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Aus- und Rückblick Ein Jahrzehnt unabhängige Vermögensverwalter

Hartwig Webersinke kennt die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter im Detail
Hartwig Webersinke kennt die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter im Detail: Leiter des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV) prophezeit der Branche eine weiterhin stabile Zukunft. | Foto: Erik Schumacher photography

Unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland verbringen gut 40 Prozent ihrer Arbeitszeit im direkten Kontakt mit bestehenden und potenziellen Kunden. Gleichzeitig entfällt ein knappes Viertel ihrer Arbeitszeit auf vom Gesetzgeber vorgeschriebene Maßnahmen. Trotz des Regulierungsaufwands nutzen unabhängige Vermögensverwalter somit den größten Teil ihrer Zeit für direkte Gespräche mit ihrer Zielgruppe – so viel wie sonst wohl kaum ein anderer Akteur in der Finanzbranche.

Das ist ein zentrales Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen, mit der wir die Branche seit fast einem Jahrzehnt begleiten. Dieses Verhältnis dürfte sich aus mehreren Gründen in den nächsten Jahren nur wenig verändern.

Im 25-Prozent-Turm der Regulierung

In Sachen Regulierung scheint die Branche, symbolisch gesprochen, zwar in einem 25-Prozent-Turm gefangen zu sein. Der Anteil der täglichen Arbeitszeit für regulatorische Aufgaben bewegt sich seit 2018, dem Jahr der Einführung von Mifid II, stabil zwischen 23 und 25 Prozent. Zuvor gab es zwei Jahre, in denen der zeitliche Aufwand bei gut 20 Prozent lag.

Wir gehen davon aus, dass die Branche die nächsten Jahre in einem vergleichbaren Zeitmuster verbringen wird. Ganz nach dem Motto: Wenn die Einführung neuer Verordnungen gemeistert wurde und man etwas durchatmen kann, landen bald die nächsten Vorgaben aus Brüssel und Berlin auf dem Tisch. So folgen auf Mifid II nun die ESG-Anforderungen. Die dürften den Aufwand für regulatorische Maßnahmen erneut kurzzeitig nach oben treiben.

Allerdings ging dieser Regulierungstrend nicht zu Lasten der Kunden – im Gegenteil. So haben nach unseren Auswertungen unabhängige Vermögensverwalter seit der Einführung von Mifid II ihr Zeitbudget für die Kunden sogar noch deutlich erhöht: Nach Werten von anfänglich 33 Prozent stabilisierte sich die tägliche Arbeitszeit im Kundenkontakt nach unseren jüngsten Umfragen klar bei mehr als 40 Prozent.

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Mittelwerte - Quelle: Institut für Vermögensverwaltung (InVV)

Dies zeigt: Unabhängige Vermögensverwalter können in Zeiten ihre Trümpfe ausspielen, in denen immer mehr Banken die Dokumentation von Beratungen zunehmend zu komplex wird und sich zurückziehen. Sie sind ihren Kunden in persönlichen und oftmals dauerhaften Beziehungen verbunden, genießen dadurch großes Vertrauen und kennen die individuellen Umstände ihrer Mandanten. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden sie in Krisen, von denen es in den vergangenen Jahren einige gab, zu Rate gezogen. In den kommenden Jahren dürften diese Punkte eher noch mehr an Bedeutung erhalten – mit entsprechenden Auswirkungen auf das Wachstum der Branche.

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