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Regulierungsmaßnahmen in China Ein Paradigmenwechsel, der neue Chancen schafft

Schlange stehen vor einem Adidas-Store
Schlange stehen vor einem Adidas-Store: Der Sportartikelhersteller dürfte von der neuen Politik in China profitieren. | Foto: Imago Images / ZUMA Press
Natasha Ebtehadj, CTI

Die Regierung in Peking greift durch – und keine andere Branche hat es stärker getroffen als den Bildungssektor: Die Entwicklung der chinesischen Nachhilfeinstitute wurde jüngst abrupt ausgebremst, da neue Vorschriften den Unternehmen Gewinne quasi untersagen. Dadurch schrumpfte der potenzielle Zielmarkt von bis dato 100 Milliarden auf 25 Milliarden US-Dollar. Bezogen auf ihre Marktkapitalisierung verzeichneten Bildungsanbieter wie New Oriental oder TAL Education seither Einbußen in Milliardenhöhe (siehe Grafik). Und obwohl bereits schon länger mit regulatorischen Maßnahmen in dieser Branche gerechnet wurde, war die Umstellung auf Gemeinnützigkeit ein Worst-Case-Szenario, mit dem kaum ein Anleger gerechnet hatte.

Grafik: Marktkapitalisierung großer chinesischer Nachhilfeinstitute in Milliarden US-Dollar

Quelle: Bloomberg, Stand 13. August 2021

Im Laufe der vergangenen Jahre ist es für die Zentralregierung in Peking zunehmend wichtiger geworden, ihren Wachstumsfokus neu auszurichten. Dabei setzen die Entscheider nun vor allem auf Qualität, statt wie bisher rein auf Quantität. Ein Aspekt, der vor diesem Hintergrund in den Mittelpunkt rückt, ist die zunehmende soziale Ungleichheit in drei Bereichen: Bildung, Wohnen und Gesundheit. Im Jahr 2017 gaben Familien 7 bis 9 Prozent ihres Haushaltseinkommens für private Nachhilfeinstitute aus.

Die Regulierungsbestrebungen haben für Marktvolatilität bei Chinas Tech-Riesen gesorgt. Unternehmen wie Alibaba und Tencent standen im vergangenen Jahrzehnt an der Spitze der New Economy und galten als Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Sie machten aufgrund ihres exponentiellen Wachstums im Februar 2021 fast die Hälfte des MSCI China Index aus.

Aus unserer Sicht sollten Anleger bedenken, dass viele der Herausforderungen, die die chinesischen Regulatoren in den Griff zu bekommen versuchen, identisch zu jenen sind, mit denen auch US-Behörden konfrontiert werden: Kartellrecht, Datensicherheit, Arbeitnehmerrechte. Der maßgebliche Unterschied besteht jedoch darin, dass Vorschriften in China systembedingt weitaus schneller erlassen werden können.

Langfristige Auswirkungen auf den Markt

Investoren sollten trotz einer stärker werdenden Regulierung keinesfalls die Maßnahmen mit den Ursachen für die Verkaufswelle bei Bildungsunternehmen durcheinanderbringen. Vor allem bei seinen Tech-Unternehmen wird China erkennen, dass das Land auf gewinnorientierte Konzerne angewiesen ist – schließlich möchte es vor allem eines seiner politischen Ziele erreichen: Technologische Unabhängigkeit. Peking dürfte daher sicherstellen, dass ebendiese Unternehmen besonders florieren; ohne dabei jedoch die eigenen politischen Ziele zu vernachlässigen.

Zahlreiche Anleger fragen sich derzeit dennoch, ob man angesichts dieser neuen Politik überhaupt noch getrost in China investieren kann. Für eine konkrete Schlussfolgerung ist es zwar noch zu früh. Hinweise aus Regierungskreisen deuten auf ein Festhalten an marktwirtschaftlichen Prinzipien hin, wobei radikale Verbote wahrscheinlich auf den Bildungssektor beschränkt bleiben dürften. Ebenso sind jedoch weitere politische Maßnahmen in anderen Bereichen zu erwarten. Denn die Regierung wird versuchen, Ziele wie die technologische Unabhängigkeit, die Dekarbonisierung sowie die Verringerung der sozialen Ungleichheit schnellstmöglich zu erreichen.

Jene Unternehmen, die in entsprechenden Bereichen tätig sind, werden ihre Geschäftsmodelle wohl oder übel nachhaltig ändern müssen. Angesichts der Unsicherheit, von der mehr als 40 Prozent des chinesischen Aktienmarktes betroffen sind, dürften die Bewertungsaufschläge sinken, die die Anleger bereit sind zu zahlen. Daher haben wir uns von allen unseren Positionen in Tencent getrennt, die wir viele Jahre lang gehalten hatten.

Wachstumschancen im Zusammenhang mit politischen Zielen

Investoren dürfen einen entscheidenden Punkt jedoch nicht vergessen: China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wachstumschancen wird es trotz der derzeitigen Umbrüche in der Wirtschaftsordnung also weiterhin geben. Einige unserer anderswo notierten Positionen im Portfolio sind stark von China abhängig, und wir beurteilen deren Wachstumsperspektiven nach wie vor optimistisch.

Ein Beispiel: Chinas Dekarbonisierungspläne dürften sich als ein Segen für E-Fahrzeughersteller und damit auch für das von uns gehaltene Zulieferunternehmen TE Connectivity erweisen, das ein Fünftel seines Umsatzes in China erwirtschaftet. Ebenso wurden im Gegenzug zum Verbot des Nachhilfeunterrichts neue politische Maßnahmen zur Sportförderung angekündigt. Davon wiederum dürfte Adidas profitieren, das ein Viertel seines Umsatzes in China macht. Im Laufe der Zeit werden sich weitere Gelegenheiten ergeben. Derzeit warten wir lieber noch etwas ab, bis sich die politische Situation geklärt hat.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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