Pulsierende Metropole Seoul bei Nacht: Das Land Südkorea steht im Vergleich zu anderen Schwellenländern wirtschaftlich und gesellschaftlich gut da. | © Ethan Brooke / Pixabay.com Foto: Ethan Brooke / Pixabay.com

Einzeln aufgeschlüsselt

Das sind die Probleme der Schwellenländer

Vor Covid-19 sah alles danach aus, als könnten die aufstrebenden Volkswirtschaften am Beginn einer langen Phase sehr dynamischer Wachstumsraten stehen. Stattdessen ist eine Ära der Unsicherheit über sie hereingebrochen, die tiefgreifende Folgen haben und mit ziemlicher Sicherheit alle Volkswirtschaften weltweit, einschließlich vieler Emerging Markets (EM), auf Jahre hinaus belasten wird.

Wir sehen unsere seit langem vertretene Überzeugung einmal mehr bestätigt, dass sich in den EM alles um China dreht. Unserer Ansicht nach wird Chinas langfristiger Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft durch diese Pandemie noch deutlicher hervortreten. Unseren Schätzungen zufolge könnte China in den nächsten Jahren rund 50 Prozent des globalen Wachstums erwirtschaften. Andere asiatische Volkswirtschaften – vor allem Taiwan, Südkorea und die südostasiatischen Länder – stehen ebenfalls gut da.

Dagegen dürften Indiens Defizite durch die Pandemie deutlicher werden. Hier ist mit einer strukturellen Wachstumsschwäche zu rechnen, da sich selbst gut geführte Banken des Privatsektors mit einer Welle fauler Kredite konfrontiert sehen könnten.

Mit Ausnahme von Russland sehen wir außerhalb Asiens kaum Schwellenmärkte mit guten Perspektiven. Die größten Volkswirtschaften in den Regionen Lateinamerika und Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) – Brasilien, Mexiko, Saudi-Arabien, die Türkei und Südafrika – stehen vor einer ganzen Reihe von Problemen, die von einer hohen Auslandsverschuldung und nicht tragbaren Haushaltsdefiziten bis hin zu einer abnehmenden Aktiva-Qualität reichen.

Fiskalpolitik

Die Maßnahmen, mit denen sich die Regierungen den Folgen der Pandemie entgegengestemmt haben, und der Einbruch von Wachstum und Beschäftigung überall auf der Welt reißen große Lücken in die Staatshaushalte. Uns machen allerdings strukturelle Ungleichgewichte mehr Sorgen als der plötzliche, von der Pandemie ausgelöste zyklische Schock. Was diese strukturellen Probleme angeht, können wir die Volkswirtschaften in zwei Gruppen einteilen: diejenigen, die diese Krise unserer Ansicht nach erfolgreich bewältigen können, und diejenigen, die noch länger unter den Folgen der Krise leiden könnten.

Die starken Länder sind unserer Ansicht nach leicht zu benennen und finden sich fast ausschließlich in Asien: Taiwan, Südkorea, Thailand, Indonesien und die Philippinen. Natürlich sehen wir China auch in dieser Gruppe. Die enormen industriellen, finanziellen und physischen Vermögenswerte in staatlicher Hand untermauern Chinas Finanzstärke. Allerdings ist das vom IWF berechnete chinesische Staatsdefizit („augmented deficit“), das u.a. auch die Transaktionen der „Local Government Financing Vehicles“ berücksichtigt, hoch und steigt weiter an.

Bankenstabilität

Die Eigenkapitalausstattung der Banken ist in den Emerging Markets insgesamt hoch. Nach vielen Jahren enttäuschender Wachstumsraten und schwachen Kreditwachstums sehen wir im Bankensystem der EM kaum größere strukturelle Probleme.

Allerdings dürften negative konjunkturelle Faktoren die Gewinne der EM-Banken in diesem Jahr stark unter Druck setzen und offenlegen, wie robust die Banken wirklich sind. Die Länder mit starken Bankensystemen sind unserer Ansicht nach leicht zu identifizieren - Russland, Peru, Indonesien und die Philippinen, außerdem vielleicht Ägypten als unerwarteter Kandidat auf dieser Liste. Die Bankensysteme dieser Länder zeichnen sich durch eine geringe Verschuldung, extrem strenge Kapitalanforderungen und eine unserer Einschätzung nach solide Refinanzierungsbasis und hervorragende Liquidität aus.

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