Svetlana Kerschner (Redakteurin)Lesedauer: 3 Minuten

„Eiskalte Rentenkürzung" oder „Generationengerechtigkeit"? Politiker und Verbände über Rente mit 70

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„Bereits die Rente mit 67 war ein Fehler“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erteilt der Rente mit 70 hingegen eine klare Absage. „Bereits die Rente mit 67 war ein Fehler", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Neuen Osnabrücker Zeitung. Denn das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung sage nichts über die individuelle Lebenserwartung der arbeitenden Menschen aus. Schließlich hätten schwer arbeitende Menschen ein höheres Sterblichkeitsrisiko als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen. „Wer also das Renteneintrittsalter anhebt, kürzt all diesen Menschen eiskalt deren Rente“.

Schon heute würden viele ältere Arbeitnehmer nicht das gesetzliche Rentenalter erreichen, so Buntenbach weiter. Sie werden oft vorher arbeitslos oder chronisch krank und retten sich nach Bezug von Arbeitslosengeld I und II oder Krankengeld nur mit Mühe in eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen. "Diejenigen, die dieses rettende Ufer nicht erreichen, fallen zumeist ins Hartz-IV-Regime und infolgedessen oft in Altersarmut."

Auch für Fabio De Masi, stellvertretenden Vorsitzenden der Linken im Bundestag ist die Forderung der Bundesbank „weltfremd und nur eine versteckte Rentenkürzung“. Stattdessen brauche es ein Rentensystem, in das alle einzahlen, auch Selbstständige und Politiker. Zudem müssten die Löhne mit der Produktivität wachsen, dann stiegen auch die Beiträge ins Rentensystem.

„Strategie für ein gesünderes längeres Arbeiten“

Auch die SPD kann der Rente mit 69 Jahren und vier Monaten nichts abgewinnen. Die Grünen sehen das differenzierter. „Wir brauchen eine Strategie für ein gesünderes längeres Arbeiten und keine Rente mit 69 für alle“, sagte Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher der Grünen. Er fordert umfangreiche Weiterbildungen für Ältere, eine Stärkung der Erwerbsminderungsrente und eine attraktivere Teilrente.

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