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Cormac Weldon im Gespräch
„Ein Wahlsieg Trumps verheißt wohl wenig Gutes“
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Cormac Weldon im Gespräch „Ein Wahlsieg Trumps verheißt wohl wenig Gutes“

Cormac Weldon, Artemis IM
Cormac Weldon, Leiter des Teams für US-Aktien bei Artemis IM | Foto: Artemis IM

DAS INVESTMENT: Im Herbst steht die Präsidentenwahl in den USA an. Was erwarten Sie?

Cormac Weldon: Wir glauben, dass die Wahl höchstwahrscheinlich mit einer erneuten Stichwahl zwischen Donald Trump und Joe Biden enden wird, obwohl sich die Lage in den nächsten Monaten noch ändern könnte. Wir sollten uns dabei immer vor Augen halten, dass die Präsidentschaftswahlen zwar die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen, der Ausgang der Kongresswahlen aber ebenfalls sehr wichtig ist. Wenn der Präsident beide Häuser des Kongresses kontrolliert, fällt es ihm selbstverständlich leichter, politische Maßnahmen zu ergreifen. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, dass Trump im Falle eines Sieges eher in diese Situation kommen kann als Biden. 

 

 

Welche Folgen hätte die Wahl von Joe Biden und Donald Trump jeweils für Ihr Anlageuniversum?

Weldon: Sollte Biden die Präsidentschaft gewinnen, ist mit einer Fortsetzung und dem Ausbau seiner derzeitigen inländischen Infrastruktur- und Investitionspolitik zu rechnen. Möglicherweise wird er mit seiner Regierung weiter versuchen, große Technologieunternehmen zu regulieren, womit er schon mehrfach gescheitert ist. Ein Präsident Trump mit beiden Häusern des Kongresses hinter sich ist wegen seiner unklaren Politik schwieriger zu beurteilen. Er könnte China gegenüber feindlicher eingestellt sein und wird wahrscheinlich eine ähnliche Außenpolitik wie in seiner ersten Amtszeit verfolgen. Das verheißt wahrscheinlich nichts Gutes für die Ukraine.

Innenpolitisch ist die Sache komplizierter. Trump wird für die Ölindustrie und gegen Umweltvorschriften sein. Während Bidens drei wichtigste innenpolitische Gesetze allesamt mit dem Motto „Make America great again“ bezeichnet werden könnten, hat Trump geschworen, Bidens großes Konjunkturprogramm, den Inflation Reduction Act, zu zerreißen. Wir glauben, dass er diejenigen Maßnahmen, die Elektrofahrzeuge und Batterien voranbringen sollen, deutlich reduzieren wird. Allerdings stehen die republikanischen Bundesstaaten zugleich ganz vorne in der Schlange, um Bundesmittel für diese Projekte zu erhalten. Es wird in jedem Fall spannend.

 

Können Sie sich als Aktienfondsmanager auf die Folgen der Wahl vorbereiten?

Weldon: Zunächst einmal sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass der Ausgang der Wahl ungewiss ist, sodass es nicht ratsam ist, sich auf ein bestimmtes Ergebnis festzulegen. Außerdem versprechen Politiker viel mehr, als sie jemals halten. Darüber hinaus ist die Bundesregierung in den USA nicht allmächtig, da die einzelnen Bundesstaaten einen erheblichen Einfluss auf die Politik haben. So gab es in Trumps erster Amtszeit trotz all seiner negativen Rhetorik gegenüber erneuerbaren Energien immer noch ein erhebliches Wachstum der Kapazitäten für erneuerbare Energien in den USA, weil Bundesstaaten diesen Vorrang einräumten.

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Der US-Aktienmarkt wird von einigen wenigen Tech-Unternehmen dominiert. Wie beurteilen Sie die Bewertungen der dortigen Small und Mid Caps, auch im internationalen Vergleich?

Weldon: Es ist interessant, dass die relative Bewertung der mittleren und kleinen Unternehmen im Vergleich zum S&P 500 der Bewertung im Jahr 1999 sehr ähnelt, als ebenfalls Technologie-Titel dominierte. Die größten US-amerikanischen Technologieunternehmen weisen vielversprechende Merkmale auf: wenig bis keine Verschuldung, sehr hohe Gewinnmargen, starke Cashflows und – in einigen Fällen – angemessene Bewertungen.

Wir halten es für wahrscheinlich, dass sich der Markt auf kleine bis große Unternehmen mit günstigen Fundamentaldaten und Bewertungen ausweiten wird. US-amerikanische Mid- und Small-Cap-Unternehmen sind in der Regel etwas höher bewertet als andere Märkte, aber wir glauben, dass dies auf ihre Größe und Liquidität zurückzuführen ist und auch auf die Tatsache, dass diese an der größten Volkswirtschaft der Welt teilhaben und daher größere Chancen bieten.

 

Und welche Titel können derzeit am meisten zur Performance beitragen?

Weldon: Die besten Sektoren waren in den vergangenen Monaten diejenigen, die von Infrastrukturinvestitionen und dem Wohnungsmarkt profitierten. Der US-Wirtschaft kommen die von der Biden-Regierung erlassenen Gesetze zugute, die inländische Investitionen ankurbeln. In unseren Portfolios halten wir beispielsweise Eagle Materials, ein Zementunternehmen, das von diesem Trend profitiert.

Darüber hinaus herrscht in den USA ein Mangel an Wohnraum, und trotz hoher Zinsen ist die Nachfrage nach neuen Häusern nach wie vor groß. Ein weiteres Beispiel in unseren Portfolios ist Builders Firstsource, ein in Dallas ansässiges Unternehmen, das Bauherren mit Material beliefert. In unserem Fonds, der auch in größere Unternehmen investiert, dem Artemis Funds (Lux) US Select, war jüngst der Technologiesektor offensichtlich der größte Treiber der Performance.

 

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