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BVI-Research-Leiter Einmalanlage oder Sparplan – was ist besser?

Vater mit Tochter und Laptop
Vater mit Tochter und Laptop: Ob Kleinanleger mit einem Einmalinvestment oder einem Sparplan besser fahren, ist ein wiederkehrendes Diskussionsthema innerhalb der Finanzbranche. | Foto: Axa

Zuletzt haben sich Privatanleger stärker an die Kapitalmärkte gewagt. In den zwölf Monaten bis Ende Juni 2021 stieg das in Aktien und Fonds gehaltene Vermögen um 27 Prozent. Es beträgt nun über 1,7 Billionen Euro. Trotzdem besitzt nach wie vor die Mehrheit der Bundesbürger keine Dividendenpapiere, weder direkt noch indirekt über Fonds. Stattdessen liegen fast 3 Billionen Euro unverzinst auf Girokonten, Festgeldern oder Sparbüchern. Damit sind Anleger der steigenden Inflation schutzlos ausgeliefert.

Markus Michel, Foto: BVI

Der größte Hemmschuh für die Umschichtung in Wertpapiere ist die Angst vor Verlusten. Dies zeigt exemplarisch die Studie „Zum Rätsel der Aktienmarktteilnahme in Deutschland“ von der Frankfurt School of Finance and Management und der Goethe-Universität. Danach verbinden Verbraucher, die weder Aktienfonds noch Einzeltitel besitzen, den Begriff „Aktie“ spontan eher mit der Gefahr von Verlusten als mit der Chance auf Gewinne. Forscher kennen das Phänomen dieser Überbewertung von Risiken als „Verlustaversion“.

Was können Sparer tun, um sich mit einer Anlage in Aktien wohl zu fühlen? Einerseits sollten sie risikogestreut anlegen. Das geht am einfachsten über Aktienfonds. Auch Mischfonds, die durch die Kombination von Aktien und Anleihen Marktschwankungen reduzieren, sind eine bewährte Option. Zudem stellt sich die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt. Dabei wird oft der „Durchschnittskosteneffekt“ betont, nach dem ein gestaffelter Einstieg gegenüber einer Einmalanlage vorzuziehen sei. Die Verfechter dieses Effekts argumentieren, dass das regelmäßige Sparen konstanter Beträge die Marktschwankungen weitgehend ausgleicht. Kritiker betonen dagegen, dass diese Interpretation keine wissenschaftliche Grundlage hat und Einmalanlagen höhere Renditen erzielen.

Ein Blick in die BVI-Wertentwicklungsstatistik zeigt, dass für Fondsanlagen in den letzten Jahrzehnten beide Seiten recht haben. Dazu haben wir die letzten 120 Zehnjahreszeiträume bis Ende Oktober 2021 untersucht und die Wertentwicklung einer einmaligen mit einer gestaffelten Anlage in global investierende Aktienfonds verglichen. Das Ergebnis:

  • Im Hinblick auf die Wertentwicklung liegt die Einmalanlage vorn. Der Median bei der Rendite beträgt 4,4 Prozent pro Jahr. Wird die Anlagesumme dagegen auf sechs Einzahlungen über sechs, zwölf oder 36 Monate verteilt, sinkt die annualisierte Rendite auf 4,2 Prozent bis 3,7 Prozent. Das überrascht jedoch nicht, denn bei im Trend steigenden Kursen bedeutet ein späterer Einstiegszeitpunkt häufiger einen entgangenen Gewinn als einen vermiedenen Verlust.
  • Für risikoaverse Anleger konnte der gestaffelte Kauf dennoch vorteilhaft sein, weil die Bandbreite der möglichen Ergebnisse geringer ist. Bei der Einmalanlage reichte sie von minus 1,3 Prozent bis zu 9,8 Prozent pro Jahr, bei einer Aufteilung über drei Jahre nur von 0,7 Prozent bis 8,9 Prozent. Sparer lagen also im Untersuchungszeitraum durchweg im Plus. Das liegt daran, dass die „extremsten“ Zehnjahreszeiträume durch den gestaffelten Einstieg meist abgemildert werden, denn nur ein Sechstel des Kapitals ist über den gesamten Zeitraum investiert.

Zugegeben, die Wahl zwischen einer Einmalanlage und einem gestaffelten Einstieg haben nur Sparer, die schon Geld zur Seite gelegt haben. Sie müssen dann gemäß ihrer individuellen Chance-/Risikoeinstellung entscheiden, ob die tendenziell geringere Bandbreite die niedrigere erwartete (und maximale) Rendite kompensieren kann.

BVI


Über den Autor:
Markus Michel leitet das Research beim deutschen Fondsverband BVI.

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