Eine Studie und ihre Schlagzeile: Das Problem „Altersarmut“

Eine Studie und ihre Schlagzeile: Das Problem „Altersarmut“

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ZDF, Spiegel-Online, die BILD-Zeitung, FAZ.Net, T-Online und auch DAS INVESTMENT.com sind nur einige Medien, die gestern über den „Vorsorgeatlas“ von Union Investment schrieben (Zum Vergrößern auf die Beispiele klicken). Das ist gut so, denn das Ergebnis der Studie ist alarmierend: Für einen Großteil der Bevölkerung wird die gesetzliche Rente im Alter nicht reichen, um den heutigen Lebensstandard zu erhalten. Selbst die Riester-Rente kann Ausfälle vielfach nicht kompensieren. Fast 30 Millionen künftigen Rentnern droht daher eine Unterversorgung. „Eine Unterversorgung liegt jedoch auch vor, wenn ich heute drei Autos fahre, und mir als Rentner nur noch einen Wagen leisten kann“, erklärt Markus Temme, Sprecher der Fondsgesellschaft. Der Begriff Unterversorgung polarisiert jedoch nicht. Er klingt vielmehr nach Behörde und trockener Wissenschaft – und er macht einfach keine Angst. „Altersarmut“ klingt besser und macht Angst, wie etwa die Alarmwörter Klimakatastrophe oder Terrorverdacht. Dutzende Medien benutzen den Begriff, auch DAS INVESTMENT.com, und lagen damit falsch. Denn Altersarmut droht nicht. Zumindest nicht den rund 30 Millionen Steuerzahlern, die von einer Unterversorgung bedroht sind. Was ist Altersarmut? Per EU-Definition gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des deutschen Durchschnittseinkommens von 781 Euro zur Verfügung hat. Ist das der Fall, greift die Grundsicherung: Der Staat muss unterstützen. Derzeit leben 2,5 Millionen Menschen im Rentenalter von der Grundsicherung, einer Art Sozialhilfe für Rentner, die ihren Lebensunterhalt nicht allein bestreiten können. Durchschnittlich zahlt der Staat 710 Euro im Monat. Jeder zweite Deutsche hat laut einer Emnid-Umfrage Angst vor Armut im Alter. Die OECD rechnete vor, dass in keinem anderen Industrieland Geringverdiener so schlecht versorgt werden wie in Deutschland. Bei Arbeitnehmern mit durchschnittlichem Einkommen rangiert Deutschland im OECD-Vergleich im unteren Drittel. Zurzeit müssen Durchschnittsverdiener 25 Jahre lang Beiträge zahlen, um auf eine monatliche Nettorente von 600 Euro zu kommen. Die Studie von Union Investment ist daher ein ausgezeichneter Weckruf, mehr für die private Vorsorge zu tun. Falsche Interpretationen der Medien haben weder dieses komplexe Werk verdient, noch die künftige Rentnergeneration.

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