Eine Frau in Nepal trägt Trinkwasser: Die Wasserversorgung ist ein wichtiges Thema von Impact Investments. | © imago images / Pacific Press Agency / Dipendra Dhungana Foto: imago images / Pacific Press Agency / Dipendra Dhungana

Einfluss messen, aber wie?

Die Krux der Impact Investments

Seit der industriellen Revolution beeinflusst der Mensch immer stärker die natürlichen Gleichgewichte der Erde. Die Umwelt und die Arbeitskräfte wurden und werden durch die wirtschaftliche Entwicklung immer wieder massiv belastet. Soweit sind das keine neuen Phänomene. Was sich aber in den vergangenen Jahren geändert hat, ist der Umfang und das Ausmaß der damit einhergehenden Risiken. Sie sind heute globaler und aufgrund internationaler Arbeitsteilung auch viel vernetzter. Zudem sind sie weniger reversibel als je zuvor.

Systemische ökologische und soziale Herausforderungen wie Versorgungssicherheit, beispielsweise mit Energie oder sauberem Trinkwasser, Einkommensungleichheit und Migrationsströme sind neue Faktoren in der heutigen Investitionslandschaft. Den Klimawandel bekommen die Menschen immer häufiger in Form von extremen Wetterbedingungen wie Starkregen oder ausgedehnten Dürreperioden hautnah zu spüren. Diese negativen Entwicklungen belasten auch die Volkswirtschaften – und zwar zunehmend dauerhaft.

Die langfristige Stabilität aller Investitionen hängt somit zu einem großen Teil von der Erhaltung der Umwelt und Gesundheit der Gesellschaften ab. Konsequenterweise wird von den Finanzakteuren auch erwartet, dass sie sich mit diesen komplexen Fragen auseinandersetzen.

Nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015 hat die EU verschiedene Gesetzes- und Verordnungspakete auf den Weg gebracht, um den europäischen Finanzsektor zeitnah in Richtung Nachhaltigkeit umzusteuern. Dies ist auch einer der Gründe dafür, warum Banken und Vermögensverwalter eine bis dato nie gesehene Flut an nachhaltigen Anlagelösungen anbieten. Ein anderer wesentlicher Treiber ist die stark gestiegene Nachfrage der Anleger nach ökologisch und sozial vertretbaren Investments.

Die meisten Banken und Vermögensverwalter berücksichtigen heutzutage gewisse Nachhaltigkeitskriterien, orientieren sich an den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO (Sustainable Development Goals, SDGs) oder unterstützen andere Nachhaltigkeitsinitiativen. Die Kunden beziehungswese Vermögensinhaber wollen jedoch früher oder später wissen, wer die gewünschte Nachhaltigkeitswirkung am effektivsten oder überhaupt erreicht. Die Investmentmanager kommen daher kaum darum herum, die Wirkung ihrer Anlagen zu bewerten.

Die Krux mit dem Impact

Bereits heute werden verschiedene Wirksamkeitsmessungen vorgenommen. Ein verbreiterter Ansatz besteht in der Beurteilung der Treibhausgasemissionen von Unternehmen. Diese können den investierten Firmen anteilsmässig zugerechnet werden, woraus sich dann quasi der Treibhausgas-Fußabdruck des Portfolios ableiten lässt. Ob die evaluierten Zahlen auf einheitlichen Normen oder teilweise auf Schätzungen beruhen, ist aufgrund mangelnder Standards und Prüfverfahren schwer zu beurteilen. Vielleicht verhält es sich so wie mit dem Quecksilber-Thermometer: Man erkennt, ob jemand Fieber hat, ein genaues Ablesen der Temperatur ist jedoch schwierig.

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