In welchen Bereichen wird am meisten betrogen?
Heitmann: In der Haftpflichtversicherung, gefolgt von der Hausratversicherung – das spiegeln eindeutig auch die Studien wider.
Thema Künstliche Intelligenz (KI): Die Einen sagen, dass sie zu mehr Versicherungsbetrugsfällen führen wird, da sich die Betrüger der KI bedienen werden. Die Anderen behaupten, dass die KI massiv helfen wird, Betrugsfälle in der Schadenbearbeitung aufzudecken, so dass die Betrugshäufigkeit abnimmt. Was meinen Sie?
Heitmann: Die Möglichkeiten von KI eröffnen sicherlich neue Felder für Manipulation. Genauso ermöglichen sie aber auch neue Möglichkeiten der Überprüfung. Ich weiß vor allen Dingen, dass die heute schon im Einsatz oder in Entwicklung befindlichen KI-Tools Betrugsvorgänge aufdecken können, die vielleicht heute noch teilweise unerkannt in unseren Beständen schlummern. Insofern nutze ich gerne diese Gelegenheit, um alle unrechtmäßig Handelnden da draußen zu warnen. Dass einige Schäden, die vielleicht heute als Einzelfall bei einer Gesellschaft im Zuge der Serviceorientierung schnell reguliert wurden, künftig durch KI-Einsatz im Nachgang noch als Betrugsschaden erkannt werden – selbst wenn die Bearbeitung durch unsere Mitarbeiter längst erledigt ist – diese Chance halte ich für ausgesprochen hoch. So kann es dazu führen, dass in Zukunft zusätzliche Betrugsfälle identifiziert werden und daraus harte rechtliche Konsequenzen drohen. Das ist eine wünschenswerte Entwicklung für alle redlichen Versicherten.
Was ist der kurioseste Betrugsfall, den Sie während Ihrer Tätigkeit als Versicherungsdetektiv erlebt haben?
Heitmann: Besonders kurios sind jene Fälle, bei denen man bereits mit etwas technischem Sachverstand entlarven und erkennen kann, dass es sich um eine Lügengeschichte handelt. Mir fällt zum Beispiel der Kunde ein, der angeblich gegen einen Feuerlöscher in einem Vereinsheim gestoßen sein soll und dabei einen fünfstelligen Schaden an der Veranstaltungstechnik verursacht hat, weil sich der Feuerlöscher durch den Sturz entladen haben soll. In Wirklichkeit wurde eine wilde Party gefeiert und kurzerhand der Löscher zur Nebelmaschine umfunktioniert. Dass sich das Pulver aber in der Lüftungsanlage und auf den Platinen der Elektronik niederlegt und in Zukunft zu Korrosionsschäden führen kann, blieb in diesem Moment unbedacht.
Über den Interviewten:
Timo Heitmann war seit über zehn Jahren als „Versicherungsdetektiv“ in der gleichnamigen RTL-Serie aktiv. Ende Juni gab er seinen Rücktritt bekannt: Er übergibt an Oliver Ramsperger, um sich besser auf seine Kerntätigkeit bei der Barmenia Gothaer konzentrieren zu können. Heitmann ist seit Jahresbeginn als Abteilungsleiter unter anderem für komplexe Kompositschäden, Betrugsabwehr und Auslandsregulierungen bei der Barmenia Gothaer zuständig. Davor war er Teamleiter im Schadenaußendienst der Versicherungsgesellschaft.
Darüber hinaus tritt Heitmann auf Live- oder virtuellen Veranstaltungen auf und berichtet über das Thema Schadenregulierung. Er kann über verschiedene sozialen Medien wie zum Beispiel Linkedin gebucht werden.