Ein Jahr nach dem Referendum Schroders: Diese Folgen hat der Brexit für Großbritannien

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Kapitalfluchtgefahr

„Die größte Unsicherheit liegt in der Frage, welche Form der Brexit am Ende annehmen wird und inwieweit dadurch Investitionsvorhaben durchkreuzt werden. Vor diesem Hintergrund erscheint die Gefahr eines zweiten schottischen Referendums angesichts des Wahlergebnisses der Scottish National Party nun deutlich geringer.

Vorerst scheint keine Gefahr einer Kapitalflucht aus britischen Anlagegütern zu bestehen. Eine anhaltende politische Unsicherheit könnte jedoch in Zukunft zu höheren Risikoprämien führen, da die Anleger für ihre Investment-Entscheidung einen Aufpreis verlangen.“

Roger Doig, Analyst für europäische Aktien:

„Nach der anfänglich negativen Reaktion auf das Abstimmungsergebnis haben die meisten britischen Finanzwerte angezogen. Diese Erholung geht auf die Erkenntnis zurück, dass den Briten kein scharfer Rückgang im Kreditzyklus bevorsteht.* Dabei spielen auch Hoffnungen eine Rolle, die britische Regierung könne ein Revitalisierungsprogramm auflegen, indem sie etwa Steuern oder Zinsen senkt.

Doch die Uhr des Artikel 50 tickt und die Schwierigkeit, die Brexit-Gesetze mit einer Minderheitsregierung durchzusetzen, lassen Befürchtungen vor einem Kreditabschwung lauter werden. Je länger die Regierung versucht, ohne die internationalen Abkommen fortzufahren, die sie braucht, um sich Zeit zu kaufen und bei den Unternehmen für Klarheit zu sorgen, desto stärker werden diese Befürchtungen zunehmen.

Egal welche Form der Brexit am Ende annimmt – seine Auswirkungen auf den britischen Kreditzyklus werden britische Finanzwerte noch einige Jahre lang antreiben.“

*Als Kreditzyklus wird die Verfügbarkeit von Krediten für Kreditnehmer im zeitlichen Verlauf bezeichnet. Sind viele Kredite verfügbar, sind die Zinsen meist gering. Wenn man dagegen nur schwer Kredite erhält, steigen die Zinsen.