Maximilian Happacher Foto: ERGO Group

Solvency II vor der Reform

„Eiopa-Vorschlag zur Zinskurve hat schwerwiegende Mängel“

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Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) zeigt sich unzufrieden mit dem Maßnahmenpaket, das die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa empfiehlt, um das seit 2016 gültige Aufsichtsregime Solvency II zu reformieren. „Während viele Vorschläge der Eiopa aus aktuarieller Sicht sinnvoll sind, hat die vorgesehene Änderung bei der Herleitung der relevanten Zinskurve schwerwiegende Mängel“, erklärt Maximilian Happacher, der jetzt bei der virtuellen DAV-Jahrestagung zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden gewählt wurde.

„Marktkonsistent“ bewerten

Das europaweit geltende Regelwerk Solvency II verlangt nämlich beispielsweise, dass sowohl die Kapitalanlagen als auch die Zusagen aus den Versicherungsverträgen „marktkonsistent“ bewertet werden. „Da es aber keinen Markt gibt, auf dem Versicherungsverpflichtungen gehandelt werden, muss ihr Wert finanzmathematisch ermittelt werden“, erläutert Happacher. Dazu werde aus den bis Vertragsende erwarteten Zahlungsströmen zwischen Kunde und Versicherer ein jeweils aktueller Zeitwert abgeleitet. 

Basis der Kalkulation soll eine Zinsstrukturkurve sein, welche die Eiopa monatlich veröffentlichten soll. Berechnet werde sie auf der Grundlage von Daten aus tiefen, liquiden und transparenten Kapitalmärkten. „Hier liegt das Problem: Versicherungsverträge laufen häufig 50 Jahre und länger, wohingegen Daten aus tiefen, liquiden und transparenten Kapitalmärkten für Zinspapiere bis maximal 20 Jahren existieren“, erläutert Happacher. Daher sei eine modellhafte Extrapolation der Zinsen für Laufzeiten oberhalb von 20 Jahren erforderlich.

Daten aus Swap-Märkten

„Wie jedes Modell basiert auch diese Extrapolation auf Annahmen. Konkret steht damit die Frage im Raum, wie sich die Zinsen ab 2041 bis weit über das Ende des 21. Jahrhunderts hinaus entwickeln“, so Happacher weiter. Für die Extrapolation, also dem Hochrechnen von Daten zukünftiger Ereignisse, sollen laut Eiopa Daten aus Swap-Märkten einfließen. Doch das sei nach DAV-Analysen hoch problematisch.

Denn: „Swaps sind schwankungsanfällige, derivative Finanzins­trumente und keine Papiere, die Anteile an Substanzwerten beziehungsweise Forderungen gegenüber Unternehmen oder Staaten verbriefen. Sie sind damit das Gegenteil von verlässlichen Kapitalanlagen, wie sie speziell für die Altersvorsorge­produkte des deutschen Lebensversicherungsgeschäfts mit seinen langlaufenden Garantiezusagen benötigt werden“, so Happacher weiter.

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