DAS INVESTMENT: Mit der Debatte um ein Provisionsverbot in der Finanzberatung hat das Thema Honorarberatung an Fahrt aufgenommen. Sie sind schon seit 2009 als Honorarberater aktiv. Was hat Sie veranlasst, umzusteigen?
Davor Horvat: Kunden haben sich gefragt, warum so wenig Geld in ihren Policen steckte, obwohl sie schon viele Jahre einzahlen. Ich habe mich dann mit den Kosten beschäftigt: Das Problem sind nicht die Abschlussprovisionen der Vermittler, sondern vor allem die hohen laufenden Kosten, die in den Policen versteckt sind. Dann habe ich die Seite der Nettopolicen kennengelernt und im Finanzanlagebereich die Vorteile von ETFs. Heute würde ich nicht mehr tauschen wollen.
Eine häufig gehörte Kritik lautet, Honorarberater würden möglichst viele Beratungsstunden herausschinden, um ihren Kunden möglichst viel Geld abzuknöpfen. Was sagen Sie dazu?
Horvat: Ich glaube, die Provisionswelt weiß oft gar nicht, wie die Honorarberatung funktioniert. Wir haben einen festen Stundensatz, auf dem die Kalkulation basiert. Bei jedem Kunden kalkulieren wir, wie viel Zeitaufwand voraussichtlich anfällt. Es gibt ein vorab festgelegtes Pauschalhonorar. Je nach Aufwand und Auftrag vielleicht 2.000 oder 3.000 Euro. Bei längerfristiger Betreuung erhalten die Berater außerdem eine prozentuale Service Fee, abhängig vom betreuten Vermögen.
Moniert wurde auch schon, dass einige Honorarberater Wucherhonorare vereinnahmt haben.
Horvat: Es kam vor, dass Pseudo-Honorarberater ihren Kunden abnorm hohe Ersparnisse vorgerechnet haben, die sie vermeintlich erzielen würden, und auf dieser Basis unverhältnismäßig hohe Honorare veranschlagt haben. Die Verbraucherzentralen haben auf solche schwarzen Schafe aufmerksam gemacht.
Wie finden Sie die Idee fester Gebühren in der Finanzberatung, so wie bei Rechtsanwälten und Steuerberatern?
Horvat: Genial, ich wäre sofort dabei. Auch Wucherhonorare wären Geschichte.
Neben dem Wegfall möglicher Interessenkonflikte – kommen Kunden mit Honoraren auch finanziell besser weg?
Horvat: Im Ergebnis immer. Es kommt aber auch auf die Laufzeit des Investments an. Auf fünf Jahre fällt der Mehrwert nicht so hoch aus wie nach 15 oder 20 Jahren. Im Prinzip kann auch ein Versicherungsmakler seinen Kunden einen Bruttotarif mit ETFs vermitteln, aber in der Realität wird der Kunde eher auf Banken und Ausschließlichkeits- oder Finanzvertriebe treffen. Was wir da sehen, ist oft heftig. Die Menschen investieren und sind nach Jahren immer noch teils im Minus. Weil die Gebühren so hoch sind.
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