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Ausblick von HSBC AM Ein ordentliches, wenn auch kein außerordentliches Aktienjahr

Containerhafen in Hongkong
Containerhafen in Hongkong: Trotz Lieferkettenprobleme bleiben die Ports im Hafen von Hongkong ausgelastet. | Foto: Imago Images / NurPhoto

Die Treiber des hohen Wachstums lassen allerdings nach: Geld- und fiskalpolitische Unterstützungsmaßnahmen fallen weg. Die Stimmung beim US-Konsumenten ist etwas gedrückt. Die Inflation könnte im ersten Quartal noch weiter anziehen. Dann sollten aber langsam deflationäre Effekte auftauchen. Lieferengpässe lösen sich auf. So könnte es die derzeit gesuchten Gebrauchtwagen bald wieder an jeder Ecke geben. In den USA erwarten wir zum Jahresende 2022 eine Inflation um die 2 Prozent, also auf dem Niveau, wo sie langfristig sein soll. Die US-Notenbank Fed hat begonnen, ihre Anleihekäufe zu reduzieren. Das Tempo könnte hier eventuell beschleunigt werden. Gegen Ende 2022 rechnen wir mit dem ersten Zinsschritt und 2023 mit drei bis vier weiteren Erhöhungen. Der Zinserhöhungszyklus wird uns aber nicht auf Niveaus führen, die wir von früher kennen. 

Aktien: 5 bis 7 Prozent Performance im Jahr 2022

Da die Notenbanken die Zügel nicht zu straff anziehen und ihre Schritte sehr gut kommunizieren, nehmen sie Unsicherheit aus den Märkten. Zwar harmonieren steigende Zinsen grundsätzlich nicht mit Aktien. Das gilt allerdings nicht direkt nach einer Zinswende. Es gibt typischerweise eine Phase von bis zu zwei Jahren, in der Aktien trotz steigender Zinsen gut laufen. Die Notenbanken dürften die Party also nicht verderben, allerdings dürfte diese an Schwung verlieren. Die Bewertungen sind hoch, und in den Kursen ist nicht mehr viel Musik.

Die Aktienbewertungen werden derzeit nicht mehr ausgeweitet, sondern eher zurückgenommen. Das Performance-Potenzial entspricht weitgehend der Gewinndynamik der Unternehmen. Das wird sich wahrscheinlich nächstes Jahr fortsetzen. Entsprechend gedämpft sind die Performance-Erwartungen. Wir halten für 2022 ein Plus von 5 bis 7 Prozent über die Aktienmärkte hinweg für realistisch. In der heutigen Zeit ist das ein auskömmlicher Wert für viele Investoren. Länger anhaltende Rückschläge sind nicht zu erwarten. Dafür steht zu viel Kapital an der Seitenlinie.

Der wirtschaftliche Aufschwung dürfte sich 2022 fortsetzen und einige Sektoren profitieren noch von Nachholeffekten. Auch diverse Volkswirtschaften haben das 2019er-Niveau noch nicht wieder erreicht und verfügen über entsprechendes Aufhol- und Performance-Potenzial. Dazu zählen die Eurozone, Japan und Teile Südostasiens. Insbesondere zyklische Titel und Qualitätsaktien, die den Preisdruck auf die Kunden überwälzen können, sehen wir weiter im Vorteil. Bei Wachstumswerten, die im Gegensatz zu den Zyklikern sehr zinssensitiv sind, ist hingegen etwas Zurückhaltung angebracht.

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