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Brachte 2018 die Investment­steuerreform auf die Bahn: der frühere Finanzminister Wolfgang Schäuble | © imago images / Christian Spicker Foto: imago images / Christian Spicker

Einzeln oder am Stück?

Dachfonds und Fonds-Vermögensverwaltung im Vergleich

Das Büro der Hamburger Vermögensberatung Argentum liegt in einem modernen Bürohaus. Nicht sehr hoch, wie so oft in Hamburg, dafür viel Glas und direkt an einer vierspurigen, rege befahrenen Straße. Drinnen hängen Fotos von der Nordseeinsel Amrum an den Wänden. Ein Freund von Argentum-Mitgründer Thorsten Mohr hat sie geschossen.

Mohr gehört zu einer in Deutschland nicht allzu oft anzutreffenden Spezies: Er betreut zwei Dachfonds. Die Fondsdatenbank Morningstar führt rund 670 solcher Produkte, bei insgesamt fast 9.700 für Deutschland verzeichneten Fonds. Wobei man dazu sagen muss, dass Mohr mit seiner Firma den Fonds offiziell nur berät. Fürs Management auf dem Papier ist die Fondsgesellschaft Metzler Asset Management zuständig. Was nichts an dem Umstand ändert, dass Mohr über die Portfolios entscheidet und sie mit für gut befundenen Fonds bestückt.

Den Argentum Performance Navigator (ISIN: DE000A0MY0T1) hat er 2007 aufgelegt, weil damals die Abgeltungssteuer vor der Tür stand. Heute ist seine Entscheidung aus einem weiteren Grund richtig: Die Investmentrichtlinie Mifid II hat 2018 das Berater-Dasein noch einmal ein gutes Stück erschwert. Gespräche sind aufzuzeichnen, und bei jedem neu gekauften Fonds ist zu klären, ob er wirklich für den Anleger geeignet ist. Das ist insbesondere hart für Berater, die eine Lizenz nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung haben und deshalb ausschließlich Fonds empfehlen dürfen.

„Klassische 34f-Berater können unmöglich aktives Management betreiben und auf Marktbewegungen reagieren“, sagte der Geschäftsführer des Vermögensverwalters HHVM Hamburger Vermögen, Eric Wiese, im Sommer 2019 zu DAS INVESTMENT. Auch Thorsten Mohr hält es für schwierig, Kundenportfolios noch einzeln ohne Dachfonds-Mantel zu bearbeiten. „Ich müsste dann 100 Kunden anschreiben und anschließend noch hinterhertelefonieren, um einen einzigen Fonds umzuschichten“, so der Vermögensberater. Bei seinem Dachfonds drücke er hingegen nur auf einen Knopf und, zack, sei alles erledigt.

Es gibt zwei Möglichkeiten, unter Mifid II Kundenportfolios in einem Rutsch zu bearbeiten und dabei trotzdem alle Fäden in der Hand zu behalten: über Dachfonds und über eine Fonds-Vermögensverwaltung (FVV), wie sie auch HHVM anbietet. Bei einer FVV verwaltet ein Haftungsdach zentral die Kundenportfolios und tritt dabei als Vermögensverwalter auf. Es bleiben aber nach wie vor einzelne Kundendepots mit einzelnen Fonds darin. Den rechtlichen und praktischen Rahmen haben wir bereits in früheren Beiträgen abgesteckt. Fragt sich nur, welche Vor- und Nachteile jede Variante mit sich bringt.

Beginnen wir mit der steuerlichen Komponente, denn die hat es in sich. Schichtet etwa der Berater innerhalb eines Dachfonds eine Position um, bleibt das steuerfrei, selbst wenn dabei ein Gewinn anfällt. In einer FVV gilt jede umgeschichtete Position als Verkauf und Kauf. Und wenn das mit Gewinn geschieht, greift sofort das Finanzamt über die Abgeltungssteuer zu.

Ob das gut oder schlecht ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Dafür besteht jedes Gesamtbild aus zu vielen Einzelheiten. Hat der Anleger zum Beispiel keinen Steuerfreibetrag mehr übrig, ist der Dachfonds die bessere Wahl. Denn dann bleibt bei jeder Umschichtung mehr Geld in der Anlage, das in die neue Position wandern kann.

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