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Ein bisschen Frieden Wie sich ETFs und aktives Fondsmanagement ideal vertragen

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Ein Ansatz, der in der Branche nicht ungewöhnlich ist. Auch bei der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung fährt man zweigleisig. „Wir benutzen Indexfonds in Sondersituationen, wenn wir sehr schnell Markt-Exposure aufbauen möchten“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Gerd Häcker. Aktiv gemanagte Fonds nutzt sein Team hingegen oft in Nischenmärkten. „Hier sind die Märkte ineffizient, und man kann mit guter Analyse viele Unterbewertungen heben“, so Häcker. Als Beispiel nennt er den Rentenfonds Zantke Euro Corporate Bonds des Anleihe-Experten Dietmar Zantke, der massiv von den Marktindizes abweiche. Letztere seien stark mit Finanztiteln bestückt, Zantkes Rentenfonds dagegen nicht.

Generell sucht Häcker nach Fondsmanagern mit Hang zu Substanzwerten, die sich Einzeltitel intensiv ansehen und deren Philosophie mit der des Hauses übereinstimmt. Dabei ist er unter anderem in den Kategorien Long-short-Fonds und Kleinstwerte unterwegs. Die Gespräche mit Fondsmanagern können sich aber unter Umständen hinziehen, so Häcker: „Bevor wir uns für ein Investment entscheiden, kann es durchaus zwei Jahre dauern.“

So findet jeder seinen Platz irgendwo im Spannungsfeld zwischen Aktiv und Passiv. Bei Vor- und Nachteilen stimmen allerdings alle Befragten weitgehend überein. So liegen die Vorteile der ETFs unbestreitbar darin, dass sie günstig, einfach handelbar und transparent sind. Schlecht ist dagegen, dass sie prozyklisch arbeiten und wirken und keine Chance haben, den Markt zu schlagen. Aktive Fonds sind dagegen deutlich teurer und haben nur einen offiziellen Anteilspreis pro Tag. Dafür können sie ein Risikomanagement enthalten, und das Portfolio ist im Idealfall einzeln zusammengestellt und kann antizyklisch funktionieren. Wohlgemerkt, das sind alles Kann-Eigenschaften, die man immer einzeln überprüfen muss. Oder wie Gerd Häcker es ausdrückt: „Fondsinvestitionen sind absolute Vertrauenssache.“

Aber auch ETFs sind nicht so einfach, wie es scheint. Jens Kummer von Mars Asset Management ist einer jener Fondsmanager, die Portfolios aus ETFs zusammenbauen und das Gesamtrisiko überwachen. Schon aus diesem Grund kennt er die Unterschiede zwischen Anbietern und ihren ETFs. Da ist zunächst die Frage, ob der Anbieter den Index in echt und dann komplett oder teilweise nachbaut (physische Replikation) oder für die genaue Wertentwicklung einen Swap verwendet, also ein Derivat. Der Markt hat sich vor einigen Jahren mit einigem Übergewicht für die physische Variante entschieden. Swap-ETFs sind seitdem auf dem Rückzug.

Weiter geht es mit den verschiedenen Handelskosten, Managementgebühren, Liquidität und Wertpapierverleih. Das alles kann die Wertentwicklung deutlich auseinandergehen lassen, wie Kummer in der Grafik auf Seite 29 eindrucksvoll zeigt (mehr dazu unter „Wie man mit 3 Fragen den richtigen ETF findet“). Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, kurz TER) sagt hingegen nicht viel aus, es fehlen zu viele Nebenkosten, so Kummer. Bei seinen Analysen entsteht übrigens immer ein bunter Mix aus den verschiedenen Anbietern: „Es tut sich keiner wirklich nachhaltig hervor, jeder hat andere Stärken und Schwächen.“ Aktive Fonds setzt er, wenn überhaupt, ebenfalls lediglich für Nischenmärkte ein oder wenn der Kunde das ausdrücklich wünscht.

Inzwischen haben sich auch einige Fondsanbieter entschieden, zweigleisig zu fahren. Bei Blackrock ist das der Fall, seit das Unternehmen im Jahr 2009 von Barclays Global Investors die ETF-Marke iShares übernahm. Seitdem hat das Haus eine große aktive und passive Produktpalette zu bieten. „Die Frage entweder- oder entspricht nicht der Realität im Asset Management“, sagt Christian Staub, der unter anderem das Geschäft von Blackrock in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa leitet. Er sieht aktive wie auch passive Lösungen als Elemente des aktiven Anlagespektrums an. Andere machen es ähnlich. Die Deutsche Bank hat ihr aktives und passives Geschäft in der Deutschen Asset Management vereint und kann ebenfalls alles aus einer Hand anbieten. Auch UBS, die Deka, Invesco und nun auch Fidelity und Franklin Templeton unterhalten neben ihrem klassischen aktiven Geschäft ETF-Abteilungen. Und alle weisen durchweg darauf hin, dass sie damit auf die nun mal verschieden gelagerten Interessen ihrer Kunden reagiert haben.Und das sollte man bei aller Ideologie einfach nicht vergessen: Da können sich die Anbieter noch so heftige Gefechte liefern. Am Ende muss der Anleger ein Produkt finden, das ihm zusagt. ETFs haben die Möglichkeiten dafür definitiv erweitert.