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Aus- und Rückblick Ein Jahrzehnt unabhängige Vermögensverwalter

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Den zeitlichen Aufwand für den Kundenkontakt und die bürokratischen Aspekte des Alltags bewältigt die Branche auch durch personelles Wachstum. So ist die Mitarbeiterzahl in den 43 Vermögensverwaltungen der Panel-Gruppe, die an mindestens sieben Befragungen teilgenommen haben, von durchschnittlich sieben auf zehn gestiegen, was einem Plus von 43 Prozent entspricht. Heute stehen im Schnitt sieben Mitarbeiter im direkten Kontakt mit den Kunden, 2014 waren es durchschnittlich 4,6 – ein Zuwachs von 52 Prozent. Das ist ein empirisches Detail, das zeigt, dass die Kunden in der Prioritätenliste unabhängiger Vermögensverwalter ganz weit oben stehen.

Der Zuwachs bei den Assets ist nicht nur den Aufstockungen von Bestandskunden und den monetären Zuflüssen von Neukunden geschuldet. Einen erheblichen Teil tragen die Anlagestrategien bei, die vor allem über Investments am Aktienmarkt erzielt wurden. Von 2013 bis 2017 haben die Vermögensverwaltungen der Panel-Gruppe über alle Strategien hinweg durchschnittliche Renditen zwischen 4,5 und 7,8 Prozent vor Kosten erreicht. Lediglich im Anlagejahr 2018 wurde die Rendite mit minus vier Prozent negativ, bevor sie 2019 herausragende 13,5 Prozent erreichte.

Selbst im Corona-Crashjahr 2020 verbuchte die Panel-Gruppe ein durchschnittliches Plus von gut 4,7 Prozent und damit mehr als der DAX mit 3,5 Prozent. Die entsprechenden Renditen nach Kosten liegen etwa 0,8 bis 0,9 Prozentpunkte unterhalb dieser Werte. Damit erzielte die Panel-Gruppe von 2013 bis 2020 eine kumulierte Rendite von 52,6 Prozent vor Kosten, was knapp der Hälfte des Zuwachses bei den Assets under Management entspricht.

Mehr Aktien und weniger Renten in den Portfolios

In den jüngsten Umfragen haben wir einen wachsenden Akzent auf Aktien und Aktienfonds beobachten können. Die Aktienquote beträgt bei einer durchschnittlichen Risikoklasse von 3,2 (von 5 Punkten) aktuell gut 50 Prozent und dürfte aus Sicht der Mehrheit der Vermögensverwalter weiter steigen. Hinzu kommt über die Jahre ein stabiler Anteil von zehn bis elf Prozent in Mischfonds, die per definitionem ebenfalls in Dividendentitel investieren.

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Quelle: Institut für Vermögensverwalter

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Demgegenüber ist der Anteil der Anleihen über die Jahre kontinuierlich abgebaut worden: Bei zunächst 36 Prozent gestartet, machen Rentenpapiere derzeit noch 24 Prozent in den Portfolios aus. Das entspricht einem deutlichen Rückgang des Rentenanteils um 50 Prozent. Der liquide Anteil oszilliert über die Jahre zwischen fünf und sieben Prozent. Die Goldquote variiert zwischen drei und vier Prozent.

Die professionelle Auswahl von Einzeltiteln und Fonds sind Aspekte der unabhängigen Vermögensverwaltung, die anspruchsvolle Kunden in der übrigen Finanzbranche immer mehr vermissen. Anspruchsvolle Privatanleger sind händeringend auf der Suche nach einem aktiven Management ihres Vermögens, werden bei Banken und Sparkassen aber immer seltener fündig, da sich diese nicht zuletzt Mifid-getrieben aus der aktiven Beratung mit Einzeltiteln herausziehen und verstärkt Standardlösungen oder passive Investments anbieten.

Hier können unabhängige Vermögensverwaltungen mit maßgeschneiderten und kosteneffizienten Ansätzen punkten: Für anspruchsvolle Kunden, die – sei es aus Gründen der Transparenz oder weil sie wirklich nachhaltig anlegen wollen – keine ETF-Investments oder andere passive Investment-Lösungen wünschen, werden sie immer mehr zur bevorzugten Adresse.

Dieses Alleinstellungsmerkmal ist vermutlich ein zentraler Grund, warum sich nur sehr wenige unabhängige Vermögensverwalter wegen der computergesteuerten Geldanlage (Robo Advice) um die Zukunft sorgen. Seit 2016 wird die Einstellung der Vermögensverwalter zu diesen Systemen abgefragt, die unter Einsatz von Algorithmen und stets ohne menschliche Beteiligung oder Interaktion Empfehlungen für das Portfoliomanagement geben. Zuletzt fühlten sich 96 Prozent der Vermögensverwalter von den sogenannten Robo-Advisors gar nicht (46 Prozent) oder schwach bedroht (50 Prozent). 0 bis 4 Prozent der Befragten sahen sich bedroht. Stark bedroht fühlte sich niemand.

Unabhängig davon erkennen und nutzen Vermögensverwalter durchaus die Potenziale der Digitalisierung – etwa um ihre Dienstleistungen unabhängig von der räumlichen Entfernung anzubieten. Dazu gehört etwa die digitale Depoteröffnung, die in der jüngsten Umfrage knapp 30 Prozent der Befragten voranbringen wollen. Fast jedes fünfte Unternehmen plant, die Technik einer digitalen Vermögensverwaltung einzusetzen. Damit wollen sie vor allem jüngeren Anlegern die eigene Dienstleistung auch mit geringeren Anlagesummen näherbringen.

Über den Autor:

Prof. Dr. Hartwig Webersinke ist Leiter des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV) und Dekan für Wirtschaft und Recht an der Technischen Hochschule Aschaffenburg.

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