Jörg Lange

Jörg Lange

„Ein gutes Gefühl zählt mehr als Performance“

//
DAS INVESTMENT: Aktiv gemanagte Fonds sollen einen Mehrwert gegenüber dem Index liefern. Warum aber gelingt das eher selten?
Jörg Lange:Weil sich über 70 Prozent der aktiven Fonds sehr stark an ihrer Benchmark orientieren. Deshalb können sie nach Kosten gar nicht besser sein – oder nur kurzfristig, weil der Manager Glück gehabt hat. Bei anderen wiederum erliegt ein kleiner Vermögensverwalter oder sonstiger Selbstberufener der Illusion, ein erfolgreicher Fondsmanager zu sein. Das hat oft wenig mit der Wirklichkeit zu tun.

Und die Auswahl an guten Fonds reicht?
Lange: Auf jeden Fall. Wer als Berater die jeweiligen Investmentprozesse nachvollziehen kann, sollte in der Lage sein, gute aktive Fondsmanager auszuwählen. Selbst wenn am Ende nur 10 Prozent aller 6.000 in Deutschland verfügbaren Angebote das Kriterium erfüllen, stehen immer noch 600 Fonds zur Verfügung.

Worauf achten Sie besonders?
Lange:
Letztlich hängt es fast immer an der Person des Managers. Er muss ein klares und nachvollziehbares Konzept haben, das er auch in schwierigen Marktsituationen nicht über Bord wirft. Der Mut, mitunter bewusst anders zu investieren als die Masse der Wettbewerber, gehört ebenfalls dazu. Denn die besten Chancen liegen häufig in Bereichen, um die andere Investoren aus welchem Grund auch immer gerade einen Bogen schlagen.

Auch wenn dadurch die Performance mitunter leidet?
Lange:
Auch dann. Vielen meiner Kunden kommt es gar nicht so sehr auf die Performance an – weder absolut noch relativ –, also auf das sogenannte Alpha. Ein niedriges Beta und damit niedrigere Schwankungen als der Gesamtmarkt sind ihnen ebenso wichtig. Ganz abgesehen von dem guten Gefühl, mehrere aktive und verantwortungsbewusste Fondsmanager an ihrer Seite zu wissen, die, wenn nötig, auch mal den Investitionsgrad reduzieren und sogar einen nicht unwesentlichen Teil ihres eigenen Vermögens selbst im Fonds investiert haben.

Wie viel Bewährungszeit geben Sie einem Fonds, der hinter seiner Benchmark zurückbleibt?
Lange:
Alle Zeit der Welt – solange Investmentprozess, Titelauswahl und Underperformance schlüssig und nachvollziehbar sind. Nicht ohne Grund heißt es, dass Märkte viel länger ineffizient bleiben können, als man selbst liquide ist. STECKBRIEF JÖRG LANGE
Mit seinem Studienkollegen Hauke Petersen gründete der 49-jährige Hannoveraner 1994 nach Banklehre und Betriebswirtschaftsstudium einen der ersten Fondsshops Deutschlands. Gemäß der Devise „Im Einkauf liegt der Gewinn“ hat sich das Duo dabei vor allem auf nach dem Value-Ansatz gemanagte Aktienfonds spezialisiert. Außer für Fonds und seine Familie – Lange ist verheiratet und hat zwei Kinder – schlägt sein Herz vor allem für den Fußball und dort für seinen Heimatverein Hannover 96.

Mehr zum Thema
Schroders legt globalen Rentenfonds auf
Boris Jurczyk über Aktienfonds: „Risikovermeidung ist oberstes Gebot“
Experten-Tipp: „Qualität schlägt Value – daran ändert sich 2013 nichts“
nach oben