Ein Jahr nach dem Tod von Praktikant Moritz Erhardt

Was hat sich in der Bankindustrie verändert?

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Ein Jahr ist es her, dass Moritz Erhardt starb. Der 21-Jährige machte ein siebenwöchiges Praktikum bei der Bank of America Merrill Lynch als er am 15. August 2013 tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden wurde. Zuvor hatte er drei Nächte lang durchgearbeitet. Später stellte die Gerichtsmedizin Epilepsie als Todesursache fest.

Der Vorfall hatte für Aufregung in der Londoner Finanzszene gesorgt und Diskussionen um die extremen Arbeitszeiten vor allem neuer Angestellter und Praktikanten ausgelöst. Bank of America teilte mit, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um die Tragödie aufzuklären. Außerdem empfahl die Bank seinem Nachwuchs künftig ein paar Wochenenden freizumachen.

„Wir ermutigen zwar nicht zur Wochenendarbeit“, erklärte Christian Meissner, Chef für das weltweite Firmenkundengeschäft und Investmentbanking bei Bank of America, im Januar. „Aber mit sofortiger Wirkung raten wir dazu, dass Analysten und Associates mindestens vier Wochenendtage pro Monat freinehmen.” Auch Credit Suisse, die Deutsche Bank und Barclays kündigten veränderte Arbeitsbedingungen an.

Doch was hat sich seither getan? „The Independent“ geht dieser Frage zum Todestag von Moritz Erhardt nach und spricht mit momentanen Praktikanten der Londoner Finanzszene. Sie berichten erneut von durcharbeiteten Nächten und Wochenenden. Sie sprechen von einem 9-bis-5-Job, meinen dabei aber, dass sie lediglich vier Stunden nachts schlafen. „Ich dachte Moritz habe sich zu sehr selbst unter Druck gesetzt“, sagt einer von ihnen. „Aber jetzt glaube ich, dass du durch das Umfeld und die Abgeschnittenheit zur Außenwelt die Situation nicht mehr klar siehst und einfach noch ein bisschen weiter gehst, um am Ende einen Job zu bekommen.“

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