DAS INVESTMENT: Wie kamen Sie dazu, bei der RTL-Serie „Die Versicherungsdetektive“ mitzumachen?
Timo Heitmann: Die Formatidee wurde damals im Austausch zwischen einer RTL-Redakteurin und unserer Unternehmenskommunikation geboren. Um das Format auf etwas breitere Beine zu stellen, wurde mit der Huk-Coburg noch ein weiterer Versicherer dazugenommen. Für die Huk startete Patrick Hufen, der bis heute erfolgreich als RTL-Versicherungsdetektiv im Einsatz ist. In der letzten Staffel kam nach über zehn Jahren des erfolgreichen Formats die Axa Versicherung mit Nadine Schlömer hinzu. Die Pionierarbeit bei uns leistete damals Herrmann Jung als Schadenreguliererkollege aus meinem Team, von dem ich nach circa drei Jahren den TV-Job übernommen habe. Mit der Staffel 2025 habe ich jetzt an meinen Kollegen Oliver Ramsperger aus unserem Schadenaußendienst übergeben.
Und als das Format stand, fragte man Sie, ob Sie als Versicherungsdetektiv in der Serie mitspielen möchten. Was hat Sie dazu bewogen zuzusagen?
Heitmann: Als die Anfrage kam, wurde ich schon etwas nervös und habe mich vor allem gefragt, ob ich dieser Aufgabe überhaupt gerecht werden könnte. Nicht umsonst habe ich mich nach der Schul- und Bundeswehrzeit für eine Ausbildung in der Versicherungsbranche entschieden. Eine Karriere in den Medien war eigentlich kein Kindheitstraum von mir. Ich habe dann aber auch eine große Chance gesehen und war neugierig. Außerdem war ich bereit, meine Komfortzone zu verlassen.
Können Sie sich noch an die allererste Folge mit Ihnen als „Versicherungsdetektiv“ erinnern? Worum ging es? Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Heitmann: Ehrlich gesagt, kann ich gar nicht mehr sagen, welches mein erster Fall mit Kamerabegleitung war. Zur Vorbereitung habe ich mich stets sattelfest in die Akte eingearbeitet und mir etwaige Szenarien für einen möglichen Verlauf des Termins überlegt. Schnell, von Fall zu Fall, lehrte mich dann allerdings die Erfahrung, dass es meistens doch unerwartet und anders kommt, als man sich das vorher gedacht hat. Über die Jahre konnte ich so eine gewisse Gelassenheit entwickeln und noch offener vor Ort den Menschen mit ihren Schadensfällen begegnen.
Wo liegen denn die Unterschiede zwischen Ihrer echten Arbeit und der Tätigkeit als Versicherungsdetektiv, wie sie in der Serie dargestellt wird?
Heitmann: Es wurde immer wieder vermutet, dass in der Serie etwas dargestellt wird, was nicht der echten Arbeit entspricht. Tatsache ist aber, dass die Kamera bei unserer Arbeit als Schadenregulierer dabei ist. Es werden echte Fälle mit den echten Menschen und den echten Ermittlungen gefilmt – im Ergebnis mit den echten Konsequenzen. Es wird nichts nachgestellt oder dargestellt.
Also gibt die Serie Ihre Arbeit eins zu eins wieder?
Heitmann: Einen Unterschied gibt es aus meiner Sicht schon, nämlich die Tragweite des Ortstermins. Durch die Kamera findet das potenzielle Aufdecken von Lügen eben vor einem Millionenpublikum statt. Die Wahrheit ans Licht zu bringen, zählt sowohl mit als auch ohne Kamera zur Kerntätigkeit von Schadenregulierern. Stets gemäß dem Credo, der Ehrliche soll erhalten, was ihm zusteht, der Unehrliche soll die gerechten Folgen spüren. Mit Kamerabegleitung erhöht sich ein wenig der Anspruch, den Sachverhalt möglichst in einem Termin beziehungsweise in möglichst wenigen Terminen und trotzdem eindeutiger Klarheit zu einem Ergebnis zu führen. Denn die bundesweite Produktion bringt einen höheren Aufwand mit sich, als wenn man – wie ohne Kamera üblich – in seinem regulären und begrenzten Heimatgebiet zu Schadenbesichtigungen unterwegs ist.
Warum ziehen Sie sich nun aus der Serie zurück?
Heitmann: Mein damaliger Chef ist inzwischen im wohlverdienten Ruhestand. Wir haben dessen Abteilung etwas neu zugeschnitten und mir bot sich dadurch die Möglichkeit für einen weiteren Karriereschritt, nämlich seine Funktion zu übernehmen. Heute trage ich als Abteilungsleiter von mehreren Teams die Verantwortung für unseren Schadenstab im Bereich der komplexen Kompositschäden, die Betrugsabwehr sowie die Regressverfolgung und die Auslandschadenregulierung. Dieser berufliche Entwicklungsschritt mit all seinen Herausforderungen und Chancen erfordert 100-prozentigen Fokus. Nach über zwölf Jahren Fernsehtätigkeit spürte ich, ehrlich gesagt, auch langsam ein wenig den Wunsch nach Veränderung. Insofern haben sich die Chancen optimal für mich gefügt. Vermissen werde ich die direkte Kundenbindung, sprich den Kontakt mit den Menschen vor Ort und die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen engagierten kreativen Köpfen aus der Medienbranche. Aus der Zeit sind zum Teil auch echte Freundschaften entstanden. Diese bleiben mir zum Glück erhalten. Dafür bin ich dankbar.
Wie hat sich die Betrugshäufigkeit in der Schadenregulierung in den vergangenen fünf bis zehn Jahren entwickelt?
Heitmann: Bei dieser Frage würde ich gerne an die offiziellen Statistiken aus Erhebungen des GDV verweisen. Man darf davon ausgehen, dass leider bei circa jedem zehnten Schadenfall Versicherungsbetrug begangen wird. Es entstehen jährlich Schäden von circa 6 Milliarden Euro. Diesen Kostenaufwand tragen wir als ehrliche Kunden mit unseren Versicherungsprämien mit. Insofern erachte ich es als Aufgabe der Versicherungen, sämtliche Ansprüche stets korrekt zu prüfen, unberechtigte Ansprüche aufzudecken und unehrliche Kunden entsprechend zu identifizieren und zu sanktionieren.
Ich glaube, dass die heutigen manipulierten Schäden, sei es in der Höhe oder im Hergang, ähnliche Muster aufweisen wie noch vor 10, 20 oder 30 Jahren. Die Schäden ereignen sich im Leben der Menschen. Was früher der teure Flachbildschirmfernseher oder irgendwann der heruntergerissene Laptop war, ist heute das Smartphone und nach wie vor die zerbrochene Brille oder zum Beispiel der nachträgliche Abschluss einer Versicherung, die es eben zum richtigen Schadenzeitpunkt noch nicht gab.


