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Containerschiff vor Cuxhaven: Ist die Globalisierung Teil der Lösung oder Ursache des Problems. | © imago images / Jochen Tack Foto: imago images / Jochen Tack

Ein hellsichtiger Beitrag neu gelesen

Covid-19 zeigt die Kehrseite von Abhängigkeiten

Angesichts der Errungenschaften der modernen Medizin und der Fortschritte im Bereich öffentliche Gesundheit und Hygiene ist die Möglichkeit eines tödlichen Virusausbruchs in der heutigen Gesellschaft nur schwer vorstellbar. Vor allem in den entwickelten Nationen erscheinen Pandemien für viele Menschen als eine Bedrohung, die längst der Vergangenheit angehören dürfte. Doch in einer Welt, die stärker vernetzt ist als jemals zuvor, kann die vorherrschende Gelassenheit nur ein trügerisches Gefühl der Sicherheit sein.

Global vernetzt – global verwundbar

Eine schwere Pandemie wird von internationalen Organisationen als eines der größten globalen Risiken angesehen – aufgrund der weitreichenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Zwar reichen die Opferzahlen vergangener Ausbrüche in der Regel nicht an die historischen Ausbrüche – etwa der Spanischen Grippe im Jahr 1918 – heran, doch für künftige Pandemien sind wir deutlich schlechter gewappnet, als wir gerne glauben möchten – trotz des Fortschritts moderner Medizin. Eine künftige Pandemie stellt ein sogenanntes Wildcard-Szenario dar: Ein Ereignis, das zwar eine geringe Wahrscheinlichkeit, aber weitreichende Konsequenzen für Gesellschaften und Volkswirtschaften weltweit hat.

Die nächste Herausforderung droht – multiresistente Erreger

Auch wenn hinsichtlich Ort, Zeit, Infektionsrate und Mortalität der nächsten Pandemien viel Unsicherheit besteht, halten die meisten Fachleute im Bereich öffentliche Gesundheit, Medizin und Epidemiologie künftige Pandemien für unvermeidbar. Experten sind sich einig, dass der wahrscheinlichste Kandidat für eine Krankheit pandemischen Ausmaßes ein neuartiges Grippevirus ist, gegen das in der Bevölkerung kaum oder keine Immunität besteht und das leicht von Menschen zu Menschen übertragbar ist.

Nach wie vor besteht die Möglichkeit einer weltweiten Pandemie durch bekannte Krankheiten wie HIV/AIDS, SARS, Ebola, Pocken und andere Viren. Im Zeitalter der Globalisierung ergibt sich die Bedrohung jedoch nicht nur aus der Gefährlichkeit der Viren selbst, sondern auch aus der Herausbildung von Mutationen. Sowohl die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellen fest, dass einige der am meisten verbreiteten und gefährlichsten Viren immer häufiger multiresistent sind. Dementsprechend können diese durch Antibiotika und antimikrobielle Mittel nicht mehr wirksam bekämpft werden.

Globalisierung und Urbanisierung fördert Entstehung von Krankheitserregern

Unsere Welt verändert sich rasant – und mit ihr auch die Voraussetzungen für künftige globale Pandemien. Gleich mehrere Entwicklungen erhöhen das Risiko eines pandemischen Ausbruchs und stellen die Belastbarkeit unserer bisherigen Fortschritte im Bereich Gesundheit und Medizin in Frage.

Erstens besteht Studien zufolge eine starke Korrelation zwischen dem Pandemierisiko und der Bevölkerungsdichte. Die wachsende Weltbevölkerung und die starke Urbanisierung führen dazu, dass sich Krankheiten innerhalb der Bevölkerung schneller ausbreiten können. Nach Prognosen der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung bis Mitte des Jahrhunderts auf 9,6 Milliarden und bis 2100 auf 11,2 Milliarden Menschen angewachsen sein. Zugleich wird der weltweite Anteil der in Städten lebenden Bevölkerung von 54 Prozent im Jahr 2014 auf voraussichtlich 67,5 Prozent im Jahr 2030 ansteigen. Die Entwicklung von Megastädten sowie riesigen Metropolregionen dürfte die Verbreitung von Ansteckungskrankheiten im Fall eines Ausbruchs begünstigen.

Gerade in wirtschaftlich schwachen Ländern, wo es angesichts der Überbevölkerung zu einer raschen Ausbreitung von Slums kommt, drohen Gefahren. Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) haben fast 700 Millionen Menschen keinen Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen. Besonders in Afrika südlich der Sahara und im südlichen Zentralasien: Hier leben 62 beziehungsweise 43 Prozent der Stadtbevölkerung in Slums. Unter miserablen hygienischen Bedingungen können sich Infektionskrankheiten rasch ausbreiten und in Nachbarregionen übergreifen.

Zweitens ist es in unserer hochvernetzten Welt für Krankheitserreger besonders leicht, von einem Ort zum nächsten zu gelangen – was Reichweite und Ausmaß einer Infektion rasch potenziert. Der Flugverkehr führt dazu, dass der Ausbruch einer Infektionskrankheit in einem Land nicht innerhalb von Monaten oder Jahren, sondern innerhalb von wenigen Tagen auf die ganze Welt übergreift. Die Epidemie des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) Anfang der 2000er Jahre veranschaulicht das immense Verbreitungspotenzial von Erregern und die Schwierigkeiten bei ihrer Eindämmung.

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