings nur indirekt, wenn sie ein von ihm beauftragter Manager im Rahmen seiner Asset Allocation nutzt. Zum Beispiel für quantitative Anlagemodelle.

Einen guten aktiven Manager erkennt Beffert daran, wie er arbeitet und sich in früheren Stressphasen geschlagen hat. Selbstverständlich spielen auch die erzielten Anlageergebnisse eine Rolle. Für gut befundene Ansätze kombiniert er miteinander, weil es nicht die einzig richtige Strategie gibt. Die Korrelationen überwacht er in einer eigenen Datenbank.

Dabei liegen ihm die einzelnen Risiken, aber auch das kombinierte Gesamtrisiko besonders am Herzen. „Ertrag, den man nicht verloren hat, muss man auch nicht wieder aufholen. Ein schlechtes Anlagejahr kann den Anlageerfolg zerstören“, berichtet er. Der nächste Crash werde zeigen, wie gut man aus ETFs wirklich aussteigen kann, wenn es brenzlig wird. Die Feuertaufe mit den von Rekord zu Rekord eilenden ETF-Größenordnungen stehe noch aus.

Auch Stephan Simon hält nichts vom Aktiv-oder-passiv-Zank: „Die Diskussion ist aus unserer Sicht nicht zielführend. ETFs und aktive Fonds können sich gut ergänzen.“ Simon wählt für den Geldverwalter Vermögenskultur in München geeignete Anlagevehikel aus. Dabei nutzt er die passiven ETFs, sieht sich aber selbst als aktiven Investor. „Das ist kein Widerspruch, die Aktivität beschränkt sich hierbei auf die Steuerung von Marktrisiken und dreht sich nicht um die Auswahl von Einzelwerten“, so Simon. Indexfonds nutzt er, um die großen Märkte abzubilden, zum Beispiel Deutschland über den Dax, die Eurozone über den Euro Stoxx 50 und die USA über den S&P 500. „Aktive Fonds wählen wir dann, wenn wir ein bestimmtes Segment abdecken wollen und ein Alpha erwarten, zum Beispiel bei Nebenwerten sowie Aktien oder Anleihen aus Schwellenländern“, sagt der Spezialist.

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